Gericht verurteilt Rechtsanwalt wegen Betruges

Ein Hagener Amtsrichter verurteilte den Rechtsanwalt zu einer Geldstrafe.
Ein Hagener Amtsrichter verurteilte den Rechtsanwalt zu einer Geldstrafe.
Foto: Kurt Michelis
  • Hagener Rechtsanwalt ersteigert Immobilie und zahlt keinen Cent
  • Gericht verurteilt den Advokaten wegen Betruges
  • Einzelrichter übt Kritik an Kollegen vom Landgericht

Hagen.  Amtsrichter Michael Brass bezeichnete den stadtbekannten Rechtsanwalt (77), den er gestern als Betrüger verurteilte, als „gestandenen Jurist, der sich verrannt hat“. 9600 Euro Geldstrafe (120 Tagessätze zu 80 Euro) soll der Advokat nun zahlen, doch das letzte Wort ist nicht gesprochen: Er will weiterkämpfen und wird in Berufung gehen.

Der ehemalige Notar, bereits sein Großvater und sein Vater waren angesehene Hagener Anwälte, ist ein großer Freund des Theaters, er sammelt Kunst und mischt sich gerne öffentlich ein. Soweit die charmante Seite. Doch mit zunehmendem Alter entwickelte der Jurist auch Eigenschaften, die ihm immer mehr Feinde schafften. Geradezu legendär sind seine Briefe, die er zu hunderten verschickt: Neben gekonnt ironisch formulierten Schreiben finden sich unflätige, beleidigende Schriftstücke. Manches ist einfach nur wirr.

Schon mehrfach musste sich die Anwaltskammer mit dem 77-Jährigen befassen – im März verhängte sie ein vorläufiges Tätigkeitsverbot gegen ihn. „Wegen Geistesgestörtheit“, wie er es nennt. Dagegen legte er Widerspruch ein. Durch die aufschiebende Wirkung darf er den Anwaltsberuf derzeit weiter ausüben. Das Hauptverfahren läuft noch.

Im Betrugsverfahren ging es gestern um eine Hausversteigerung im September 2015, bei der der angeklagte Anwalt fleißig mitbot, obwohl er das Geld gar nicht flüssig hatte. Das Geschäftshaus an der Mittelstraße gehörte ihm damals nämlich bereits zur Hälfte: „Ich habe einfach nur verhindern wollen, dass der türkische Interessent, der bis 300 000 Euro mithielt, mein neuer Miteigentümer wird. Ein Notwehr-Akt. Ich hätte auch eine Million geboten.“

Kritik am Landgericht

Bei 310 000 Euro erhielt der Anwalt den Zuschlag, den er („ich wollte ihn ausbooten“) kurz darauf anfechtete. Bis heute, 15 Monate später, hat er keinen Cent für die ersteigerte Immobilie gezahlt. Das Geschäftshaus in der Fußgängerzone, in dem sich früher mal eine Eisdiele befand, steht leer. Richter Brass, der als Einzelrichter tagte, wertete das Verhalten als Betrug: „Er hat durch Täuschung und Irrtum den Zuschlag als Alleineigentümer erworben.“

Der Rechtsanwalt habe den vorherigen Teil-Eigentümer insbesondere dadurch geschädigt, dass er diesem den Kaufpreis nicht gezahlt habe, so Richter Brass, der auch Kritik an seinen Richterkollegen übte: „Wieso sitzt das Landgericht seit über einem Jahr auf diesem Fall und kommt mit der Beschwerde und Anfechtung nicht zu Rande?“

Amtsrichter Brass hat auch „keine vernünftigen Zweifel an der Prozess- und Schuldfähigkeit“ des Anwalts. Dieser „zeige sich umfassend orientiert, seine Schriftsätze im Vorfeld haben Hand und Fuß gehabt“, hieß es im Urteil. „Nirgends ist ersichtlich, seine geistigen Fähigkeiten in Zweifel zu ziehen.“

 
 

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