Die ersten drei Emde-Mitarbeiter gewinnen ihren Prozess

Foto: TA
Zwölf entlassene Ex-Emde-Mitarbeiter haben Kündigungsschutzklagen vor dem Arbeitsgericht eingereicht. Die ersten drei, zwei langjährige Bäcker und eine in Vollzeit beschäftigte Verkäuferin, haben ihre Prozesse gewonnen. Sie müssen weiterbeschäftigt werden.

Hagen.. Silvester wurde 39 Mitarbeitern der Bäckerei Emde gekündigt. Doch diejenigen, die sich gegen ihren Rauswurf gerichtlich wehren, können hoffen: Das Arbeitsgericht hat bereits drei Kündigungen für unwirksam erklärt.

Die Schilder an den Filialen täuschen eine Tradition vor, die es so längst nicht mehr gibt: „Bäckerei Emde, seit 1863“ – das ist seit über einem Jahr hinfällig. Hinter dem vertrauten Namen steckt nunmehr Ermert’s Backhaus aus Letmathe. Dessen Chef, Bäckermeister Bernd Weske (47), kaufte Ende 2011 die Hagener Firma, übernahm alle 60 Emde-Mitarbeiter und 15 Emde-Läden.

Damit wuchs das Letmather Backunternehmen auf 140 Mitarbeiter und 34 Läden an. In der Emde-Produktionsstätte an der Hochofenstraße in Haspe liefen zunächst die Öfen heiß. Inzwischen stehen diese Räume leer – denn im Dezember geriet Ermert’s Backhaus in finanzielle Schieflage. Offenbar hatte sich Bäckermeister Weske beim Expandieren verhoben: „Wir müssen uns wieder kleiner setzen“, erklärte Weske damals dazu. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit schien der Gang zum Insolvenzgericht unausweichlich.

Um die Firma retten zu können, wurde im so genannten „Schutzschirmverfahren“ ein Sanierungskonzept geschmiedet: Die Produktion zog zurück nach Letmathe, 14 Filialen mussten schließen, 23 Verkäuferinnen und sieben Bäcker verloren ihren Job. Innerhalb von drei Monaten konnte die Insolvenz der Bäckereikette abgewehrt werden.

Weitere Hürden stehen an

Jetzt stehen für Ermert’s Backhaus, das in Hagen nach wie vor unter „Emde“ firmiert, weitere Hürden an. Zwölf entlassene Ex-Emde-Mitarbeiter haben Kündigungsschutzklagen eingereicht. Die ersten drei Prozesse wurden schon durch Urteilsspruch entschieden und gingen zugunsten der entlassenen Mitarbeiter aus: Alle drei müssen weiterbeschäftigt werden, befand die Kammer von Direktor Frank Auferkorte.

Gewonnen hat die Bäckereiverkäuferin (58), die sechs Jahre lang in Vollzeit beschäftigt war. Sie sollte gehen, weil die Firma alle „teuren“ Vollzeit- und Teilzeitkräfte loswerden wollte – während 81 „günstigere“ Minijobberinnen ihre Arbeitsplätze behalten durften, so Ermerts Anwälte. Freuen können sich außerdem ein Bäcker (54), er war 33 Jahre lang bei Emde, und sein Kollege (48), der 27 Jahre dort arbeitete – auch ihre Kündigungen sind unwirksam.

Martin Kühtz vom DGB-Rechtsschutz vertrat alle drei erfolgreichen Kläger: „Im Verfahren behauptete Ermert’s Backhaus plötzlich, dort würde neuerdings kein Brot mehr selbst gebacken. Sämtliche Brote würden angeblich nur noch zugekauft.“ Damit kam die Bäckerei-Kette im Prozess aber nicht durch.

 
 

EURE FAVORITEN