Es wird jeden Tag schlimmer

Ratten – hier eine Szene aus einem Wehringhauser Hinterhof – fühlen sich im Müll wohl.
Ratten – hier eine Szene aus einem Wehringhauser Hinterhof – fühlen sich im Müll wohl.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Weiter Diskussion um Vermüllung der Stadt
  • Wehringhauser beklagen Tatenlosigkeit
  • Befürchtet wird steigende Ausländerfeindlichkeit

Hagen-Mitte.. Die Vermüllung weiter Bereiche der Innenstadt bleibt in diesen Tagen das beherrschende Thema der politischen Diskussion. Derzeit konzentriert sich der Meinungsaustausch um Sicherheit und Sauberkeit vor allem auf Wehringhausen. Aus dem gebeutelten Stadtteil sendete die Initiative „Liebenswertes Wehringhausen“ gestern eine Art Hilferuf an die Öffentlichkeit: „Es muss endlich etwas passieren“, so Gabriele Haasler, Besitzerin des Reformhauses in der Lange Straße: „All der Dreck am Wilhelmsplatz und weiteren Stellen – es ist einfach fürchterlich.“

Fremdenfeindlichkeit nimmt zu

Durch die zunehmende Vermüllung nehme die Fremdenfeindlichkeit zu: „Wehringhausen rutscht, was wir gar nicht wollen, nach rechts.“ Oberbürgermeister Erik O. Schulz müsse das Thema Stadtsauberkeit endlich zur Chefsache machen, wie er es einst im Wahlkampf versprochen habe. Mittlerweile hätten die Menschen in Wehringhausen jedoch den Eindruck, das Stadtoberhaupt sei abgetaucht und drücke sich vor der Verantwortung: „Und die Ämter schieben die Verantwortung hin und her. Es ist nicht wirklich der Wille zu sehen, die Lage ändern zu wollen.“ Die Bürger im Stadtteil fühlten sich von den Spitzen der Verwaltung nicht mehr ernst genommen.

Auch die CDU-Fraktion der Bezirksvertretung Mitte will endlich Taten sehen. Noch gebe es in Wehringhausen zwar keine No-go-areas: „Dennoch gibt es bereits jetzt Menschen, die bestimmte Ecken im Stadtteil, insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit, meiden“, heißt es in einer Analyse. Die Lebensumstände im Stadtteil hätten sich höchst unterschiedlich entwickelt. Während manche Quartiere durch die Bahnhofshinterfahrung oder das EU-Projekt „Soziale Stadt“ entlastet würden, spitze sich die Situation andernorts durch fehlende Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten für junge Menschen, aber auch schwindende soziale Kontrolle, zu.

Das führe auch zu einer deutlichen Verschlechterung des subjektiven Sicherheitsempfindens. Positiv Entwicklungen der vergangenen Jahre sieht die Union zunehmend von neueren Entwicklungen überlagert. Um manche Bushaltestellen herum würden Unmengen von Schalen liegen, an Plätzen oder Hauseingängen Passanten eingeschüchtert. „So darf es nicht weitergehen“, forderte Fraktionsvorsitzender Ralf Quardt ein konsequentes Durchgreifen gegen Müllsünder und aggressive Jugendliche: „Wir dürfen es nicht länger bei Lippenbekenntnissen belassen.“

Strategischer Schwerpunkt

Polizist Raimund Riedl, Stellvertreter des Wachleiters, berichtet, im Sicherheitsprogramm des Polizeipräsidiums sei Wehringhausen als strategischer Schwerpunkt mit allen operativen Organisationsbereichen beschrieben. Es gebe Ruhestörungen und offene Müllablagerungen, Ansammlungen von vermeintlichen Betäubungsmittelkonsumenten und sozial unangemessenes, auffälliges Verhalten von zugezogenen, südosteuropäischen Großfamilien. Die Polizei setze Schwerpunkte in der Bekämpfung normabweichenden Verhaltens durch Randgruppen und südosteuropäische Zuwanderer in den Bereichen Verkehr, Meldewesen und unerlaubter Müllentsorgung.

Dagegen gibt Martin Echterling vom Ordnungsamt zu bedenken, seinen Kollegen vom Außendienst sei es bei vielen angezeigten Fällen nicht möglich, die Verursacher zu ermitteln. Der Hinweis „Anwohner aus dem Haus“ reiche nicht, um ein Ordnungsgeld zu verhängen. Derzeit seien sechs Mitarbeiter zwischen 7 und 22 Uhr in Wehringhausen unterwegs, damit auch zukünftig keine „no-go-areas“ entständen. Dennoch sei in den letzten Monaten eine deutliche Verschlechterung der Zustände in puncto Sauberkeit festzustellen.

Diskussion mit Anwohnern und Geschäftsleuten geplant

Immerhin scheint es, als rafften sich zumindest einige Verantwortliche endlich zu Gegenmaßnahmen auf. So wollen Ordnungsamt und Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) im Mai einen neuen Mülldetektiv einstellen, der Müllferkel beim illegalen Abladen von Abfall fotografieren und anzeigen soll. HEB-Bereichsleiter Detlev Liedtke führte bereits ein Gespräch mit dem Mann, der nicht namentlich genannt oder gar im Foto gezeigt werden möchte. „Ich bin froh, dass wir wieder einen Detektiv haben werden“, erhofft sich Liedtke positive Effekte von der Personalie.

Anwohner und Geschäftsleute der Lange Straße und des Wilhelmsplatzes sollen demnächst zu einer Diskussion eingeladen werden, auf der sie ihre Probleme ungefiltert darstellen können. „Wir stellen fest: Die Stadt ist dreckig“, fasst Bezirksbürgermeister Arno Lohmann die Lage zusammen.

 
 

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