„Es gibt in Europa noch keine Einigkeit“

Sven Giegold sprach im Grünenbüro über "Grüne Auswege aus der Eurokrise".
Sven Giegold sprach im Grünenbüro über "Grüne Auswege aus der Eurokrise".
Foto: WR

Hagen.. „Grüne Wege aus der Eurokrise“ hatte Sven Giegold angekündigt und machte eines dennoch vorab klar: „Wirklich erfreulich ist auch unser Programm nicht.“ Mit dem Grünen-Kreisverband und Gästen diskutierte der Attac-Mitbegründer und EU-Parlamentarier am Freitag über die Zukunft der Eurozone.

Giegold, seit 2008 für die Grünen im Europaparlament, hat dort im Wirtschafts- und Finanzausschuss kaum eine ruhige Minute: „Wir tagen im Moment doppelt so viel wie die übrigen Ausschüsse. Das zeigt, in welchen Fragen die Weichen für Europa gestellt werden.“

Bevor es allerdings um Lösungsideen ging, schlüsselte Giegold die Probleme genau auf: Von explodierenden Kapitalanlagen bis zu günstiger Verschuldung gab er einen volkswirtschaftlichen Crashkurs zu den Ursachen der Krise. Ein billiger Ausweg, so das nüchterne Fazit, sei da kaum zu finden. „Die Frage ist jetzt, wer zahlen muss. Dieses Problem lässt sich nicht mit einer einzigen Antwort lösen, sondern mit vielen, langfristigen Maßnahmen.“ Konkret hieß das für Giegold: Vermögensabgaben in der gesamten EU.

Leidenschaftliches Plädoyer für EU

Banken, die mit mehr Eigenkapital solider wirtschaften müssen. Günstige Kredite für Schuldenstaaten und projektbezogene Eurobonds für nachhaltige Initiativen. An der Währungsunion an sich ließ er dabei keinen Zweifel: „Den Euro und die europäische Einigung kann man nicht trennen.“

Nicht nur von Giegold gab es nachdenkliche Töne. Auch im Publikum war einige Verunsicherung über die schwindelerregenden Finanzmechanismen zu spüren: „Es gibt in Europa noch keine Einigkeit. Ich komme ursprünglich aus Spanien und spüre dort viel Abneigung gegen Deutschland und seine Diktate“, berichtete eine Zuhörerin, und ein anderer fand: „Mir fehlt da noch ein bisschen die Utopie.“ Die, gab Giegold offen zu, rücke vor den akuten Fragen manches Mal in den Hintergrund: „Ich bin da im Moment in einem anderen Modus. Wir können ein anderes Mal gerne über Systemalternativen reden.“ Ganz aufgeben wollte er diese dennoch nicht. So war es trotz aller Probleme ein leidenschaftliches Plädoyer für die EU, das den Abschluss eines sonst eher pragmatischen Abends bereitete: „Europa hatte immer Krisen. Europa nervt uns vielleicht manchmal mit seiner Bürokratie. Aber: Europa ist insgesamt eine enorme Erfolgsgeschichte.“

 
 

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