Ein Drittel der Kredite bereits zurückgezahlt

Sie stehen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf der Kommandobrücke des Unternehmens: Michael Mittelstaedt, Manfred Weber und Gerald Bader.
Sie stehen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf der Kommandobrücke des Unternehmens: Michael Mittelstaedt, Manfred Weber und Gerald Bader.
Foto: WP

Fley..  Beständigkeit und hohe Qualität - und das seit mehr als einhundert Jahren. Diese international bekannten Vorzüge des ehemaligen Hohenlimburger Traditionsunternehmens stimmen die Männer auf der Kommandobrücke der Friedr. Gustav Theis Kaltwalzwerke GmbH zuversichtlich, in den kommenden Monaten und Jahren auch in tosender See das zwischenzeitlich angeschlagene Schiff auf Kurs zu halten und in ruhigeres Fahrwasser und somit in den schützenden Hafen zu bringen.

„Wir müssen dafür kämpfen. Aber wir sind optimistisch, dass wir es schaffen.“ Das sagte gestern Morgen Gerald Bader, Technischer Direktor, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Und Geschäftsführer Michael Mittelstaedt, der vor zweieinhalb Jahren die Geschicke an der Spitze übernahm, ergänzt zustimmend: „Unser operatives Ergebnis ist im Jahr 2012 positiv. Wir kommen gegenwärtig ohne Kreditlinie aus und waren zuletzt in der Lage, rund ein Drittel der laufenden Kredite zurückzuzahlen.“ Weil auch das Eigenkapital zwischenzeitlich wieder auf ein zufriedenstellendes Niveau angewachsen ist, sollte eigentlich eitel Sonnenschein herrschen. Doch das ist nicht der Fall. Denn trotz der positiven Entwicklung an der Bandstahlstraße sind dunkele Wolken aus Skandinavien herangerauscht.

Denn die finnisch-schwedische Tochter der FNsteel Group musste vor acht Wochen Insolvenz anmelden. Die Skandinavier lieferten das Vormaterial für den niederländischen Unternehmensbereich, der nun dieses Material von ehemaligen Mitbewerbern beziehen muss.

Hinzu kommt eine traurig stimmende Nachricht. Hendrik Van Den Hombergh, Visionär und Motor der fast 6000 Mitarbeiter zählenden Industrie-Investment-Gruppe Hombergh Holding (HHBV), ist schwer erkrankt und steht deshalb nur noch bedingt an der Spitze.

Ende des vergangenen Jahres hatte die FN-steel Group (800 Mitarbeiter, 400 Millionen Euro Umsatz) die in Liquiditätschwierigkeiten geratene Theis-Gruppe übernommen und damit für viel Zuversicht gesorgt. „Hendrik Van Den Hombergh ist ein beeindruckender Mensch“, betont Michael Mittelstaedt.

Gestern Morgen erhielt er von dessen Stellvertreter, Kees Lenselink, aus den Niederlanden erfreuliche Kunde. „Dort war die Geschäftsbilanz im August positiv“, so Mittelstaedt.

Eine Wende zum Guten?

Die Theis-Mitarbeiter jedenfalls tragen dazu ihren Teil bei. Sie tragen in Abstimmung mit den Betriebsräten und der IG-Metall bis zum Jahr 2015 den Sanierungstarifvertrag mit, sie leisten bis zu achtzig Stunden im Jahr entgeltfrei und sie haben mit ihrem Engagement dafür gesorgt, dass sich das Unternehmen mit seinen zehn Standorten am internationalen Markt wieder behauptet hat.

Ein Grund dafür sind auch eine veränderte Unternehmenskultur und veränderte Unternehmensstrukturen. Denn die Zeiten, als das Unternehmen von der Prinzessin zu Hohenzollern, ehemalig Dr. Viola Hallman, patriarchisch geführt wurde, sind vorbei. Jetzt werden Transparenz und Mitverantwortung als Zielsetzung an die Mitarbeiter ausgegeben, die sich u.a. auch dadurch ausdrücken, dass die Zahl der Verbesserungsvorschläge von ehemals 50 pro Jahr auf zuletzt 450 hochgeschnellt ist. „Wir sind eine Familie geworden“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Manfred Weber, der in Jahren der Krise auch die gute Zusammenarbeit mit der IG-Metall und insbesondere mit Hubert Rosenthal lobt.

 
 

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