Ein Mensch, der anderen Menschen gut tut

Die ehemalige Förderschülerin Cansu Salar (21) ist Betreuungsassistentin in der Seniorenresidenz Vivaldi.
Die ehemalige Förderschülerin Cansu Salar (21) ist Betreuungsassistentin in der Seniorenresidenz Vivaldi.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Sie wollte immer arbeiten, sich selbst verwirklichen, ihren Weg gehen. Doch nach ihrer Zeit an der Fritz-Reuter-Schule in Boelerheide gestaltete es sich für Cansu Salar äußerst schwierig, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Inzwischen hat die 21-Jährige eine Aufgabe gefunden, die sie erfüllt.

Hagen.. Für Cansu Salar (21) war es nach dem Besuch der Fritz-Reuter-Schule nahezu unmöglich, eine Lehrstelle zu finden: „Eine Ausbildung wäre zu schwierig für mich“, gibt sie offen zu.“ Was aber nicht bedeutet, dass sie nicht arbeiten will. Der Werdegang von Cansu ist ein schönes Beispiel dafür, dass in unserer Gesellschaft auch Platz für Menschen ist, deren Leistungsfähigkeit eingeschränkt sein mag, die aber nichtsdestotrotz Ehrgeiz und Ambition besitzen.

Cansus große Stärke ist ihre Empathie. Sie ist ein aufgeschlossener, aufnahmewilliger, kommunikationsfreudiger Mensch. Sie unterhält sich gern, was einschließt, dass sie ebenso gern spricht wie zuhört. „Ja, das liegt mir“, sagt sie. „Ich bin glücklich, dass ich die Stelle bekommen habe.“

Eine Wechselbeziehung, die in Altenheimen zu kurz kommt

Cansu ist Betreuungsassistentin. In der Seniorenresidenz Vivaldi beschäftigt sie sich mit den alten Leuten, sie liest ihnen vor, spielt mit ihnen, begleitet sie zur Sportstunde, führt sie spazieren. Unterhält sich mit ihnen: „Ich erzähle von mir und von allem, was passiert in der Welt. Die Senioren berichten meistens aus den vergangenen Zeiten.“ Es ist eine Wechselbeziehung, die in vielen Altenheimen zu kurz kommt und den Insassen den so nötigen persönlichen Kontakt verschafft. Cansu Salar ist ein Mensch, der anderen Menschen gut tut.

Dabei deutete zunächst nichts darauf hin, dass die junge Frau ausgerechnet in diesem Job ihre Erfüllung finden könnte. Als sie erstmals ein Praktikum in der Seniorenresidenz absolvierte, sagte sie kaum ein Wort, war zaghaft und gehemmt.

Doch mit den Wochen vollzog sich ein erstaunlicher Persönlichkeitswandel, Cansu blühte auf, aus dem schüchternen Mädchen ohne Ausbildung und Berufserfahrung wurde eine fachlich kompetente Mitarbeiterin.

Mit Geduld und Anleitung

„Dennoch hätten wir sie vermutlich nicht eingestellt, wenn wir diese Entscheidung schon nach der achtwöchigen Orientierungsphase hätten treffen müssen“, berichtet Vivaldi-Geschäftsführerin Dr. Christiane Schoebel. Den Praktikumsplatz hatte Cansu über die Fortbildungsakademie der Wirtschaft, einen anerkannten Träger der freien Jugendhilfe bzw. der beruflichen Rehabilitation, erhalten.

Und weil die junge Frau ihr Potenzial hatte aufblitzen lassen, wurde das Praktikum verlängert, bis die Residenzleitung endgültig von Cansus Fähigkeiten überzeugt war und ihr eine Festanstellung gab: „Cansu hat sich durch Geduld, fortwährende Anleitung und Schulung und besonders durch Anerkennung zu einem reifen und kompetenten Mitarbeiter entwickelt, der nicht nur von unseren Bewohnern, sondern vom gesamten Team anerkannt und respektiert wird“, so Christiane Schoebel.

Es scheint, als habe da ein junger Mensch, der lange als hoffnungsloser Fall galt, seinen Platz im Leben gefunden.

 
 

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