Hagen

Frauen retten 17-Jährigen vor Schlägertruppe

Boris Schopper
Jenny Wever und Patricia Braun zeigten Zivilcourage. Foto: Michael Kleinrensing
Jenny Wever und Patricia Braun zeigten Zivilcourage. Foto: Michael Kleinrensing
Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen. „Wir konnten doch nicht einfach zusehen“, sagen Patricia Braun und Jenny Wever aus Hagen. Die beiden Frauen griffen Freitagnacht beherzt ein, als eine fünfköpfige Gruppe einen Jugendlichen attackierte und schlug.

Mit blutverschmiertem Gesicht liegt ein 17 Jahre alter Jugendlicher auf dem Johanniskirchplatz. Angegriffen und niedergeschlagen von fünf anderen Jugendlichen. Dutzende Passanten beobachten die Szenerie – und gehen vorbei. Einzig zwei Fußgänger greifen ein. Zwei Frauen, Mutter und Tochter, 47 und 28 Jahre alt. „Wir konnten doch nicht einfach zusehen“, sagen sie wie selbstverständlich

Es ist Freitag, kurz vor Mitternacht, als Patricia Braun mit ihrer Tochter Jenny Wever Richtung Johanniskirchplatz gehen. Aus der Entfernung sehen sie eine Gruppe junger Leute. „Das sah alles ganz normal und friedlich aus. Sie unterhielten sich“, erinnert sich Jenny Wever. Doch plötzlich gibt es wie aus dem Nichts ein Gerangel, einen Schlag, einen Schubser. Ein 17 Jahre alter Junge fliegt regelrecht zu Boden, prallt mit voller Wucht auf den Hinterkopf. „Man hat das richtig rumsen hören“, erzählt Jenny Wever. Sie ruft Richtung der Angreifer: „Was geht denn hier ab!“ Die Frauen marschieren jetzt mit schnellen Schritten auf die Gruppe zu, die sich zu fünft gegen einen Jugendlichen wendet.

Darüber nachgedacht, dass sie selbst in den Konflikt gezogen werden könnte, habe sie nicht. „Ich habe gesehen, dass dort jemand in Not ist. Die Angst kam später, als alles vorbei war“, sagt die 28-Jährige.

Ambulant in Krankenhaus versorgt

Die fünfköpfige Angreifergruppe indes denkt glücklicherweise nicht daran, die beiden Frauen anzugehen, sondern ergreift sofort die Flucht. Die beiden Frauen kümmern sich um den am Boden liegenden Jungen. Als er versucht aufzustehen, sackt er sofort wieder zusammen. Sein Mund ist voller Blut, er ist benommen. „Das sah ernst aus. Ich hätte ihn nicht alleine nach Hause laufen lassen“, erinnert sich Patricia Braun. Mutter und Tochter helfen dem Jungen auf eine Parkbank und rufen Polizei und Notarzt.

Der 17-Jährige ist zum Glück nicht ernsthaft verletzt und kann das Krankenhaus nach einer ambulanten Behandlung wieder verlassen.

Was aber hätte noch passieren können, wenn die beiden Frauen keine Zivilcourage gezeigt hätten? „Ich kann die Leute nicht verstehen“, wundert sich Jenny Wever, „man kann doch wenigstens zum Handy greifen und die Polizei rufen.“ Für sie sei es selbstverständlich, in einem solchen Fall etwas zu unternehmen. „Ich habe einmal ein Seminar zum Thema ,Zivilcourage’ mitgemacht. Weggucken ist doch das Schlimmste“, sagt die 28-Jährige, die selbst drei kleine Kinder hat. „Wenn meine Kinder angegriffen oder bedroht werden, möchte ich doch auch, dass jemand dazwischen geht und ihnen hilft.“