Finanzinvestor greift nach Hagener Handelskonzern Douglas

Der US-Finanzinvestor Advent will offenbar bei Douglas einsteigen.
Der US-Finanzinvestor Advent will offenbar bei Douglas einsteigen.
Foto: dapd
Neue Spekulationen um die Hagener Douglas-Gruppe: Die US-Beteiligungsgesellschaft Advent International spricht Finanzkreisen zufolge mit den Großaktionären über einen Einstieg bei dem Handelskonzern. Ziel sei die Mehrheitsübernahme. Stellungnahmen dazu gibt es nicht. Die Gründerfamilie Kreke hatte Anfang des Jahres angekündigt, für Douglas einen Börsenrückzug mit Hilfe von Finanzinvestoren zu prüfen.

Hagen/Frankfurt.. Die seit Monaten andauernden Spekulationen um die Zukunft des Douglas-Konzerns erhalten eine neue Wendung. Der US-Finanzinvestor Advent International bereitet offenbar einen Einstieg bei dem Hagener Handelsriesen vor. Finanzkreise bestätigten entsprechende Berichte am Dienstag gegenüber der Westfalenpost. „Es finden Gespräche mit Anteilseignern statt“, sagte eine mit dem Vorgängen vertraute Person.

Offiziell gibt es dafür allerdings keine Bestätigung; alle Beteiligten haben sich ein Schweigegelübde auferlegt. „Wir können und wollen das nicht kommentieren. Es gibt derzeit nichts Neues“, erklärte ein Douglas-Sprecher. Auch Advent lehnte eine Stellungnahme ab; der Ulmer Drogerieunternehmer und Douglas-Großaktionär Erwin Müller war dafür nicht erreichbar.

Pläne bleiben unklar

So bleiben die Pläne der Beteiligungsgesellschaft mit Douglas einstweilen unklar. Immerhin peilt Advent den Finanzkreisen zufolge eine Mehrheitsbeteiligung bei der Handelsgruppe an. Und nach Informationen der „FAZ“ aus der „Frankfurter Finanzwelt“ steht der US-Investor bereits kurz vor einer Einigung mit Müller über den Kauf seiner Anteile und Optionen.

Der schweigsame Drogerie-Patriarch hält 10,8 Prozent der Douglas-Aktien und zudem Kauf-Optionen für eine Aufstockung um weitere gut 15 Prozent auf eine Sperrminorität. Müller, der sich nie klar zu den Zielen seines Douglas-Engagements geäußert hat, hatte noch im Frühjahr angekündigt, seinen Anteil weiter ausbauen zu wollen. Zuletzt wurde aber spekuliert er könnte diese Pläne wieder verwerfen, nachdem verlustreiche Währungsgeschäfte mit Schweizer Franken den Gewinn der Drogerie-Kette einbrechen ließen.

Soll sich Douglas von der Börse zurückziehen?

Es spricht darüberhinaus vieles dafür, dass Advent auch mit den anderen Douglas-Großaktionären verhandelt - dem Bielefelder Nahrungsmittelkonzern Oetker (25,81 Prozent) und der Gründerfamilie Kreke (12,73 Prozent). Auch das Bankhaus Sarasin (10,7 Prozent) dürfte in den Prozess involviert sein. Schließlich, so heißt es aus informierten Kreisen, sei Advent ein Finanzvestor, der bei Investionen „im Schulterschluss unterwegs“ sei mit der Geschäftsführung und den Eigentümern. Und „niemand, der unabgestimmt vorgeht und feindlich irgendwo hereingrätscht“.

Ist Advent also womöglich der schon länger gesuchte Partner, mit dessen Hilfe die Gründerfamilie Kreke Douglas zurückkaufen und von der Börse nehmen will? Entsprechende Überlegungen hatte Konzernchef Henning Kreke zu Jahresbeginn bestätigt. Motiv: Die aus Sicht der Gründerfamilie schlechte Bewertung der Douglas-Aktie an der Börse und große Sanierungsbedarf bei der angeschlagenen Buchhandelstochter Thalia. Dazu soll es nach unbestätigten Informationen bereits Sondierungsgespräche mit den Finanzinvestoren BC Partners, Apax und Permira gegeben habe. Neben Advent hat laut „FAZ“ aber nur letztere noch ein Interesse an dem Geschäft.

Advent als "Brückenbauer" für Douglas?

Auf der Hauptversammlung Ende März hatte Kreke offen gelassen, ob und wann es zu einer solchen Transaktion kommen könnte. Finanzinvestoren, so der Douglas-Chef damals, wären dabei „nur Weggefährten auf Zeit, um eine Brücke in die Zukunft zu bauen“. Und: „Wir werden - wenn überhaupt - nur mit einem Finanzinvestor zusammenkommen, mit dem eine größtmögliche Übereinstimmung besteht.“

Ob Advent International dieser gesuchte „Brückenbauer“ für Douglas sein könnte, bleibt vorerst offen. Gleiches gilt für die Frage, welche Folgen ein solcher Handel hätte für die fast 24 000 Beschäftigten in den Parfümerien, Buchhandlungen, Schmuckläden (Christ), Konfiserien (Hussel) und Modehäusern (Appelrath-Cüpper) des Konzerns. Vorerst zumindest. Denn unmittelbar, so heißt es, stehe keine Einigung bevor.

 
 

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