Cemile Giousouf soll als erste Muslimin für die NRW-CDU in den Bundestag

Cemile Giousouf bei einem Termin Anfang März in Hagen.
Cemile Giousouf bei einem Termin Anfang März in Hagen.
Foto: Michael Kleinrensing
Cemile Giousouf hat bei der NRW-CDU für eine kleine Revolution gesorgt: Die Partei, die das christliche C im Namen trägt, will Giousouf in den Bundestag schicken. Sie wäre dann die erste Muslimin in der Unionsfraktion. Überschattet wurde das Treffen in Münster von Sorge um Wolfgang Bosbach.

Münster/Hagen.. Cemile Giousouf strahlte, Armin Laschet war sichtlich erleichtert. Die „kleine Revolution“ des Vorsitzenden im größten CDU-Landesverband war geglückt: Giousouf soll als erste Muslimin in die nächste Bundestagsfraktion der CDU/CSU einziehen.

In einer Kampfkandidatur gegen die Düsseldorfer Frauenpolitikerin Sylvia Pantel setzte sich die 34-jährige Giousouf mit Zweidrittel-Mehrheit unerwartet klar durch.

Bis zuletzt hatte sich der frühere Integrationsminister Laschet für die türkischstämmige Politologin stark gemacht. Die Unruhe an Teilen der Basis war der Parteizentrale nicht verborgen geblieben - es wurde kräftig telefoniert.

Cemile Giousouf macht manchen Parteimitgliedern Bauchschmerzen

Den 250 Delegierten in Münster machte Laschet in einem eindeutigen Plädoyer klar, dass sich die christliche CDU auch für Menschen mit muslimischem Glauben weiter öffnen müsse. Die Partei zog mit – auch wenn einige noch erhebliche Bauchschmerzen beim neuen Kurs haben.

Cemile Giousouf war im Wahlkreis Hagen/Ennepe-Ruhr 1 als Direktkandidatin nominiert worden. Im „roten Hagen“ sind die Chancen für eine direkte Wahl gering – mit Listenplatz 25 rückt Cemile Giousouf aber auf eine aussichtsreiche Position.

In einer brillanten Vorstellungsrede erinnerte Giousouf an ihre Funktionen im Landesvorstand, in der Frauen-Union und als Vizevorsitzende des deutsch-türkischen Forums. „Dass ich für den Bundestag nominiert wurde, ist eine unglaubliche Anerkennung der Zuwanderer.“ Ihr Ziel sei es, viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte für die CDU zu gewinnen. Der kräftige Applaus war ehrlich.

Cemile Giousouf soll schaffen, was Bülent Arslan nicht gelang

Cemile Giousouf verändert die CDU. Deshalb war auch ihrem Mentor Laschet frühzeitig klar, dass er mit der Muslimin politisch weit vorprescht und bei deren Scheitern auch ein hohes persönliches Risiko laufen würde. Giousoufs Gegenkandidatin Pantel, die sich selbst vorschlug, musste sich aber mit einem Drittel der Stimmen zufrieden geben und landete aussichtslos auf Platz 45.

Nachdem der Vorsitzende des deutsch-türkischen Forums, Bülent Arslan, in den Jahren 2002 und 2005 mit der Kandidatur für den Bundestag in der NRW-CDU gescheitert war, steht mit Cemile Giousouf nun die erste Muslimin für die Christdemokraten vor dem Einzug in den Bundestag.

Hagen ist der Wahlkreis von Cemile Giousouf

Giousouf fühlt sich im Wahlkreis Hagen gut aufgehoben. Mit einer Zuwanderungsquote von 35,3 Prozent weist Hagen landesweit den höchsten Anteil an Migranten auf. „Jedes zweite Kind in Hagen hat eine Zuwanderungsgeschichte“, betonte Giousouf. Die derzeit noch in Aachen wohnhafte Muslimin will künftig in der ganzen Partei für ein besseres Miteinander der Kulturen wirken. Für Diskussionsstoff ist gesorgt.

Überschattet wurde das Treffen in Münster von Sorge um Wolfgang Bosbach. Der CDU-Bundestagsabgeordnete brach, nachdem er erneut für die Landesliste aufgestellt worden war, zusammen. Bosbach ist an Krebs erkrankt und musste nach dem Zusammenbruch im Krankenhaus behandelt werden. Inzwischen konnte er das Krakenhaus wieder verlassen.

 
 

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