Förderschulen auf dem Prüfstand

Die August-Hermann-Francke-Schule verschmilzt mit der Bodelschwingh-Schule.
Die August-Hermann-Francke-Schule verschmilzt mit der Bodelschwingh-Schule.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Im Zuge der Schulentwicklungsplanung sind auch die Förderschulen ins Visier von Verwaltung und Politik geraten. Denn der demographische Wandel macht vor dieser Schulgruppe natürlich nicht Halt, sondern erfordert Zusammenlegungen bzw. die Aufgabe von Standorten.

Hagen.. Im Zuge der Schulentwicklungsplanung sind auch die Förderschulen ins Visier von Verwaltung und Politik geraten. Denn der demographische Wandel macht vor dieser Schulgruppe natürlich nicht Halt, sondern erfordert Zusammenlegungen bzw. die Aufgabe von Standorten.

Der Stadtrat hat bereits beschlossen, dass die Förderschule Friedrich von Bodelschwingh in drei Jahren mit der August-Hermann-Francke-Schule in deren Gebäude in der Selbecke verschmelzen soll. Die Francke-Schule wird auslaufend geschlossen und darf schon in diesem Jahr keine neuen Schüler mehr aufnehmen.

Größere Einheit wird zum Namensgeber

Selbstredend wird 2016 auch ihr Name aus der Hagener Schullandschaft verschwinden, da sie mit 76 Schülern wesentlich kleiner ist als die Bodelschwingh-Schule (184 Schüler) in Wehringhausen und es bei Schulfusionen üblich ist, dass die größere Einheit zum Namensgeber wird. Der von der Schulpflegschaft der Bodelschwingh-Schule geäußerten Befürchtung, dass es Schülern aus Haspe nicht zuzumuten sei, morgens mit dem Bus bis zur Selbecke zu fahren, begegnet das Schulamt mit dem Hinweis, dass die Kinder alternativ an der Fritz-Reuter-Schule in Boelerheide angemeldet werden dürfen. „Dort haben wir noch Kapazitäten“, so Jochen ­Becker, Leiter des Fachbereichs Bildung.

Auf der Kippe steht auch die vierte Förderschule Lernen, die Pestalozzischule in Hohenlimburg, in der zurzeit noch 65 Schüler unterrichtet werden. Im Rathaus geht man davon aus, dass die Zahl der Förderschüler nicht nur aufgrund des allgemeinen Geburtenrückgangs abnimmt, sondern auch im Zuge der Inklusion. Die Landesregierung plant bekanntlich, den Eltern von behinderten Kindern einen Platz an einer Regelschule zu garantieren – sofern sie das denn wollen.

„Inklusion gibt es zwar schon heute, aber wir kommen demnächst in ganz andere Dimensionen“, prognostiziert Becker.

Möglicherweise gibt es in 20 Jahren in Hagen keine Förderschule mehr mit dem Schwerpunkt Lernen. Einige Wissenschaftler und Politiker halten es sogar für möglich, dass auch alle Kinder mit den Förderschwerpunkten Sprache, geistige Entwicklung sowie emotionale und soziale Entwicklung an Regelschulen unterrichtet werden können. An solcherlei Absichten üben allerdings selbst Sonderpädagogen heftige Kritik – freilich zumeist nicht in der Öffentlichkeit, da sie sich nicht dem Vorwurf, sie hätten etwas gegen Integration, aussetzen wollen. Jochen Becker wagt sich immerhin mit dem Satz vor, dass „für manche dieser Kinder eine Förderschule der optimale Förderort“ sei.

Schulzentrum wird wohl abgerissen

Dennoch könnte es, zumindest räumliche, Veränderungen geben. Die Wilhelm-Busch-Schule würde ihre beiden Standorte in Halden (Primarstufe) und Hohenlimburg (Sekundarstufe) gern in der Hauptschule Vorhalle, die 2016 geschlossen wird, zusammenziehen. Diesem Vorhaben muss der Stadtrat allerdings noch zustimmen, denn auch das Servicezentrum Sport hat ein Auge auf das Gebäude geworfen.

Dagegen scheinen die Tage des Schulzentrums in Wehringhausen gezählt. Wenn die Bodelschwingh-Schule und das Rahel-Varnhagen-Kolleg, das 2016 in die Realschule Emst ziehen wird, den Standort verlassen haben, wird die als Energiefresser geltende Immobilie wohl abgerissen.

 
 

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