„Es wird wieder aufwärts gehen“

Europameister Griechenland feierte im Jahre 2004 auch in Hagen.
Europameister Griechenland feierte im Jahre 2004 auch in Hagen.
Foto: WR Theo Schmettkamp

Hagen..  Stefanos Fraskos (46) ist Vorsitzender der Griechischen Gemeinde Hagen. Im WR-Interview erzählt der Vater von drei Töchtern, wie er und seine Landsleute an der Volme die Finanzkrise in ihrem Heimatland sehen.

Herr Fraskos, wie viele Griechen leben derzeit überhaupt in Hagen?

Stefanos Fraskos: Heute sind es keine 3000 mehr, früher waren es sogar mal 5000. Zurzeit kommen aber viele Griechen zurück nach Hagen, weil sie in Griechenland keine Arbeit mehr haben und ihre Familie kaum noch ernähren können. Sie versuchen nun, hier Arbeit zu finden. Ich selber bin in Hagen geboren, fühle mich aber als Grieche, denn ich bin von meinen Eltern so erzogen worden. Wenn ich Rentner bin, werde ich in mein Heimatland zurückkehren.

Der Schuldenschnitt ist beschlossene Sache, Griechenland wird die Hälfte der Verbindlichkeiten erlassen. Zufrieden?

Ja, natürlich. Ich glaube auch, dass es in Griechenland jetzt wieder aufwärts gehen wird, unter anderem dank des Tourismus. Die griechische Wirtschaft wird sich in absehbarer Zeit erholen. Da bin ich mir sicher.

Und wie ist die Stimmung unter Ihren Landsleuten in Hagen?

Man regt sich sowohl über Griechenland als auch über Deutschland auf. Denn es wird immer nur über unser Land gesprochen, obwohl auch andere Staaten wie Irland, Portugal, Spanien oder Italien hoch verschuldet sind. Und auch Deutschland hat jede Menge Schulden. Doch das Thema lautet immer nur Griechenland, Griechenland, Griechenland...

Was meinen Sie, wie es nun in Ihrer Heimat weitergehen sollte?

Man muss sich das Geld von denen wiederholen, die es gestohlen haben: Politiker und Reiche, von denen viele ihr Geld außer Land gebracht haben. Da geben Ärzte mit Villa und Schiff ihr Jahreseinkommen mit 18 000 Euro an. Das kann nicht sein. Außerdem gibt es Fälle, in denen eine Familie die Rente weiter bezieht, obwohl der Empfänger schon verstorben ist. Ich finde: Wem so etwas nachgewiesen wird, der muss entweder das Geld zurückzahlen oder sein Haus wird ihm weggenommen und er geht in den Knast. Auch eine Rente mit 45 halte ich für einen Witz.

An welchen Stellen soll gespart werden?

Dass bei der Verwaltung gekürzt wird, finde ich richtig – die haben viel zu viel verdient und außerdem Weihnachtsgeld und so weiter bekommen. Sicherlich muss es Kürzungen geben, aber an den richtigen Stellen: Politik, Reiche, Kirche. Denn die Kirche in Griechenland hat zwar viel Geld, bezahlt aber keine Steuern. Warum?

Und was darf auf keinen Fall passieren?

Es kann nicht sein, dass bei armen oder alten Leuten, die nur 600 Euro Rente haben, noch weiter gekürzt wird. Diese Menschen könnten von dem, was sie dann haben, nicht mehr leben.

Schlägt Ihnen hier in Deutschland aufgrund der derzeitigen Probleme Häme oder sogar Hass entgegen?

Meine Kinder haben mir erzählt, dass sie in der Schule schon ausgelacht wurden. Von Bekannten hab ich sogar gehört, dass man ihnen gegenüber aggressiv wurde. So etwas darf nicht passieren. Zumal wir Griechen in Deutschland absolut nichts dazu können: Wir leben hier und bezahlen hier auch unsere Steuern.

Und wie reagieren Sie selbst auf solche Sprüche?

Da kann man nur ruhig bleiben. Ohren zu und weitergehen. Außerdem denke ich: Guckt Euch erst mal Eure Probleme an. Denn die wird es auch in Deutschland mit der Rente noch geben.

 
 

EURE FAVORITEN