Einzelhändler in Hagen hielten neuen 5-Euro-Schein für Falschgeld

Ingo Schmidt
Elke Hamelmann von der Bäckerei Kamm-Inn am Bahnhof in Hohenlimburg zeigt ihren ersten neuen Fünf-Euro-Schein.
Elke Hamelmann von der Bäckerei Kamm-Inn am Bahnhof in Hohenlimburg zeigt ihren ersten neuen Fünf-Euro-Schein.
Foto: Ingo Schmidt
Seit Donnerstagmorgen gibt es ihn: den neuen 5-Euro-Schein. Viele Geschäftstreibende in Hagen aber wissen wohl noch nicht um die Existenz des neuen Zahlungsmittels. Sie drehen ihn, beäugen ihn kritisch und halten ihn für alles – bloß nicht für legal.

Hagen. Die junge Bedienung im Eiscafé „Bella Italia“ im Hagener Stadtteil Hohenlimburg stutzt. Sie dreht den Geldschein, den sie nie zuvor gesehen hat, mehrfach um und verschwindet mit den Worten „Moment bitte“. Die druckfrische Fünf-Euro-Note, seit gestern Morgen in Umlauf, hat sie skeptisch gemacht. Erst fünf Minuten später kommt sie mit dem Wechselgeld zurück.

Äußerst vorsichtig im Umgang mit neuem Schein

„Ich habe gedacht, das ist Falschgeld“, erklärt Patricia Silva (24) ihre kritische Reaktion auf den neuen Fünfer, „und habe die Kollegen gefragt, ob jemand so etwas schon mal gesehen hat.“

Die Nachfrage ist durchaus legitim, denn der alte Fünfer hat sich deutlich verändert: Das Papier ist dicker, das Design moderner, der helle Grünstich ungewohnt für Deutschlands kleinste Banknote. Patricia Silvas Kollege Tiago Teixeira weiß zwar, dass es ein neues Zahlungsmittel gibt, ist aber dennoch äußerst vorsichtig.

Seinen Kolleginnen hat der 25-Jährige nahegelegt, den neuen Schein bloß nicht als Wechselgeld an die Kunden herauszugeben. „Sie sollen nicht denken, wir würden ihnen Falschgeld zurückgeben.“ Trotzdem ist Tiago Teixeira angetan von dem neuen Schein: „Er ist viel schöner, das Papier ist fester und vor allem hat er noch keinen einzigen Knick.“

Auf falschem Fuß erwischt

Für Sevda Alkan vom Lotto-Toto-Geschäft „Lano“ kommt die Einführung des nagelneuen Papiergeldes schlichtweg zu plötzlich – oder, besser gesagt, die Konfrontation mit dem neuen Schein erwischt sie auf dem falschen Fuß: „Was ist das denn?“, fragt sie nachdenklich und inspiziert das fremdartige Stück Papier, das sie partout nicht haben möchte.

Beim Zücken des alten Fünfers zum Vergleich greift die 35-Jährige zu der ihr bekannten Geldnote, gibt den neuen Fünf-Euro-Schien sofort zurück. „Mein erster Gedanke war, dass das eine fremde Währung ist, aber da stand ja ‘Fünf Euro’ drauf“, meint Sevda Alkan. „Dabei wusste ich eigentlich, dass ein neuer Fünf-Euro-Schein kommen soll.“ Sie habe, führt sie aus, einfach nicht damit gerechnet, dass er schon heute bei ihr landen würde.

Offiziell anerkanntes Zahlungsmittel

Wahrhaft entzückt vom künftigen neuen Begleiter im Portemonnaie zeigt sich Verkäuferin Elke Hamelmann. Als der erste neue Fünfer in der „Kamm-Inn“-Bäckereifiliale am Bahnhof eintrudelt, hebt die 53-Jährige erfreut ihre Stimme: „Hui, das ist ja ein Neuer, mein erster!“

Natürlich, sagt sie, habe sie gewusst, dass neues Geld eingeführt wird, das sei ja seit Tagen in den Medien. Und natürlich werde sie das Geld auch an die Kunden herausgeben. „Bei neuem Geld muss man zwar skeptisch sein“, sagt Hamelmann, „aber es ist ja ein offiziell anerkanntes Zahlungsmittel. Warum sollte ich es also nicht herausgeben?“

Wohlwissend, dass es sich um echtes Geld handelt, fragt Birgit Witt augenzwinkernd: „Na, selbst gedruckt?“ Auch im Bioladen „Natürlich Natur“ ist es der erste frisch gepresste Fünf-Euro-Schein, den die 51-Jährige in ihren Händen hält. „Ich hatte ein Anschreiben bekommen, in dem sämtliche Merkmale des neuen Geldes aufgezählt sind“, erzählt sie, „ich bin also gut informiert.“ Von wem allerdings das Anschreiben kam, weiß sie nicht mehr. Wo es ist, auch nicht.

Es wird wohl noch spannend werden, in den kommenden Tagen im Einzelhandel. Denn bisher hat kaum jemand den neuen Fünfer gesehen. Aber eines ist sicher: Es gibt ihn – und man darf ihn ohne schlechtes Gewissen annehmen und wieder ausgeben.