Die Wirtschaft steht in Hagen auf zahlreichen Füßen

Die Firma Voigt & Schweitzer aus Westerbauer gehört mit ihrer neuen Mikroverzinkungsanlage – hier Verfahrensmechaniker Arno Grigori bei der Arbeit – zu den innovativsten Unternehmen in Hagen.
Die Firma Voigt & Schweitzer aus Westerbauer gehört mit ihrer neuen Mikroverzinkungsanlage – hier Verfahrensmechaniker Arno Grigori bei der Arbeit – zu den innovativsten Unternehmen in Hagen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die Stadt Hagen ist nicht vom Wohl und Wehe eines einzigen Arbeitgebers abhängig. Aber: Gewerbeflächen gibt es kaum.

Hagen. Angenommen mal, die VW-Werke in Wolfsburg müssten infolge des Abgas-Skandals Konkurs anmelden, die niedersächsische Stadt würde wohl in ihren Grundfesten erschüttert. Ähnlich verhält es sich mit anderen Städten, die von einem einzelnen Groß-Arbeitgeber abhängig sind. Das ist in Hagen ganz anders.

Die Wirtschaft der Volmestadt fußt auf zahlreichen Branchen und Unternehmen, so dass sie selbst herbe Rückschläge nicht aus der Bahn werfen. Der bevorstehende Umzug des Handelsriesen Nordwest nach Dortmund bedeutet zwar einen schweren Verlust für die Stadt, trifft sie aber eben nicht ins Mark.

Ein Blick in die Statistik unterstreicht diese These. So erwirtschafteten die Hagener Betriebe im Jahr 2012, aus dem die jüngsten Daten stammen, einen Mehrwert von 5,4467 Milliarden Euro. Davon entfielen 31 Prozent auf das produzierende Gewerbe, 25 Prozent auf den öffentlichen Dienst, Erziehung und Gesundheit, 21 Prozent auf Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie Wohnungswesen und 20 Prozent auf Handel, Verkehr, Gastgewerbe und Kommunikation. Land- und Forstwirtschaft trugen dagegen nur mit 0,05 Prozent zur Gesamtsumme bei.

Viel produzierendes Gewerbe

Jetzt versteht man, wie breit gefächert die Hagener Wirtschaft aufgestellt ist und wie überlebenswichtig das in Krisenzeiten sein kann. „Wenn hier eine Firma in die Knie geht, dann macht das die Stadt nicht kaputt“, so Michael Ellinghaus, Geschäftsführer der Hagen-Agentur: „Hagen besitzt einen hohen Anteil an kleinen und mittelständischen Unternehmen.“ Von denen – das ergibt eine Befragung unserer Leser – müssten sich aber noch viel mehr in Hagen ansiedeln.

Die Glanzzeiten, als in der Hasper Hütte oder bei Hoesch in Hohenlimburg jeweils um die 4000 Mitarbeiter Geld verdienten, sind vorbei. Dennoch hat sich Hagen einen hohen Anteil von Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe erhalten. Dieser Sektor ist in anderen Städten des Ruhrgebiets – etwa in Dortmund, das voll auf Handel und neue Technologien setzt – immer weiter zurückgedrängt worden.

In Hagen sind Weltmarktführer wie Bechem oder CD Wälzholz angesiedelt, auch die Federnindu­strie genießt einen international erstklassigen Ruf. Jene Weltmarktführer, so finden unsere Leser, sollten nicht weiter mit höheren Gewerbesteuern belastet werden.

Zankapfel Böhfeld

Um das Niveau zu halten oder auszubauen, müssen Firmen expandieren können. Einer Prognose des Regionalverbands Ruhr (RVR) zufolge werden namhafte Firmen in naher Zukunft mehr Platz benötigen. Den aber gibt es in Hagen nicht, selbst das Böhfeld im Norden der Stadt ist – wenn es denn die politischen Hürden nimmt – frühestens in fünf Jahren bezugsfertig.Eine vielfach geforderte industrielle Revitalisierung von Brachflächen scheitert oft an Altlasten im Boden oder anderen Restriktionen.

Wollte man etwa das ehemalige Werk 4 von Thyssen-Krupp im Nahmertal zur Wiederansiedlung freigeben, müsste zuvor – die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union schreibt es so vor – der Nahmerbach für zehn Millionen Euro freigelegt werden.

Und die Brandt-Brache, auf der ebenfalls Gewerbe angesiedelt werden könnte, soll zum Entsetzen der Indu­strie als Handels- und Einkaufszen­trum entwickelt werden.

„Gute Voraussetzungen im Wettbewerb der Städte“

Gastbeitrag von Hans-Toni Junius, Geschäftsführer C.D. Wälzholz

Die Stadt sollte sich bewusst machen, dass sie im Wettbewerb steht um die besten Rahmenbedingungen. Aus Sicht der Industriebetriebe geht es zum Beispiel um die Standortkosten, also um Energie, Grund- und Gewerbesteuern. Diese Faktoren nehmen selbstverständlich nicht nur ansiedlungs-interessierte Betriebe, sondern auch die angestammten Unternehmen in den Blick, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Unter dem Strich muss die Summe aller Kosten so sein, dass wir mit unseren Produkten gegen nationale und internationale Marktteilnehmer konkurrieren können. Und hier sehe ich in Hagen durchaus Handlungsspielraum.

Ein weiteres wichtiges Feld ist die Infrastruktur. Hagen liegt verkehrsgünstig. Diesen Vorteil können wir aber nur ausspielen, wenn die Erschließungsstraßen zu den Autobahnen in Ordnung sind. Weil C.D. Wälzholz pro Tag etwa 150 Lkw-Transporte abwickelt, sind wir direkt betroffen. Die Verkehrswege in Schuss zu halten, sollte im ureigensten Interesse der Stadt sein.

Grundsätzlich stellen wir fest, dass die Behörden kompetent und mit gutem Willen zu Werke gehen. Natürlich könnte das ein oder andere schneller gehen, aber Gründlichkeit und Verbindlichkeit sind ebenfalls wichtig. Insgesamt hat Hagen aus meiner Sicht gute Voraussetzungen, um im Wettbewerb der Städte zu bestehen. Mit unserer Größe und Lage sind wir interessant für Fachkräfte aus dem Ruhrgebiet genau wie aus Südwestfalen.

„Das hier verdiente Geld soll auch in der Stadt bleiben“

Gastbeitrag von Jan Dittmer, Geschäftsführer Event Experience

Grundsätzlich sind wir als junge Hagener Event-Agentur bestrebt – gerade weil wir von Event Experience alle Hagener Jungs sind – Hagen mit Veranstaltungen aufzuwerten. Leider ist es kostentechnisch für die Stadt schwierig bis unmöglich, eigene Events durchzuführen und die Stadt dadurch attraktiv zu gestalten.

Für uns ist klar: Hagen braucht mehr gute Events und Freizeitangebote, damit junge Menschen ihre Freizeit in Hagen verbringen und nicht in umliegenden Städten. Das Geld, was in Hagen verdient wird, soll auch in Hagen bleiben!

Gerade Unternehmen haben es in Hagen nicht immer ganz einfach. Der extrem hohe Gewerbesteuersatz und in unserer Branche die Vergnügungssteuer schlagen in mancher Kalkulation ordentlich zu Buche. Die Vergnügungssteuer macht die Eintrittskarten für die Partys teuer und erhöht den bürokratischen Aufwand für uns enorm.

Wir als Jungunternehmer haben in Hagen aber auch viel Unterstützung gefunden. Gerade die Wirtschaftsjunioren der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer und die Hagen-Agentur sind für uns stets ein kompetenter Ansprechpartner, wenn es um Unternehmerfragen geht. Solche Institutionen braucht Hagen, um die Wirtschaft weiter beratend nach vorne zu bringen.

Hagen braucht darüber hinaus Menschen und Unternehmen, die sich etwas trauen.

Hier ist unser Motto: Machen statt meckern!

 
 

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