Ehemalige Arbeitslose prüfen Müll in Hagen

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Hagen.. Weil oft Dinge in den Gelben Säcken entsorgt werden, die dort nicht hineingehören, kontrollieren jetzt ehemalige Arbeitslose am Wertstoffhof des Hagener Entsorgungsbetriebs den Inhalt der Säcke. Viele Hagener müssen ihre Gelben Säcke wieder mit heim nehmen.

Buchhändler Horst Althaus (55) war ganz verdattert, als ihm die Mitarbeiter des Wertstoffhofes in der Preußer­straße seinen Müll wieder in die Hände drückten. „Das dürfen Sie hier nicht abgeben“, sagten sie und zerrten einige Folien aus dem Gelben Sack. ­Unverrichteter Dinge trat er den Rückzug an.

Dabei hatte der Inhaber des Buch-Handelskontors in der Kölner Straße die Kunststoff-Folien und weiteres Verpackungsmaterial aus Polyethylen, säuberlich eingetütet in Gelbe Säcke, bislang immer am Wertstoffhof entsorgt. Und nie sei ihm das untersagt worden, so Althaus: „Warum auch? Folien sind ja Verpackungsmüll und gehören daher auch in den Gelben Sack.“

Doch Folie ist in Deutschland nicht gleich Folie, Verpackung nicht gleich Verpackung. Der Müll-Wissenschaftler unterscheidet zwischen Materialien, die den Grünen Punkt, das Emblem des Deutschen Dualen Systems (DSD), besitzen, und solchen, denen diese Markierung fehlt. Im Gelben Sack landen dürfen jedoch nur DSD-Produkte. Deren Entsorgung ist im Verkaufspreis inbegriffen.

Erhöhte Wachsamkeit beim Hagener Entsorgungsbetrieb

Doch in den vergangenen Jahren landeten immer mehr Verpackungen ohne den Grünen Punkt in den Gelben Säcken. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, hat der Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) die Mitarbeiter des Wertstoffhofes jetzt zu erhöhter Wachsamkeit angehalten. „Unsere Leute sollen verstärkt darauf achten, dass kein Müll ohne das DSD-Zeichen abgegeben wird“, erläutert HEB-Sprecherin Jacqueline Jagusch. „Das führt natürlich bisweilen zu Riesendiskussionen mit den Bürgern.“ Es sei aber nicht einzusehen, dass über das vom Verbraucher finanzierte Duale System auch Verpackungen entsorgt würden, deren Hersteller mit Wiederverwertung nichts im Sinn hätten. Deshalb prüfen am Wertstoffhof jetzt ehemalige Langzeitarbeitslose den Inhalt der Gelben Säcke.

So mancher Hagener musste seine Gelben Säcke deshalb wieder mit nach Hause nehmen. Buchhändler Althaus zum Beispiel war ratlos, denn auch ein Blick in den HEB-Prospekt half ihm nicht: „Da stehen alle möglichen Sachen drin, nur leider nicht, wo Folien entsorgt werden können. Immerhin weiß ich jetzt, wo ich überall meine Kunststoffe nicht hineinwerfen darf.“

Die Lösung: Verpackungen ohne Grünen Punkt können ausschließlich an der Müllverbrennungsanlage in Boelerheide abgegeben werden. Gegen zehn Euro Gebühr darf jeder Hagener dort eine ganze Kleinwagenladung voll Abfall anliefern.

 
 

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