Die Erinnerung über den Tod hinaus bewahren

Hans-Joachim Bihs (WBH)  und Steinbildhauer Timothy Vincent (re.) vor der Andenken-Stele.
Hans-Joachim Bihs (WBH) und Steinbildhauer Timothy Vincent (re.) vor der Andenken-Stele.
Foto: Yvonne Hinz
Auf dem Vorhaller Friedhof steht seit kurzem eine Andenken-Stele. Sie bietet Platz für die Namen von insgesamt 140 Verstorbenen. Die Beschriftung kostet die Hinterbliebenen einmalig 130 Euro pro Namen.

Hagen-Vorhalle.. Es geht darum, die Erinnerung zu bewahren. Nicht nur über den Tod, sondern auch über die Ruhefrist hinaus. Darum wurde jetzt auf dem städtischen Friedhof in Vorhalle eine Andenken-Stele aufgestellt. Der erste Erinnerungsort in dieser Form deutschlandweit. Die Idee stammt von dem Steinbildhauer Timothy Vincent, der in Wetter tätig ist und sich mit seinem ungewöhnlichen Vorschlag an den Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) gewandt hatte. Mit Erfolg. Jetzt wurde die 2,30 Meter hohe Ruhrsandsteinstele präsentiert.

Auf den vier Seiten des Steines, der sich im Bereich des Haupteingangs des Friedhofs befindet, haben die Namen von insgesamt 140 Verstorbenen Platz. Gestern zierten die ersten vier Namen die Frontseite der dezenten Stele.

Ruhezeit beträgt 25 Jahre

Zum Hintergrund: Die Ruhezeit auf unseren Friedhöfen beträgt 25 Jahre, für Kinder unter fünf Jahren zehn Jahre. „Nur knapp zehn Prozent der Angehörigen kaufen nach dieser Zeit Gräber nach“, erläutert Hans-Joachim Bihs. Der WBH-Vorstand fährt fort: „Mit dem Bestattungsort steht und fällt auch der Erinnerungsort. Daher bin ich froh, dass Timothy Vincent mit der Idee der Erinnerungsstele an uns herangetreten ist.“

Der Steinbildhauer begründet sein Bemühen, die Erinnerungskultur stärken zu wollen, ganz handfest: „Wenn ein Grab eingezogen wird, dann wird ein abrupter Schnitt gemacht. Sich zu erinnern bedeutet aber doch auch, das Vergangene präsent werden zu lassen – und das über eine Generation hinaus.“ Außerdem möchte Timothy Vincent mit seiner Idee die Akzeptanz und Attraktivität der Friedhöfe steigern und die Ruhestätte wieder als kommunikativen Raum wahrgenommen sehen.

Bestattungskultur hat sich gewandelt

Der Vorhaller Friedhof mit seinen rund 3000 Gräbern soll den Anfang machen, „wir hoffen aber, dass auch auf den übrigen neun kommunalen Friedhöfen die Idee der Erinnerungsstele auf fruchtbaren Boden fällt“, so Bihs. Man wolle im Allgemeinen neue Angebote auf Friedhöfen schaffen, schließlich hätte sich die Bestattungskultur in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt.

Damit spielt der WBH-Chef u.a. auf die Entwicklung zu immer mehr Urnenbestattungen an. Wie die neuen Angebote aussehen sollen? „Wir planen zum Beispiel, einen Ewigkeitsbrunnen für Urnen aufzustellen. Auch diese Idee stammt von Timothy Vincent. Wir denken, den ersten Brunnen dieser Art auf dem städtischen Friedhof in Haspe realisieren zu können.“ Aber zurück nach Vorhalle: Das Aufstellen der Natursteinstele – Kosten 1800 Euro – wurde erst durch Sponsoren möglich. Der Stein wurde vom Steinbruchbetrieb Grandi aus Herdecke, das Aufstellen vom Bauunternehmer Korge aus Wetter gesponsert. Die Beschriftung kostet die Hinterbliebenen übrigens einmalig 130 Euro pro Namen.

Interessenten für die Beschriftung auf der Stele können sich bei der Friedhofsverwaltung unter Tel. 3677-137, -143 und -156 melden. ­Voraussetzung ist, dass die Verstorbenen auf dem Friedhof Vorhalle begraben waren.

 

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