Familienfreundlichkeit fängt in Hagen vor der Haustür an

Spielgeräte für Senioren und Kinder auf dem Spielplatz an der Grundschule Boloh: Das Stadtteilforum Eppenhausen hat hier einen Mehrgenerationenspielplatz eröffnet. Ein wichtiger Beitrag zur Familienfreundlichkeit in Hagen.
Spielgeräte für Senioren und Kinder auf dem Spielplatz an der Grundschule Boloh: Das Stadtteilforum Eppenhausen hat hier einen Mehrgenerationenspielplatz eröffnet. Ein wichtiger Beitrag zur Familienfreundlichkeit in Hagen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Zum Auftakt der Serie „Was braucht Hagen?“ geht es um die Familienfreundlichkeit. In rund 17.800 Hagener Haushalten leben Kinder.

Hagen. In rund 17.800 Hagener Haushalten leben Kinder. Die meisten dieser Haushalte gibt es im Stadtzentrum und am Remberg. Das ist wichtig zu wissen. Denn ein großer Kritikpunkt der Bürger und Leser, die wir zum Thema Familienfreundlichkeit im Rahmen unserer Serie „Was braucht Hagen?“ befragt haben, sind die Spielplätze im Stadtgebiet. Sowohl deren Anzahl als auch deren Qualität.

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Kritikpunkt Spielplätze

Zu verdreckt, zugemüllt und insgesamt einfach viel zu wenige. Hagens Bürger sehnen sich nach mehr Spielmöglichkeiten für ihre Kinder im jeweiligen Wohngebiet. „Die Spielplätze sind ziemlich dreckig geworden und in die Jahre gekommen, auch der im Volkspark. Und Schulhöfe sind am Nachmittag abgeschlossen, was ich überhaupt nicht verstehen kann“, sagt Bürgerin Sonja Dellkamp und trifft damit einen Punkt, den viele Hagener mit ihr teilen. Das Problem gebe es nicht nur in bevölkerungsreichen Stadtteilen wie Altenhagen, sondern auch auf Emst oder im Hagener Süden. Der klare Wunsch der Bürger: Mehr Spielmöglichkeiten, vor allem im Innenstadtbereich, wo es mit dem Spielbereich im Volkspark nur eine echte Spielfläche gebe. Und: intensivere Reinigung und Überwachung der Sauberkeit auf den Spielplätzen im ganzen Hagener Stadtgebiet.

Kritikpunkt Kita-Beiträge

Über die Kita-Gebühren in Hagen hat unsere Zeitung zuletzt intensiv berichtet. Die sind im landesweiten Vergleich sehr hoch in Hagen und werden zum 1. Oktober erneut ansteigen. Untere Einkommensgruppen werden zwar entlastet, höhere aber deutlich stärker belastet.

Bei unserer Umfrage ergab sich der vielfach geäußerte Wunsch: runter mit den Kita-Gebühren, die vor allem die Mittelschicht stark treffen. Die 27-jährige Hagenerin Karina Hölterhoff hatte sich bereits im Frühjahr an die Spitze einer Bewegung gesetzt und dem Oberbürgermeister eine Liste mit rund 1200 Unterschriften gegen die erhöhten Beiträge in Hagen überreicht.

Kritikpunkt Grundsteuer

Sich und seiner Familie ein neues Nest bauen? Kein günstiges Unterfangen. Denn Hagen erhebt unter allen kreisfreien Städten in NRW eine der höchsten Grundsteuern, eine Steuer die auf das Eigentum an Grundstücken gezahlt werden muss.

Zwar werden aktuell interessante, wenn auch wenige Bauplätze angeboten (Vorhalle-Süd/Steinbruch, Bolohstraße oder Tondernsiedlung), ein Grundsteuer-Hebesatz von 750 Punkten ist kein besonderes Attraktivitätsmerkmal für Familien, die sich den Wunsch vom Eigenheim erfüllen wollen.

Kritikpunkt Freizeitangebote

Interessant ist die Abgrenzung, die viele Bürger bei unserer Umfrage in Sachen Freizeitmöglichkeiten für Familien in Hagen ziehen. Melissa Krägeloh sagt einen für das Stimmungsbild repräsentativen Satz: „Es fehlt an bezahlbaren Freizeitmöglichkeiten.“

Das Westfalenbad, das sehr häufig bei der Umfrage genannt wird, sei zwar schön, aber mit zwei oder drei Kindern dort gelegentlich den Tag zu verbringen, sei für viele nicht zu bezahlen. Eine Tageskarte für eine Familie (zwei Erwachsene, zwei Kinder) kostet dort 26,60 Euro.

„Plätze, die auch 11- bis 15-Jährige in ihrer Freizeit nutzen können“

Anja Ebert, berufstätig und Mutter zweier Kinder:

„Ich finde Hagen eigentlich sehr familienfreundlich“, sagt Anja Ebert, die mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Vorhalle lebt. Beide Elternteile sind berufstätig.

„Wir fühlen uns mit unseren Kindern wohl in Hagen und genießen, dass die Stadt in den Außenbereichen so grün ist. Was Hagen noch familienfreundlicher machen würde, wären zum einen gepflegtere Spielplätze und zum anderen Plätze, die auch 11- bis 15-Jährige in ihrer Freizeit nutzen können. Zum Beispiel Skaterparks. Davon gibt es ja nur einen vernünftigen in Haspe. Und was man noch dazu kritisieren muss, ist die Sauberkeit an unseren Schulen.

Ich verstehe, dass die Stadt nicht genug Geld hat, aber die Reinlichkeit in den Schulen darf darunter einfach nicht leiden. Es kann nicht sein, dass berufstätige Eltern zum Beispiel dazu aufgerufen werden, beim Reinigen der Schulen zu helfen. Und – aber auch das ist nichts Neues – das Busnetz in Hagen könnte an vielen Stellen noch verbessert werden. Insgesamt leben wir als Familie aber gern in dieser Stadt. Und wir freuen uns zum Beispiel über Freizeitangebote wie das Westfalenbad, das Freilichtmuseum oder das Wasserschloss Werdringen und gehen gern mit der Familie hin. Hagen ist gut für Familien.“

„Wegen der Zuwanderung benötigen wir mehr Kitas“

Andrea Plath, Leiterin der Kindertagesstätte Wunderland in Altenhagen:

„Auch wenn die Bevölkerungsprognose sagt, dass Hagen mehr und mehr Einwohner verlieren wird, benötigen wir vor dem Hintergrund der Zuwanderung eigentlich noch mehr Kindertagesstätten in Hagen“, sagt Andrea Plath, Leiterin der Kindertagesstätte Wunderland in Altenhagen.

„Die Liste der Anmeldungen ist lang, und noch dazu kommen viele Kinder aus Zuwanderer-Familien zu uns, die schon ein Jahr später bereit für die Schule sein sollen. Dafür fehlt es an Einrichtungen und an zusätzlichem guten Personal. Wir hier in Altenhagen, dem bevölkerungsreichsten Stadtteil Hagens, bräuchten aktuell eigentlich Dolmetscher für die Sprachen Rumänisch und Bulgarisch.“

Plath geht auch auf die Strukturen heutiger Familien in Hagen ein: „Viele Familien wohnen heute nicht mehr so nah beinander wie das früher einmal war, was Betreuung über den Tag schwierig macht und somit starke Auswirkungen auf die Familie hat. Außerdem gibt es mittlerweile viele Alleinerziehende. Auch unsere Arbeit als Erzieher hat sich immens verändert. Vor 20 oder 25 Jahren konnte man mit noch mehr Ruhe mit den Kindern arbeiten. Heute ist der Dokumentationsaufwand in der Erziehung für Außenstehende unvorstellbar hoch geworden.“

 
 

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