„Es ist Stillstand eingetreten“

Vor fast 25 Jahren, im November 1993, wurde an diesem Standort das Krupp-Werk IV in der Obernahmer geschlossen.
Vor fast 25 Jahren, im November 1993, wurde an diesem Standort das Krupp-Werk IV in der Obernahmer geschlossen.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Das Einzige, was auf dem ehemaligen Gelände des Krupp-Werkes IV in der Obernahmer passiert, ist, das nichts passiert. Eigentlich so, wie es in den zurückliegenden 25 Jahren gewesen ist. Vom Abbruch der Hallen und vom jährlichen Grünschnitt abgesehen.

Martin Bleja, Fachleiter der Stadtentwicklung der Stadt Hagen, musste deshalb gestern im Gespräch mit dieser Zeitung einräumen, dass die Perspektiven für die rund 30 000 Quadratmeter große Fläche nicht positiv sind.

„Das ist eine komplizierte Angelegenheit“, betont er. Nach fast einem Vierteljahrhundert der Planungs- und Vermarktungsversuche muss er frank und frei einräumen. „Es ist Stillstand eingetreten.“ Stillstand, eben deshalb, weil seit fast 25 Jahren nichts passiert ist. Es ist aus diesem Grund nämlich nicht mehr möglich, die Fläche nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches auf dem kurzen Verwaltungsweg mit Hallen zur industriellen Nutzung zu bestücken.

Dieses Recht ist verwirkt. Deshalb, so Martin Bleja, muss ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden, um überhaupt noch eine gewerbliche Nutzung verwirklichen zu können. Bleja: „Doch das ist schwierig.“

Anwohner droht mit Anwalt

Zumal ein Anwohner, der zwar sein Leben lang mit dem Krupp-Werk-IV gelebt hat, nun zwischenzeitlich mit Hilfe eines Anwaltes ein Bebauung zur gewerblichen Nutzung verhindern möchte.

Die Hürden zur Neunutzung sind überaus gewaltig. Das Grundstück ist, weil zur Hoch-Zeiten der Produktion in der Obernahmer der Umweltschutz nicht großgeschrieben wurde, zumindest teilweise stark belastet; darüber hinaus soll der Nahmerbach wieder freigelegt werden.

Diese Faktoren haben den Mitarbeitern der Wirtschaftsförderung der Stadt Hagen bei der Vermarktung der Fläche gleich mehrfach Probleme bereitet. Immer wieder gab es Interessenten, doch immer wieder sind diese aus den unterschiedlichsten Gründen abgesprungen.

Ein Spitzguss-Unternehmen aus Gevelsberg wurde ebenso gehandelt, wie zwei Firmen aus Hohenlimburg. Am Ende platzten diese Pläne wie eine Seifenblase. Auch die Idee eines Mendener Architekturbüros mit der finanziellen Unterstützung eines englischen Investors ein Wellness- und Gesundheitszentrum zu schaffen.

Frank Röhling (Wirtschaftsförderung) glaubt aktuell nicht, dass sich eine Firma mit 100 Mitarbeitern jemals in der Obernahmer ansiedeln wird. „Vielleicht kleinere Unternehmen, die Arbeiten und Wohnen miteinander verbinden.“

Sechs Millionen Euro Fördergeld

Letztlich trauert er der Möglichkeit nach, das breite und somit recht sonnige Tal für eine Wohnbebauung nicht nutzen zu können. So, wie es in der Wesselbach vor nunmehr 25 Jahren mit Erfolg eingeleitet und letztlich auch umgesetzt worden ist.

Gegen eine Wohnbebauung spricht, dass die NRW-Urban (ehemals Landesentwicklungsgesellschaft) rund sechs Millionen Euro Förderung in diese Fläche gesteckt hat und deshalb eine industrielle Nutzung zwingend vorgeschrieben ist.

Sollte eine Wohnbebauung vollzogen werden, müssten diese Fördergelder nach EU-Recht zurückgezahlt werden. Doch das kann sich die Stadt Hagen nicht leisten.

Deshalb rätselt Frank Röhling aktuell, wie dieser Gordische Knoten durchschlagen werden kann.

Gleichwohl hat Martin Bleja noch eine Vision: Neue Fördermittel zu akquirieren und gleichzeitig die NRW-Urban zu überzeugen, die geflossenen Gelder nicht zurückzufordern. Dann könnte es mit einer Bebauung, trotz der Belastung des Erdreiches, doch noch klappen.

 
 

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