Genossenschaft setzt weiter auf Solarstrom

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Hagen.. „Wir sind nicht besonders überrascht und lassen uns daher nicht abschrecken, das wäre ein falsches Zeichen“, kommentierte gestern Ingrid Klatte, Energieberaterin bei der Hagener Verbraucherberatung und Mitglied der Hagener Bürger-Energie-Genossenschaft die angekündigten Förderkürzungen für Photovoltaikanlagen.

Ab April soll die Einspeisevergütungen für den selbst produzierten Sonnenstrom für Anlagen auf Dächern um 20 Prozent sinken. „Das ist natürlich für solch einen massiven Einschnitt ein sehr kurzer Zeitraum. Da dürfte es auch mit Blick auf die Jahreszeit vor dem Stichtag kaum möglich sein, noch eine Anlage aufs Dach zu bringen.“

Genossenschaft betreibt elf Anlagen

Die Genossenschaft betreibt in Hagen und in der Region mit rund 180 Teilnehmern bislang elf Anlagen. In Hagen wurde das Dach der Hasper Gesamtschule mit Solarzellen bestückt. Jährlich können allein von Haspe aus 25 000 Kilowattstunden ins Netz eingespeist werden, die bislang mit 24,4 Cent vergütet wurden. Für Anlagen, die bereits am Netz sind, ändert sich nichts. In Haspe soll eine zweite Anlage gebaut werden, zehn weitere städtische Dächer haben die Betreiber ins Auge gefasst.

Eine satte Rendite, so Ingrid Klatte, werde man damit aber nicht erzielen. Weil die Anlagen immer billiger geworden sind, könnten aber auch in Zukunft immer noch rund drei Prozent erzielt werden. Sie gibt jedoch zu bedenken: „Bei der Anschaffung haben wir uns bislang trotz des Preisunterschieds auf deutsche Produkte und heimische Handwerker beschränkt. Wird die Einspeisevergütung jetzt immer weiter gesenkt, werden immer mehr Anlagenbetreiber auf die noch billigeren chinesischen Solarmodule ausweichen. Zum Nachteil der deutschen Solarindustrie.“

"Kaum zu glauben"

Für Helmuth Küffner von der Berchumer Initiative für Solare Energien e.V. ist die plötzliche und drastische Kürzung ein Schock. „Es war einmal die Rede von einer jährlichen Absenkung von fünf Prozent. Wenn die Regierung jetzt so handelt, dann hat niemand mehr Planungssicherheit.“ Das gelte nicht nur für die Betreiber, sondern beispielsweise auch für diejenigen, die ihre Dächer für Großanlagen verpachten wollen. Auch Küffner ist der Auffassung, dass die deutsche Solarindustrie jetzt mit erheblichen Einbußen zu kämpfen haben wird. „Und so etwas kommt aus dem Wirtschaftsministerium. Kaum zu glauben.“

„Wer trotzdem eine Anlage anschaffen will, der sollte jetzt nichts überstürzen. Es gibt immer wieder Anbieter, die gerade auf die Schnelle mindere Qualität zu hohen Preisen liefern“, rät Joachim Wittkowski vom Umweltamt der Stadt von einem Schnellschuss ab. Er geht davon aus, dass sowohl Privatpersonen wie auch die Genossenschaft und der Energieversorger Mark E in Hagen weiterhin auf Solarstrom setzen werden.

 
 

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