Es bleibt bei nur einem Garenfeld-Umspannwerk

Schnell wachsende Bäume, ein Wäldchen und eine Streuobstwiese sollen dafür sorgen, dass die Umspannwerke kaum wahrgenommen werden.
Schnell wachsende Bäume, ein Wäldchen und eine Streuobstwiese sollen dafür sorgen, dass die Umspannwerke kaum wahrgenommen werden.
Foto: WP
Das Mediationsverfahren zwischen der Bürgerinitiative „Menschen unter Strom“ und dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion steht vor dem Abschluss. Mit positiven Ergebnissen.

Hagen-Garenfeld.. Auch künftig soll es in Garenfeld nur ein großes Umspannwerk geben. Und: Durch ein zweites Umspannwerk, das das Netz von Enervie mit den neuen 380-Kilovolt-Leitungen des Übertragungsnetzbetreibers Amprion verbindet, verliert das Gebiet des heimischen Energieversorgers sein zuletzt so scharf kritisiertes Insellage.

Das ist das Ergebnis eines Mediationsverfahrens zwischen Amprion und dem Verein „Menschen unter Strom“, in das auch Enervie involviert war. Vorgestellt wurde das Resultat, das erst nach einem Genehmigungsverfahren durch die Bundesnetzagentur umgesetzt werden kann, gestern Abend bei einer Versammlung in Garenfeld, zu der die Bürgerinitiative eingeladen hatte.


Nur 14,5 statt 22,5 m hoch

Zunächst sollen gut acht Jahre lang beide Umspannwerke nebeneinander bestehen. Der zweite Anschlusspunkt an die Amprionleitung soll in der Zwischenzeit realisiert werden – nicht auf Hagener Gebiet. Ist er umgesetzt, können große Teile des bestehenden Umspannwerks in Garenfeld zurückgebaut werden.

Was bleibt, ist zwar wie geplant ein neues Umspannwerk, allerdings nicht in den Ausmaßen wie bislang gedacht: „Statt wie ursprünglich vorgesehen 22,5 Meter wird die Anlage nur noch 14,5 Meter hoch“, so Anne Stamm von „Menschen unter Strom“.

Hinzu kommt, dass die 48 Millionen Euro teure Anlage hinter schnellwachsendem Bäumen, einem Wäldchen und hinter Streuobstwiesen nahezu verschwindet. „Sie wird weit weniger zu sehen sein als das jetzige Umspannwerk.“ Dieses bleibt so lange bestehen, bis der neue Verknüpfungspunkt geschaffen ist. Dann kann der vordere Bereich der alten Anlage, in dem jetzt die Transformatoren stehen, ca. 2023 zurückgebaut werden.

Zweite Schnittstelle

Eine weitere Verknüpfung zwischen dem Übertragungsnetz und dem Netz der Enervie war erst im Laufe der Mediation zu einer Option geworden. Hintergrund ist der von Enervie ins Auge gefasste Ausstieg aus der Stromproduktion. Der Versorger streitet aktuell mit der Bundesnetzagentur darüber, ob er seine konventionellen Kraftwerke, die durch die Energiewende dem Versorger Jahr für Jahr Millionenverluste bescheren, abschalten darf. Durch die zweite Schnittstelle wäre die Versorgungssicherheit, die bislang die Kraftwerke gewährleisten, auch gegeben, wenn es in Garenfeld zu einem größeren Ausfall käme. Darüber hinaus werden die Lasten im Netz besser verteilt.

„Die jetzt gefundene Lösung ist aus meiner Sicht ein Gewinn für alle Beteiligten“, sagt Markus Kecker von der Bürgerinitiative, der die ausgesprochen konstruktive Atmosphäre bei den 17 Treffen lobte: „Es bleibt bei einem Umspannwerk in Garenfeld, das vom ersten Haus mehr als 400 Meter entfernt ist. Was durch diese Mediation herausgekommen ist, hätten wir auf dem Klageweg niemals erreicht.“

Eine Sichtweise, der sich gestern Abend bei der Präsentation die Garenfelder Bürger anschlossen. Einstimmig sprachen sich die rund 150 Besucher dafür aus, den Weg der Mediation fortzusetzen und auf eine Klage zu verzichten.

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