Der Wähler ist schuld

Ganz zart gingen am vergangenen Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss die Wahlkämpfer schon einmal auf Tuchfühlung. Unterdeckungen beim Rettungswesen der Feuerwehr – da wird doch nicht ein ehemaliger Feuerwehrchef geschlafen haben, unkte CDU-Ratsherr Ramrath. Eine politische Spitze, die SPD-Fraktionschef Krippner sofort mit dem Hinweis konterte, dass es ja wohl dem Kämmerer (CDU-Mann) obliege, die Flocken beieinander zu halten. Ein klares 1:1.

Andere wärmen derweil die olle Kamelle auf, dass der Jamaika-Kandidat, dessen Geschäftsführer-Vertrag gerade erst verlängert wurde, obendrein noch mit einem bajuwarischen Dienstwagen beschert worden sei. Zurückhaltung und Mäßigung sehe in klammen Zeiten doch ganz anders aus . . .

Populismus pur, aber wo bleiben die echten Ideen und Inhalte? Wer präsentiert endlich mal eine Vision zum angeblich so einmaligen Freizeitrevier Hengsteysee? Wer definiert klar seine Strategie zu den Gewerbeflächen? Wer positioniert sich zum Umspannwerk Garenfeld oder zur Zukunft der Kulturstätten? Wer kämpft für ein Busnetz, das auch in den Abendstunden diesen Namen verdient? Was ist mit der Zukunft von Lennebad und HEB? Wer beschreibt mutig seine Vorstellungen von der Hagener Schullandschaft 2020? Wohin soll es mit den einzelnen Hagener Sportstätten gehen?

Bislang liegt aus keinem Lager etwas Konkretes vor. Bloß artige Allgemeinplätze, die sich keineswegs immer an den finanziellen Realitäten orientieren. Und es sind nur noch 71 Tage bis zur Wahl – unterbrochen von zwei Wochen Osterferien!

Aber eine politische Kaste, die sich vorzugsweise in Ältestenräten, nicht-öffentlichen Sitzungen, Beteiligungskommissionen und Lenkungsgruppe durch die Legislaturperiode laviert, hat es einfach verlernt, den Wähler direkt anzusprechen. Im Rat neuerdings die Tagesordnung an die Wand zu projizieren, reicht kaum aus, um für Transparenz zu sorgen.

Natürlich ist der Wähler es auch müde, mit banalen Statements der Mandatsträger zugetextet zu werden. Aber umgekehrt gilt es auch festzuhalten, dass im Rathaus eine Legislaturperiode zu Ende geht, in der über fünf Jahre keine einzige Ratsfraktion es für nötig erachtete, im Rahmen einer Pressekonferenz mal zu irgendeinem Themenfeld politisch Farbe zu bekennen. Was sind das für Strategien?

Eines ist jedoch schon heute klar: Wenn’s am Ende nicht reicht, ist auf jeden Fall der Wähler dran schuld.

 
 

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