Familienvater rettet Lebensmüde und verliert Hab und Gut

Beim Feuer in der Flüchtlingsunterkunft in der Unternahmer verhinderte ein Bewohner Schlimmeres.
Beim Feuer in der Flüchtlingsunterkunft in der Unternahmer verhinderte ein Bewohner Schlimmeres.
Foto: Volker Bremshey
  • Familienvater bewahrt 27-Jährige vor dem Tod
  • Frau hatte in Flüchtlingsunterkunft Feuer gelegt
  • Retter verliert sein gesamtes Hab und Gut

Hohenlimburg. Ein junger Familienvater hat einer 27-jährigen Frau, die auch nach Erkenntnissen der Kripo Hagen am Donnerstagabend in der Flüchtlingsunterkunft in der Unternahmer das von ihr bewohnte Zimmer angezündet und sich schwere Armverletzungen zugefügt hat, vor dem Tod bewahrt.

Denn der Albaner, der mit seiner Frau und seinem neun Monate alten Sohn in einem Wohnraum mit Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss wohnt, hatte die Rufe der Frau gehört, Hilfe geholt und eine Katastrophe verhindert. „Er hat ihr das Leben gerettet“, sagt Thomas Gerlach, Pastor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde von der Uferstraße.

Die durch Ereignisse in ihrer Heimat traumatisierte Frau aus Tadschikistian wird weiterhin in einem Hagener Krankenhaus behandelt, befindet sich aber nicht mehr in Lebensgefahr. Der Lebensretter und seine Familie haben durch das Feuer alles verloren. Ursache dafür sind das Löschwasser und der giftige Rauch, der in den bescheidenen Wohnraum eingedrungen ist.

Fremdverschulden auszuschließen

Deshalb hat Pastor Gerlach am gestrigen Morgen mit Gemeindegliedern spontan eine Sammelaktion inszeniert, Kontakte zur Caritas geknüpft, um Lebensmittel, Kleidung und Wäsche zu organisieren. „Die Familie braucht nicht viel“, betonte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Aber sie hat aktuell nichts mehr.“

Nicht einmal sein Handy hatte der Familienvater aus seiner Wohnung mitnehmen können, um gestern Morgen seinen neuen Arbeitgeber in einer Nachbarstadt anzurufen, um sich aufgrund der besonderen Ereignisse kurzfristig abzumelden. Er hat diesen Arbeitsplatz erst zu Wochenbeginn erhalten und deshalb noch keinen Lohn bekommen. Und das Sozialamt springt kurzfristig nicht unterstützend ein, weil der junge Mann jetzt in einem festen Arbeitsverhältnis steht.

Deshalb ist, so Thomas Gerlach, unbürokratische Hilfe erforderlich. Die Familie kann nämlich auch nicht in ihre Wohnung zurückkehren. Diese muss komplett saniert werden.

Zurückkehren konnten dagegen noch in der Nacht die anderen Bewohner des Hauses. Sie hatten zunächst in einem Bus, mit dem sie zu einer anderen Flüchtlingsunterkunft in Hagen gebracht werden sollten, abgewartet. Nachdem die Feuerwehr die oberen Etagen des Hauses durchgelüftet hatte und keine Gefahr vorhanden war, konnten sie dann noch in der Nacht wieder in ihre Wohnungen zurück.

Wo und womit die 27-Jährige in dem Wohnraum das Feuer gelegt hat, war gestern noch nicht geklärt. Die Ermittlungen der Kripo Hagen dauern noch an. Als sicher gilt jedoch weiterhin, dass ein Fremdverschulden auszuschließen ist.

 
 

EURE FAVORITEN