Galerie-Giganten in Hagen wollen friedlich koexistieren

Die neue Rathaus-Galerie wird der Stadt 22.000 Quadratmeter neue Einkaufsfläche bescheren.
Die neue Rathaus-Galerie wird der Stadt 22.000 Quadratmeter neue Einkaufsfläche bescheren.
Foto: M. Kleinrensing
In fünf Wochen startet die Rathaus-Galerie in Hagen, ein 105-Millionen-Euro-Projekt. Parallel dazu läuft die Sanierung der Volme-Galerie, dem zweiten großen Einkaufszentrum der Stadt. Die beiden Center sehen sich zwar als Konkurrenten, wollen sich aber nicht bekriegen.

Hagen. Die so genannte „Neue Mitte“ wurde als Aufbruch in eine neue Konsumzukunft gefeiert. In den nächsten Wochen und Monaten folgt – um im Bild zu bleiben – ein weiteres Facelifting im Herzen der Innenstadt: und zwar nicht nur ein wenig Botox-Unterspritzen, sondern echtes Faltenstraffen inklusive der Beseitigung von unansehnlichen Altersflecken. Erweiterung des Einzugsgebietes, Verbesserung der Zentralität, Kaufkraftzufluss und Attraktivitätssteigerung lauten die Vokabeln der Zukunft. Optimismus soll die Kauflaune in Hagen diktieren.

In fünf Wochen startet die Rathaus-Galerie. Ein 105-Millionen-Euro-Projekt, das Hagen 22.000 Quadratmeter neue Einkaufsfläche beschert. Parallel dazu läuft die äußere und innere Sanierung der Volme-Galerie. „Eine gesunde Konkurrenz zwischen zweien, die sich nicht bekriegen“, kündigte Christoph Höptner, Center-Manager der Rathaus-Galerie, bei der WP-trifft-Freunde-Podiumsdiskussion am Freitagabend im Restaurant der Stadthalle eine friedlich-konstruktive Koexistenz der beiden Shopping-Platzhirsche in 1-A-Lage der Hagener City an.

„Wir werden nicht gegeneinander arbeiten, sondern unsere Energie in die Qualität und die Angebote unserer Häuser lenken“, pflichtete ihm sein Volme-Galerie-Pendant Markus Scheer prompt bei: „Wir sind uns einig: Hagen insgesamt wird nur stärker, wenn wir kooperieren.“

Großzügiges Konzept

Zuvor hatte Scheer, der die Volme-Galerie seit fünf Jahren leitet, die bevorstehenden Veränderungen in seinem 28.000 Quadratmeter großen Haus skizziert. Bis zum Oktober 2015 soll nicht nur die Horten-Fassade verschwinden und durch eine offene, der sonstigen Galerie-Optik angepassten Front ersetzt werden, sondern auch der Eingang an der Badstraße deutlich einladender und großzügiger gestaltet werden.

Aber auch das Innenleben des Hauses wird sich deutlich verändern: „Die gesamte Mall wird großzügiger, heller, ja einfach moderner gestaltet“, berichtete Scheer den interessiert lauschenden Gästen des Abends von neuen LED-Lichtinseln an den Decken sowie deutlich verbreiterten und vor allem begradigten Wandelgängen für die Schaufensterbummler, die den Besuchern ganz neue Durchblicke eröffnen. Welche Mieter in Zukunft die dem Umbau geschuldeten Leerstände füllen werden, mochte der Galerie-Manager freilich noch nicht preis geben.

Die zähe Zeit der Bauarbeiten hat derweil der Rathaus-Galerie-Manager bald hinter sich. Auch wenn auf den Laufachsen heute noch die Innenausbauer den Rhythmus bestimmen, versprach Höptner optimistisch: „Hagen wird als Einkaufsstadt interessanter, als es heute schon ist.“ Ziel seines Hauses sei es, als ein Teil des gesamten Einkaufsstandortes Hagen nicht nur die eigenen Bürger in der Stadt zu halten, sondern vor allem die 634.000 Menschen im 20-Minuten-Fahrradius rund um den Friedrich-Ebert-Platz anzulocken: „Die Hagener sollten selbstbewusst und weniger kritisch mit ihrer Stadt umgehen.“

Für dieses Wir-Gefühl möchte die Rathaus-Galerie die Bühne bieten. Aktionsflächen sollen zum einen für Modenschauen und Promotion-Aktionen dienen, aber auch den Vereinen und Gruppen aus der Bürgerschaft als Plattform für lokale Aktivitäten dienen.

Händler müssen reagieren

Ein Miteinander der Galerie-Giganten, das dem etablierten Hagener Kaufmann Jochen Schleuter (Wolff 1782) keineswegs beunruhigt: „Natürlich überwog bei den Hagener Einzelhändlern zunächst die Skepsis, als sich die zweite Galerie ankündigte. Aber wir müssen diese Erweiterung des Angebots als Chance begreifen. Hier entsteht zusätzliches Werbepotenzial für unsere Stadt, mit dem wir auch Menschen aus Lüdenscheid oder Dortmund mal nach Hagen ziehen können.“

Er selbst verstehe als Modehaus inzwischen in der achten Generation Handel als permanenten Wandel. Genauso wie er auf Online-Anbieter reagieren müsse, gelte es auch, sich auf die Rathaus-Galerie neu einzustellen. Zum einen durch echte Alternativ-Angebote beim Sortiment, die die Kunden weiterhin auf die Elberfelder Straße locken. Aber auch eine kleine Dependance in einer der Galerien wollte Schleuter für die Zukunft nicht ausschließen.

Damit nahm er mit seiner Gedankenwelt bereits vorweg, was Wladimir Tisch vom City-Management der Hagen-Agentur sämtlichen Anbietern entlang der Fußgängerzone an diesem Abend in der Stadthalle ohnehin ans Herz legen wollte: „Die Händler müssen umdenken, um sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden. Es gilt Aktionen und Konzepte zu entwickeln, die die neuen Kunden, die künftig in Hagen vorbeischauen werden, auch in ihre Länden führen.“ Nur so könne man die Interessenten aus dem Umland nicht nur herbeilocken, sondern auch in Hagen halten.

Humoristisch-musikalisches Finale

Eine optimistisch, aber auch nachdenklich stimmende Podiumsdiskussion, der im Anschluss der Kabarettist Marek Fis ein humoristisches Finale par excellence aufsetzte. Der selbst ernannte Augenschmaus und Ostblock-Latino traf mit seinen semi-philosophischen Gedanken zu deutsch-polnischen Befindlichkeiten mitten in die Humorzentren der WP-Leser-Party-Gäste. Der frech-dreiste Comedian rollte damit den Teppich aus für einen genussvollen musikalischen Abendausklang mit der Band „Finka“.

Die Hagener Formation rund um die charmante, gewinnend-fröhliche und vor allem mit prägnanter Stimme überzeugende Sängerin Nina Finkhaus demonstrierte vor allem mit eigenen Songs, dass Hagen nicht nur für Shopping-Galerien, sondern auch für den musikalischen Nachwuchs weiterhin ein gutes Pflaster zu sein scheint.

 
 

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