Envio: Anwälte kritisieren Gutachten

Jörn Hartwich

Dortmund.  In den Envio-Prozess ist wieder Bewegung gekommen. Ein Berliner Umwelt-Chemiker hat begonnen, ein lang erwartetes Gutachten vorzutragen. Noch ist aber strittig, ob dem Recycling-Unternehmen Envio bei der Behandlung von PC-belasteten Transformatoren wirklich ein Umwelt-Vorwurf gemacht werden kann.

Der Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Rotard glich gestern einer Chemie-Vorlesung für Fortgeschrittene. Als er über die Verharzung eng aufeinanderliegender und öliger Metallplatten referierte, überraschte ihn Verteidiger Prof. Dr. Ralf Neuhaus mit einem eigenen Honig-Experiment. Er habe, so der Anwalt vor dem Dortmunder Landgericht, zu Hause zwei Metallplatten mit Honig bestrichen und sechs Wochen lang liegen gelassen. Das Ergebnis seines Gegenversuchs sei ganz anders.

Schwachstellen

Die Verteidiger von Ex-Envio-Chef Dirk Neupert halten das Gutachten für wenig aussagekräftig, weil es von falschen Tatsachen ausgehe. Im Kern geht es um die Frage, ob die Umweltverschmutzung auf dem Envio-Gelände etwas damit zu tun hat, dass der Betrieb nicht immer alles genau so gemacht hat, wie es ursprünglich einmal genehmigt war.

Vor allem bei der Demontage der Trafos und der Lagerung von Blechen und Papier sei PCB in die Raumluft abgegeben worden.

Aber wie hoch war die Gefahr zu welchem Zeitpunkt? Die Verteidiger haben sich in diesem Punkt schon festgelegt. „Anfangs war das Risiko bei weitem höher als bei späteren Verfahren“, so Neuhaus. Der Gutachter sieht das offenbar ein bisschen anders. Möglicherweise muss er aber auch noch einmal nachrechnen.