Du bist geblieben, ne?

„Du bist echt geblieben, ne?“
Der Satz hallt nach bei mir.
Immer und immer wieder.


Ein Mensch hat ihn mir geschrieben, der einst nichts sehnlicher erwartete, als dieser Stadt den Rücken zu kehren, weil er glaubte, er könne hier nichts werden. Weil hier alles grau sei, depressiv, weil hier alle nur motzen und nichts tun und überhaupt in Hagen der Hund begraben sei und jeder, der hier eine gute Idee hätte, gleich von zwei anderen Miesepetern wieder den Wind aus den Segeln genommen bekommt. Auf einen Aktiven kämen zwei Miesmacher – das sei Hagen.


Am vergangenen Donnerstag, Christi Himmelfahrt, war für mich der Tag der kleinen Dinge. Erst ein sehr anregender Rundgang durch die Hundertwasser-Ausstellung. Hunderte Besucher nutzten eine der letzten Gelegenheiten, Hundertwassers „Lebenslinien“ zu bewundern. Restlos volle Stühle in einem Eiscafé unweit des Museumsquartiers. Eine abendliche Joggingrunde am Hengsteysee – ein Slalom-Lauf durch Hunderte Spaziergänger und Sportler, die die Natur und ihre tollen Ausblicke genossen. Eine Grillrunde mit großem Freundeskreis daheim. Es war ein wunderbarer Tag in Hagen, an dem mir Hunderte Menschen begegneten sind, die alles waren – nur keine Miesmacher.


Beim Juwelier flatterte mir der Satz „Du bist echt geblieben, ne?“ jüngst wieder ins Ohr. Es ging um die Gravur der Eheringe. Und plötzlich war da wieder der Fortgezogene in meinem Kopf. Wie er in der U-Bahn einer Metropole sitzt, große Kopfhörer auf den Ohren hat, ein Navigationsgerät benutzen muss, um am Abend die neueste In-Kneipe der Stadt zu finden und während der Heimfahrt kein bekanntes Gesicht trifft, das ihn fragt, wie’s läuft.

Da war klar, was in den Ringen stehen soll: Heimatliebe.

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