Erneute Abfuhr für ThyssenKrupp

Er darf nach 39 Jahren Hoesch bei ThyssenKrupp nicht mehr arbeiten: Wolfgang Kreuels.
Er darf nach 39 Jahren Hoesch bei ThyssenKrupp nicht mehr arbeiten: Wolfgang Kreuels.
Foto: WP
Sein Mut, gegen den großen ThyssenKrupp-Konzern nicht klein beizugeben, ist belohnt worden – erneut, denn Wolfgang Kreuels hat schon zweimal gegen seine Kündigung nach 39 Jahren Betriebszugehörigkeit geklagt. Auch vor dem Arbeitsgericht in Hagen war er siegreich.

Oege..  „Herr Kreuels hat auch diesen Prozess vor dem Arbeitsgericht Hagen gewonnen.“ Das sagte der Gelsenkirchener Arbeitsrechtler Frank Stierlin auf Anfrage dieser Zeitung.

Deutliche Abfuhr für ThyssenKrupp

Das heißt im Klartext, dass der 54-jährige Mitarbeiter der ThyssenKrupp Federn und Stabilisatoren GmbH, der am 27. November 2012 wie 178 andere Arbeitnehmer des Konzerns - davon 114 an Standort Oege und 65 am Standort Olpe - die Kündigung erhalten hatte (wir berichteten mehrfach) weiterhin als Energieanlagenelektriker an der Oeger Straße arbeiten darf.

Somit erhielt der ThyssenKrupp-Konzern vor dem Arbeitsgericht eine weitere deutliche Abfuhr. Bereits im Frühjahr hatten sowohl das Arbeitsgericht Hagen als auch das Landesarbeitsgericht Hamm in sogenannten Eilverfahren dem Hohenlimburger Recht gegeben und ThyssenKrupp dazu verdonnert, Wolfgang Kreuels zunächst bis zum 30. Juni weiter zu beschäftigten.

Mut zur Klage wird belohnt

Rückblende: Mit einem Schreiben vom 27. November hatte ThyssenKrupp seinem langjährigen Arbeitnehmer (seit Juni 1973 !) zur Jahresmitte 2013 gekündigt und ihn gleichzeitig freigesetzt, das heißt, Wolfgang Kreuels durfte von Stunde an das Unternehmen, für das er fast vierzig Jahre seine Knochen hingehalten hatte, nicht mehr betreten, obwohl nach seiner Einschätzung speziell für Elektriker ausreichend Arbeit vorhanden war. Der Mut und der Kampfgeist des Hohenlimburgs, sich mit dieser Kündigung nicht abzufinden, wurden jetzt einmal mehr belohnt. Auch in der dritten Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Hagen. Dieses sagte in der Urteilsbegründung, dass „die ausgesprochene Kündigung einer Wirksamkeitsprüfung nicht standhält“. Weiter heißt es: „Der Arbeitgeber, hier ThyssenKrupp, hat nicht nachweisen können, dass die Kündigung aufgrund dringender betrieblicher Erfordernisse unvermeidbar war und eine ordnungsgemäße Sozialauswahl getroffen wurde.“

Diese Einschätzung des Gerichtes wird dadurch verstärkt, dass nach Informationen dieser Zeitung aufgrund der guten Konjunkturlage gegenwärtig mehr als zwanzig Leiharbeitnehmer an der Oeger Straße eingestellt worden sind.

In erster Linie stützt sich das Gericht in seinem Urteil aber auf einen kapitalen formalen Fehler.

Unterschrift fehlte

Denn der von Arbeitgeber, Arbeitnehmervertretung und der Vorsitzenden der Einigungsstelle erarbeitete Interessenausgleich ist nicht von allen Beteiligten unterschrieben worden. Deshalb sagt das Gericht: „Dieser ist nicht formwirksam zustande gekommen.“ Weil diese Unterschrift fehlt, ist der Interessenausgleich rechtsunwirksam. ThyssenKrupp hat nun die Möglichkeit, auch gegen dieses Urteil beim Landesarbeitsgericht Berufung einzulegen.

 
 

EURE FAVORITEN