Entdeckungsreise durch Ateliers und Werkstätten

Laura Baer

Hagen.  „Planet Hagen“ – ein Titel für den ersten Tag der offenen Ateliers und kreativen Orte, der bei so manchem Nicht-Hagener und auch bei dem einen oder anderen Hagener verständnisloses Achselzucken hervorgerufen haben mag, und der doch so bezeichnend ist. Bezeichnend für eine Stadt, deren eigene Welt sich in den verzierten Giebeln ihrer Altbauten, den Hinterhöfen Wehringhausens oder eben hinter den sonst oftmals verschlossenen Türen der Ateliers und Werkstätten der Hagener Künstler und Kreativen offenbart.

Diese Türen öffneten sich am Samstag und führten die Besucher in eine eigene, inspirierende Welt mit Künstlergesprächen, Musik, Lesungen und Mitmachangeboten: 59 Hagener Künstler hatten eingeladen und entführten auf eine Entdeckungsreise durch 22 Ateliers und Werkstätten. „Mit Planet Hagen wollen wir Menschen abholen, die noch nicht so in der Kunstszene sind. Durch die persönlichen Begegnungen mit den Künstlern soll ein anderer Zugang zur Kunst geschaffen werden“, erklärte Melanie Redlberger, die Projektleiterin des Aktionstages.

Und dieser Anspruch spiegelte sich vor allem in der persönlichen Atmosphäre wider, die den Begegnungen zwischen Besuchern und Künstlern innewohnte: So zeigte der Hagener Andreas Edgar Busch seine Kunstwerke aus Trinkhalmen in den Katakomben des Werkhofs – geschickt platziert zwischen Sofaecke, Cola-Automat und reich gedecktem Tisch. „Ich schaue mir einen Raum an und gucke, was schon vorhanden ist, bevor ich meine Kunstwerke dazu hole. Ich fange an mit einem Raum zu spielen und möchte eine kleine Geschichte erzählen“, sagte Busch.

Faszinierendes Material

Für den 51 jährigen Hagener liegt es im Auge des Betrachters, ob etwas Kunst, Design oder Kitsch ist. Seine Werke, so Busch, seien eine Kreuzung zwischen diesen Kategorien, wenngleich eine Kategorisierung letztendlich für seine Arbeit unwichtig sei. „Nach einer Malpause wollte ich eigentlich wieder anfangen, hatte aber keine Idee. Zuhause lagen Strohhalme herum und beim Rumbasteln habe ich entdeckt, was für ein faszinierendes Material Trinkhalme sind“, erklärte Busch. Und so entstehen seit August letzten Jahres in Verbindung mit Lichtquellen strahlende Trinkhalm-Objekte. Auch der dreijährige Felix Opterbeck, der den Werkhof mit seinem Vater besuchte, durschaute die Idee, die hinter den raffinierten Objekten steckt sofort: „Wenn man die Strohhalme zusammensteckt, dann ist das Kunst. Wenn man sie nicht zusammensteckt, dann ist das keine Kunst mehr.“

Während in den Katakomben des Werkhofs anstelle von Blumen, Strohhalm-Sträuße einen Raum schmückten und eine eher futuristische Atmosphäre herrschte, erwartete den Besucher in einem Wohnhaus in der Karl-Halle-Straße ein Atelier wie aus dem Bilderbuch: Zentimeterdicke Farbkleckse, Staffeleien, Pinsel und Spuren der Malerei auf dem gesamten Teppichboden – In Michael Turzas Atelier konnte jeder sofort spüren, dass hier ein Künstler mit Leib und Seele an seinen Werken arbeitet.

Ein Einzelgänger

„Früher habe ich mich hier in Hagen immer so ein bisschen wie vom anderen Planeten gefühlt. Jetzt bin ich schon lange hier und die Reife, die ich über die Jahre erlangt habe, ist hilfreich, um mich hier wohler zu fühlen“, sagte der Maler. Eigentlich sei er sich gar nicht sicher gewesen, ob „Planet Hagen“ überhaupt etwas für ihn sei, so Turza. Letztendlich habe er solidarisch mit den anderen Künstlern sein wollen und doch teilgenommen: „Die Vielfalt an Künstlern hat mich überrascht. Sehr viele Künstler wurden durch die Aktion belebt und somit bin ich froh dazugehören zu können.“

Sich selbst sieht Turza eher als Einzelgänger und auch seine Bilder bevölkert er nicht gern mit Personengruppen: „Für mich ist die Aura eines Menschen das, was ihn für mich ausmacht. Mich interessiert vor allem das Porträt“, so der Maler.

Wer als Künstler dagegen die Gesellschaft zu anderen Kreativschaffenden sucht, der ist im Kunst- und Atelierhaus in der Hochstraße richtig. Hier standen am Samstag die vielen Atelier-Türen in den belebten und bunten Fluren des Hauses offen und es herrschte ein angeregter Austausch zwischen Künstlern und Besuchern. „Mich hat interessiert, wie so ein Atelierhaus aufgebaut ist. Solche offenen Ateliers zum Austauschen und Tauschen hätte ich auch gerne in Halle“, sagte Hella Günther aus Halle, die gekommen war, um sich die Werke ihrer Freundin Beate Depprich anzusehen. Die Hagener Künstlerin zeigte sich überzeugt von der Idee, Hagen als eigenen Planeten zu verstehen: „Hagen ist ein kleines, kreatives Universum. Für mich ist diese Stadt wie eine Collage, denn hier findet jeder seine Ecke zum Leben oder Kreativsein.“