Caron wirft auf der Zielgeraden das Handtuch

Wer das Hagener Theater in die Spielzeit 2017/18 führt, bleibt weiterhin offen. Nach der Absage von Dominique Caron müssen die Gremien nach einer neuen Lösung suchen. Einen abgestimmten Plan B gibt es aktuell nicht. Foto:Michael Kleinrensing
Wer das Hagener Theater in die Spielzeit 2017/18 führt, bleibt weiterhin offen. Nach der Absage von Dominique Caron müssen die Gremien nach einer neuen Lösung suchen. Einen abgestimmten Plan B gibt es aktuell nicht. Foto:Michael Kleinrensing
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Die designierte Intendantin Dominique Caron erteilt Hagen eine Absage
  • Zuletzt hatte die Theater-Belegschaft in einem Brandbrief die Bewerberin in Frage gestellt
  • Der Aufsichtsrat will zeitnah zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu diskutieren

Hagen..  Dominique Caron kommt nicht als neue Intendantin ans Hagener Theater. Um 14.01 Uhr schlug die E-Mail-Nachricht gestern wie eine Bombe bei Kulturdezernentin Margarita Kaufmann und Sven Söhnchen, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Theater gGmbH, ein. Nach einer Kampagne gegen die 59-jährige Französin, die derzeit die Eutiner Festspiele leitet und ab Sommer 2017 in Doppelfunktion das Hagener wie das Eutiner Haus leiten wollte, hat Caron die Reißleine gezogen. „Nach langer Überlegung und mit großem Bedauern möchte ich Sie in Kenntnis setzen, dass ich meine Bewerbung um den Intendantenposten am Theater Hagen zurückziehe. Ich danke Ihnen ausdrücklich für Ihr Vertrauen und die gute Zusammenarbeit“, so Caron in ihrer schriftlichen Absage. Für eine weitere Stellungnahme gegenüber der Presse stand sie gestern nicht zur Verfügung.

Kampagne gegen Französin

Findungskommission und Theater-Aufsichtsrat hatten Caron – wenn zum Teil auch nur knapp (8:7 Stimmen) – gewählt, doch wäre die Entscheidung für sie wohl auch in der Ratssitzung am 24. November deutlich bestätigt worden. Außerdem hatten sich trotz aller (teils anonymer) Kritik und einer von dem süddeutschen, pensionierten Intendanten Ulrich Schwalb angeführten Kampagne der Aufsichtsrat und die Verwaltung klar für die Französin positioniert und ihr Rückendeckung gegeben. „Bei einer solchen Schlammschlacht kann man es Frau Caron nicht verübeln, dass sie das Handtuch schmeißt“, bedauert Söhnchen Carons Absage, „ich hätte sie gern hier gesehen, es ist schade für Hagen. Frau Caron hätte hier am Theater eine Chance verdient gehabt. Ich dachte, Hagen sei eine gastfreundliche Stadt.“

Der Vorsitzende wird zeitnah zu einer außerordentlichen Aufsichtsrat-Sitzung einladen, um das weitere Vorgehen in puncto Neubesetzung der Intendanz zu besprechen. Die Tatsache, dass vor wenigen Tagen auch der beliebte Ballettdirektor Ricardo Fernando und Sympathieträger Werner Hahn, Leiter der jungen Bühne Lutz, ihren Weggang vom Hagener Haus bekannt gegeben haben, wird die Neubesetzung der Intendantenposition nicht leichter machen.

Nach aktuellem Stand wird die Stelle des jetzigen Generalmusikdirektors Florian Ludwig ab der Spielzeit 2017/18 der Amerikaner Joseph L. Trafton übernehmen. „Die Gespräche mit Herrn Trafton liefen bereits, bevor die Personalie Caron zum Thema wurde“, blickt Söhnchen zurück und hofft, dass aufgrund der Querelen im Hagener Theater jetzt nicht auch noch der künftige GMD das Handtuch schmeißt.

Brandbrief aus dem Theater

Zuletzt hatten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Theater gGmbH noch einen vertraulichen Brandbrief an die Verwaltungsspitze der Stadt sowie an sämtliche Mitglieder des Rates verschickt, um ihrer „Sorgfaltspflicht für die Gesellschaft“ nachzukommen. Darin arbeitet sich das Quintett über vier Seiten an der Vita von Dominique Caron ab. So wird kritisiert, dass sie keine Nachweise über eine akademische Qualifikation vorlege, es Unstimmigkeiten in ihrem Lebenslauf gebe, ein finanzielles und künstlerisches Konzept fehle, die Doppelbelastung Hagen/Eutin dem Haus nicht gut tue, es ihr an Inszenierungserfahrung fehle und sie sich nicht intensiv genug mit ihrem neuen Schaffensort beschäftig habe.

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