Dusya Sultanjan sucht nach dem Grab ihres Vater Pargev

Hohenlimburg.  Das Ende des Zweiten Weltkrieges liegt fast siebzig Jahre zurück. Aber noch immer werden mehr als 1,3 Millionen Menschen vermisst. International.

Pargev Sultanjan, geboren 1913 in Armenien, ist eine dieser Personen. Der Soldat der Roten Armee geriet Mitte des Zweiten Weltkrieges in deutsche Gefangenschaft und arbeitete als Kriegsgefangener von 1944 bis zum März 1945 in der Stoffdruckerei Göcke & Sohn an der heutigen Färberstraße. Danach verliert sich seine Spur.

Jetzt möchte seine Tochter Dusya Sultanjan mehr über ihren Vater, seinen Sterbeort oder sein Grab erfahren. Deshalb hat sie sich an den Suchdienst vom Deutschen Roten Kreuz in München gewandt. Dieser hat mit Bitte um Hilfestellung bei der Suche an den Hohenlimburger Heimatverein geschrieben. Weil jedoch mit der kommunalen Neuordnung NRW vom 1. Januar 1975 die Archivbestände der ehemaligen Stadtverwaltung Hohenlimburg sowie die Bestände des Museums Hohenlimburg abgegeben worden sind, konnte der Heimatverein nicht helfen. Deshalb hat dieser die Anfrage an das Historische Centrum Hagen weitergeleitet, mit der Bitte, den Suchdienst des DRK zu unterstützen.

Das haben die Mitarbeiter des Historischen Centrums auch prompt gemacht, ohne jedoch die von Dusya Sultanjan erhoffte Aufklärung leisten zu können. „Wir haben dem DRK-Suchdienst bestätigen können, dass Pargev Sultanyan Zwangsarbeiter in Hagen gewesen ist. Was mit ihm geschehen ist, wissen wir jedoch nicht“, sagte gestern Karsten- Thilo Raab vom Presseamt der Stadt Hagen.

Möglicherweise gibt es eine Leserin oder einen Leser, der sich an den ehemaligen Soldaten der Roten Armee erinnern kann, der möglicherweise sogar weiß, wo dieser verstorben oder sogar begraben ist.

Hinweise nimmt diese Redaktion unter der Rufnummer 02334 / 91 89 23 entgegen.

Im Jahr 2006 hat sich Dr. Wilhelm Bleicher in einem ausführlichen Aufsatz zum Gefangenenlager in der Obernahmer intensiv mit den Schicksalen der Kriegsgefangenen in Hohenlimburg beschäftigt. Er schreibt darin, dass im Februar 1945 in Hohenlimburg mehr als 5000 ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene eingesetzt waren. Diese waren für folgende Betriebe registriert: Kaltwalzwerke WuRAG, Bilstein, Theis, Kaltwalz- und Federnwerk Hoesch, Stoffdruckerei Göcke & Sohn, Walz- und Stanzwerk Vogelsang, Stadtverwaltung Hohenlimburg.

Dr. Bleicher schildert Schicksale

Dr. Bleicher schildert auch das Schicksal der ehemaligen Soldaten der Roten Armee: „Die armen oft schikanierten sowjetischen Kriegsgefangenen bewohnten zu 170 bis 180 Personen auch zwei Baracken und bekamen erbärmliche Hungerrationen: „Wasserschlör“ mit kleinen Brotstückchen oder eine Kohlsuppe. Das Brot ergab zusammengedrückt nur eine kleine Kugel. Die Russen, die das NS-Regime wie nach seinem Jargon als „Untermenschen“ behandelte, mussten himmelschreiendes Unrecht leiden. Dann und wann nur gab es Zeichen von Menschlichkeit, wenn deutsche Arbeiter in den Betrieben bei den Arbeitseinsätzen ihnen an wechselnden Plätzen in Papier gewickelte Butterbrote unauffällig deponierten“, schreibt Dr. Wilhelm Bleicher.

 
 

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