Buhlen um Bufdis

Carolin Annemüller
Ein junges Team von Bufdis: Sieben junge Frauen und Männer engagieren sich für ein Jahr an der Gustav-Heinemann-Förderschule in Eilpe.
Ein junges Team von Bufdis: Sieben junge Frauen und Männer engagieren sich für ein Jahr an der Gustav-Heinemann-Förderschule in Eilpe.
Foto: Carolin Annemüller

Hagen. Die Stadt Hagen führt eine Warteliste. Darauf stehen junge Leute, die sich nach der Schule engagieren wollen. Aber auch die ehemalige Chefsekretärin, die mit 67 eine neue Aufgabe sucht. Sie müssen auf ihren Einsatz im Tierheim oder Museum warten, weil der Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt nur schleppend läuft.

Während manch heimischer Wohlfahrtsverband um die sogenannten „Bufdis“ buhlt, hängt die Stadt in der Warteschleife. Weil erst zehn Stellen bewilligt sind. Wann es grünes Licht für weitere zwölf Stellen gibt, weiß Koordinatorin Bärbel Schön aus der Verwaltung nicht.

Ein Segen für die Förderschule

Die Bewilligung beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben lässt auf sich warten. „Die Zuschüsse wurden nur für 35.000 Freiwillige berechnet“, erklärt sie. „Fast alle Stellen sind für dieses Jahr besetzt.“ Wie viele Hagener Anträge daher überhaupt noch bewilligt werden, ist derzeit offen.

Als im Vorjahr die Wehrpflicht endete und die Zivis verschwanden, fürchteten viele eine Versorgungslücke. Auch die Gustav-Heinemann-Förderschule in Eilpe. Dort gab es ein Happy-End. Die ehemaligen Zivi-Stellen wurden zum Schuljahresbeginn mit sieben Bundesfreiwilligen besetzt. Allesamt junge Leute, die nach der Schule Zeit überbrücken oder etwas Neues kennenlernen wollen. Sie sind die Ersten, die morgens kommen und die Letzten, die am Spätnachmittag gehen. „Es ist ein Segen, dass wir dieses Team haben“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Susanne Busch-Degenhardt.

Ein Segen ist das Jahr an der Gustav-Heinemann-Schule aber auch für die sieben jungen Hagener. Während des Unterrichts betreuen sie für ein Taschengeld von 300 Euro und 70 Euro Verpflegungsgeld monatlich plus Busticket einzelne Kinder mit besonderem Förderbedarf, helfen aber auch bei Verwaltungs- und Hausmeisteraufgaben. „Ich wollte gucken, ob mir die Arbeit mit behinderten Menschen liegt“, sagt etwa Frederic Bambach. „Es ist eine gute Erfahrung.“ Mittlerweile kann der 20-Jährige sich vorstellen, nach dem Bundesfreiwilligendienst Sonderpädagogik auf Lehramt zu studieren.

"Auch für jüngere Menschen"

Auch bei der Arbeiterwohlfahrt Hagen-Märkischer Kreis sind es Schulabgänger, die sich engagieren. Abgewiesen werden musste noch niemand. Der stellvertretende Geschäftsführer Uwe Feldhaus hofft aber auch auf Bewerber über 27, die es so gut wie gar nicht gibt. Für diese Zielgruppe wäre zum Beispiel eine der vier Hagener Drogeneinrichtungen der AWo ein interessantes Einsatzgebiet. „Es müssen Leute sein, die fern von eigenen Süchten sind“, sagt der therapeutische Leiter Markus Stremmel-Thoran. „Das schließt aber nicht aus, dass die Aufgabe auch für jüngere Menschen in Frage kommt.“

Generell gilt bei der AWo: Wer motiviert ist, kann seine Interessen einbringen. Zum Beispiel im Altenheim: „Ob Lesestunde, Basteln oder Spaziergänge – für diese Dinge sind unsere Freiwilligen sehr wichtig“, betont Feldhaus.

Auch Jürgen Hecht vom DRK-Kreisverband Hagen weiß, dass ohne Freiwillige kleine Nettigkeiten wie etwa der Teedienst beim Mittagstisch für Senioren unter den Tisch fallen. „Der Bundesfreiwilligendienst ersetzt den Zivildienst leider nicht“, lautet sein Fazit nach dem ersten halben Jahr. „Es geht alles irgendwie weiter. Aber in abgespeckter Form.“