Drei Generationen leben stadtnah und doch am Ende der Hagener Welt

Dahl..  Stadtnah ist relativ. „Stadtnah ist für uns schon wichtig“, sagt Christian Siepermann, „so schön das hier oben im Grünen auch ist.“

Sie wohnen zwischen Wäldern und Feldern. Hoch oben auf dem Berg. Irgendwie da, wo der Hagener denkt, dass die Welt bald enden muss. Und trotzdem auch stadtnah: Das zumindest finden Christian (42), sein Bruder Stefan (44), dessen Frau Birgitt (42), deren Kinder Lena (4) und Matz (1) sowie Karl-Heinz (75) und Ilse (65) Siepermann aus Siepen-Dahl, einem Gehöft mit zwei Wohnhäusern ein gutes Stück hinter Hunsdiek, das auch kaum mehr als eine Handvoll Häuser zählt. Hunsdiek wiederum gehört zu Dahl. „Und da sind wir mit dem Auto doch in fünf Minuten“, sagt Stefan Siepermann.

Stefan arbeitet bei der Märkischen Bank in der Stadt. In bzw. nahe der Stadt, beim Energieversorger Enervie, arbeitet auch Christian. Und dann arbeitet die ganze Familie noch auf dem Hof – 35 Hektar, 60 Rinder und Hofhund Angie, die treue Seele, die eine ganz Kuhherde fast alleine von der Weide in Richtung Stall treiben kann.

Generationen lebten auf dem Hof

Die Kinder und vor allem Vater Karl-Heinz („Ohne den ginge das alles gar nicht mehr“) kümmern sich um die Tiere und das Land. So wie es deren Vorfahren schon gemacht haben. Und deren Vorfahren. Und deren Vorfahren. „Bestimmt seit 13 oder 14 Generationen lebt die Familie hier oben“, erzählt Karl-Heinz Siepermann, „so ganz genau weiß das keiner mehr. Es gibt aber ein amtliches Dokument, in dem unser Name auftaucht, das auf den 2. März 1767 datiert ist.“

Das Leben am (wenn auch stadtnahen) Ende der Welt hat also eine gewisse Tradition. Mit der wollen auch Stefan und Christian, die gemeinsam ein Stück neben dem elterlichen Haus gebaut haben, nicht brechen. „Hier zu leben – das ist eine bewusste Entscheidung. Mir guckt beim Kaffeetrinken im Garten niemand auf den Kuchenteller“, sagt Stefan Siepermann, „ich bin gerne mal in einer Großstadt. Aber ich freue mich auch, wenn ich zurückkomme und die Ruhe genießen kann.“

Die Ruhe und die Gemeinschaft – nicht nur in der Familie. „Die Nachbarschaftshilfe ist hier oben auf den Höhen schon wichtig“, erklärt Ilse Siepermann, „aber das funktioniert gut. Wir machen viel gemeinsam. Bei unseren Grillfesten im Sommer sammeln wir alle gemeinsam für die Schneekasse im Winter.“ Und den klassischen Streit am Gartenzaun, wen wundert’s bei den Entfernungen, gibt’s hier kaum.

Mit dem Traktor in die Tanzschule

Eine Bank und ein Energieunternehmen als Arbeitgeber – in den Generationen zuvor, die zum Teil dem Fürsten im nahen Schloss Hohenlimburg dienten, wäre das undenkbar gewesen. „Ich wollte gerne Landwirt werden. Aber das Risiko war mir zu groß“, sagt Stefan Siepermann. Betriebe dieser Größe können für sich nicht überleben.

Eine Erweiterung kam schon aufgrund der Topographie nicht in Frage. „Ich freue mich aber darauf, den Schlips abzulegen, wenn ich nach Hause komme.“

Gut: Die Anbindung an Bus und Bahn lässt zu wünschen übrig. „Ohne Auto ist man aufgeschmissen“, sagt Christian Siepermann, wenngleich Vater Karl-Heinz betont, wie er zu Fuß bis zur Straßenbahn nach Delstern marschiert und mit dem Traktor in die Tanzschule nach Hohenlimburg fuhr.

Das aber war in einer anderen Zeit. Heute sind es „fünf Minuten bis zur Autobahnauffahrt und zehn in die Innenstadt.“ Stadtnah und doch zumindest ein bisschen am Ende der Hagener Welt.

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