Die Sozialarbeit an Schulen ist in Gefahr

Foto: Volker Bremshey
Seit 2011 arbeiten Sozialarbeiter an Schulen - mit Erfolg. Ende des Jahres läuft das Förderprogramm aus. Die Weiterführung des Projektes ist ungewiss. Stefanie Potulski arbeitet momentan an der Pestalozzi-Förderschule und an der Hauptschule in Hagen-Hohenlimburg. Doch ob sie dies zum Jahreswechsel 2013/2014 noch tun kann, weiß sie nicht.

Hagen.. Die Betroffenheit spiegelt sich in ihrem Gesicht. Denn Schulsozialarbeiterin Stefanie Potulski weiß nicht, ob sie zum Jahreswechsel 2013 / 2014 noch an der Pestalozzi-Förderschule und an der Hauptschule im Hagener Stadtteil Hohenlimburg tätig sein wird.

Der Streit um die Finanzierung der Planstelle der Diplom-Sozialpädagogin ist voll entfacht. Niemand fühlt sich zuständig. Der Bund nicht, das Land nicht und auch die finanziell klamme Stadt Hagen nicht. Dabei ist es wichtig, so Stefanie Potulski, dass sie ihre Aufbauarbeit, die sie in den zurückliegenden 18 Monaten an den beiden Schulen geleistet hat, fortsetzen darf. Das aber scheint gegenwärtig fraglich. Stefanie Potulski ist kein Einzelfall. Für Hagen nicht und auch nicht für NRW. An Volme und Lenne sind mit einer Finanzierungszusage des Bundes in Höhe von jährlich 1,25 Millionen Euro, die 2011 für 24 Monate bewilligt worden waren, an 32 Hagener Schulen 26 Stellen für Schulsozialarbeiter geschaffen worden. Getragen von sieben Freien Trägern, so vom Caritasverband Hagen. Dieser hat vier Schulsozialarbeiter-Stellen ermöglicht. In vielen Städten des Ruhrgebietes sieht es ähnlich aus, weiß Elmar Kotthoff vom Caritasverband Hagen. Auch hier drohen die Stellen wegzubrechen, weil die Finanzierung nicht gesichert ist.

Schulsozialarbeiter unterliegen Schweigepflicht

Wie sinnvoll ihre Arbeit ist, streicht Stefanie Potulski heraus. Zu jedem der 67 Mädchen und Jungen der Pestalozzi-Förderschule hat sie Kontakt, hat ihr Vertrauen erworben und steht ihnen bei sozialen, schulischen oder familiären Problemen zur Seite. Sie übernimmt Aufgaben, die Lehrer, zusätzlich zu pädagogischen Zielen, nicht leisten können. „Wir unterliegen der Schweigepflicht, sind als Schulsozialarbeiter darüber hinaus in der komfortablen Position, anders als die Lehrer, die Schüler nicht benoten zu müssen“, liefert Stefanie Potulski die Begründung. Das wissen die Schüler, und das motiviert sie. „Es ist erstaunlich, wie viel mehr sie zeigen, was in ihnen steckt.“

Auch die Eltern gehen in dem an der Pestalozzi-Förderschule für die Diplom-Sozialarbeiterin geschaffenen Container ein und aus, nutzen gemeinsam das zwischenzeitlich mühevoll aufgebaute soziale Netzwerk: zu (Sport-)Vereinen, zur Jugendhilfe der Stadt Hagen oder auch zum Jobcenter, um u.a. bei finanziellen Problemen in den Familien Förderanträge und Anträge auf Bezuschussung zu stellen. Denn Stefanie Potulski hat in Gesprächen mit den Eltern und Schülern Ängste und unsichtbare Hemmschwellen abgebaut. Sie vermittelt. Und macht, falls erforderlich und gewünscht, auch Hausbesuche.

„Seither läuft es auch an unserer Schule super“, berichtet Beate Zurek, Rektorin der Pestalozzi-Förderschule, über die Erfahrungen. „Unsere Schule braucht diese Sozialarbeiter.“ Das sieht auch Anja Krüselmann so. Sie ist Leiterin eines Grundschul-Verbundes in Hagen-Hohenlimburg.

„Vielleicht gibt es einen Kuhhandel“

Deshalb unterstützen die beiden Schulleiterinnen die Bemühungen der Freien Träger und der Stadt Hagen zum Erhalt der Stellen. „Zunächst wurden diese eingerichtet und angeschoben. Und wenn es läuft, wird ein solches Projekt wieder gestoppt“, regt sich Elmar Kotthoff (Caritasverband) auf. Gleichzeitig setzt er auf die Bundes- und Landespolitiker. „Ich bin Daueroptimist. Vielleicht gibt es nach der Bundestagswahl einen Kuhhandel zwischen Bund und Land zur Finanzierung der Stellen.“

 
 

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