Bürger wollen sinnvolle Wiederbelebung der Brandt-Ruine in Westerbauer

Nur das Firmen-Logo erinnert noch an bessere Zeiten auf dem Brandt-Gelände in Haspe-Westerbauer.
Nur das Firmen-Logo erinnert noch an bessere Zeiten auf dem Brandt-Gelände in Haspe-Westerbauer.
Foto: Frank Tischhart / WNM
Brandt - das war über Jahrzehnte ein Markenzeichen der Stadt Hagen. Bis das Unternehmen vor zehn Jahren mit seiner Produktionsstätte von Haspe nach Thüringen umzog. Eine Ruine unter Denkmalschutz verkommt seitdem zum Schandfleck. Jetzt gibt es neue Pläne für den Komplex an der Enneper Straße. Auf dem Brandt-Gelände soll ein Einzelhandelszentrum entstehen. Aber spaltet das nicht die Kaufkraft zwischen Westerbauer und dem Bereich am Hasper Kreisel? Wir haben Menschen in beiden Ortsteilen befragt.

Hagen/Haspe. Schauplatz Westerbauer. Strahlender Sonnenschein am blauen Himmel. Die Schattenseite: das Areal der alten Brandt-Fabrik. Kein schöner Anblick. Dabei heißt es hier bis heute: "Brandt macht leichten Appetit." Der Werbeslogan prangt noch an einer Hauswand vor der ehemaligen Keksfabrik. Doch appetitlich wirkt die Brandt-Brache nicht mehr. Irgendwann rollt wahrscheinlich die Abrissbirne an. Nach der Neugestaltung sollen Firmen wie Kaufpark und Aldi in ein Einkaufszentrum umsiedeln. Braucht Westerbauer das? Geschäfte gibt's ja anscheinend schon genug am Ort.

Peter Mervelskemper (62) besitzt seit 20 Jahren ein Lotterie- und Tabakgeschäft an der Enneper Straße. Sein Laden liegt in Sichtweite der Brandt-Brache. Der Kaufpark ist direkt gegenüber. Vom neuen Konzept für Brandt hält der Einzelhändler nichts: „Das ist alter Wein im neuen Schlauch. Wenn der Kaufpark in ein großes Zentrum umsiedelt, ist hier endgültig tote Hose und in Haspe auch. Dann ist die Kaufkraft völlig futsch. In Westerbauer stehen jetzt schon 30 bis 40 Prozent der Wohnungen leer. Der Stadtteil stirbt langsam aus."

Welche Alternativen könnten den Trend stoppen? Mervelskemper liegt die Lösung auf der Zunge: "Was wir brauchen, sind Gewerbeflächen. Firmen müssen auf das Brandt-Gelände. Dann käme wieder mehr Leben hierhin. So wie früher. Als es das Brandt-Werk noch gab, haben wir schon morgens um sieben Uhr den Laden aufgemacht, weil die Leute draußen Schlange standen, um ihre Zeitung und Zigaretten zu kaufen. Heute bin ich froh über jeden Kunden. Die Stadt Hagen hat zehn Jahre der Entwicklung hier verschlafen. Ich war selbst für die SPD im Rat. Was mit Brandt passiert, das war in dieser Zeit doch fast allen Ratspolitikern scheißegal."

Soziale Begegnungsstätte wäre gute Alternative 

Heidrun Dieckmann (59) wohnt seit 12 Jahren in Haspe und ist Kundin beim Kaufpark in Westerbauer. Sie findet, ein großes Einkaufszentrum auf dem Brandt-Gelände sei überflüssig. Ihr Vorschlag: „Die Gebäude sanieren und dann vielleicht als soziale Begegnungsstätte nutzen. Es gibt so viele Jugendliche, die auf der Straße stehen und so viele agile Senioren, die eine Aufgabe brauchen. Die Älteren könnten mit den jungen Leuten an irgendetwas arbeiten, ihnen Ratschläge fürs Leben geben. So eine Art Freizeit-Werkstatt, an der beide Generationen ihren Spaß haben." Geld ließe sich damit allerdings nicht verdienen. Außerdem bleibt die Frage, wer die Entwicklung für ein soziales Projekt finanzieren soll. Heidrun Dieckmann antwortet spontan: "Die Firma Brandt hat beim Umzug in den Osten ja einiges an Subventionen kassiert. Davon könnten jetzt durchaus mal ein paar Euro für die Sanierung zurückfließen.“

Interessiert junge Menschen in Westerbauer das Brandt-Thema überhaupt?

Christiane Neuzerling (19) geht noch zur Schule. An der Brandt-Brache in ihrem Wohnort läuft sie fast täglich vorbei. Ihr Eindruck: „Hier steht doch nur noch eine Ruine. Irgendetwas muss mit dem Gelände passieren. Ein Sportzentrum könnte ich mir darauf vorstellen oder eine Art Kulturfabrik." Von einem Einkaufszentrum hält auch die junge Dame nicht sehr viel.

In Westerbauer gibt's schon genug Geschäfte 

Für Heinz Tuma (73), der seit 1978 in Haspe lebt, aber als Zeitungsausträger den Hasper Ortsteil Westerbauer wie aus der Westentasche kennt, ist klar: „Kaufpark, Aldi und Lidl sind doch schon da. Warum also noch ein Großeinkaufzentrum bauen? Außerdem sind die Busverbindungen von Haspe nach Westerbauer schlecht. Ich müsste zum Einkaufen immer mit dem Bus kommen. Ein Sportzentrum für Westerbauer oder ein Unterhaltungstreff für ältere Leute - so etwas in der Art fände ich hier auf dem Gelände gut.“

Marion Neuser (46) arbeitet in der kleinen „Zwieback Welt“ zwischen Westerbauer und Haspe. Hier lässt Brandt seine Produkte zum Hauspreis verkaufen. Die Angestellte sagt: „Das Brandt-Gelände sollte wieder belebt werden. Ich würde mit ein Outlet-Center wünschen oder viele kleine Geschäfte. Die Alternative wäre ein Seniorenheim oder betreutes Wohnen."

Und was denken die Menschen in Haspe über die Brandt-Pläne für den Nachbarort?

Inge Fehlau liebt die kurzen Wege, um shoppen zu gehen. Haspe ist ihre Heimat. Sie war mal zwei Jahre bei Brandt beschäftigt und pendelte damals nach Westerbauer. Die Seniorin meint: „Egal, was bei Brandt passiert, ich will weiter in Haspe einkaufen. Das Zentrum darf hier nicht aussterben. Nach Westerbauer würde ich höchstens einen Spaziergang machen, wenn da ein Einkaufscenter gebaut wird. Aber nur, um mir das dann anzugucken.“

Hasper Einzelhändler halten sich halbwegs über Wasser 

Wie es in Haspe ausschaut, weiß Friedhelm Cordes (62) genau. Er fährt dort Taxi, wo er seit 30 Jahren zu Hause ist. Cordes kennt sich aus im Ort: „Die Ängste der Geschäftsleute vor einem Einkaufszentrum in Westerbauer kann ich gut nachvollziehen. Es wäre schlecht, wenn da oben Konkurrenz aufgebaut wird für die Einzelhändler, die sich hier noch halbwegs über Wasser halten." In Haspe werde schließlich alles für die Bewohner geboten. Cordes: "Apotheken, Bäcker, Metzger, Drogerien oder Friseure haben wir massig hier. In Westerbauer bin ich selbst Kunde im Kaufpark. Der neue Laden dort ist doch sehr ansprechend. Warum soll bei Brandt so was ähnliches wie eine Einkaufsgalerie entstehen? Kein Mensch braucht das hier. Ich persönlich hätte mir ein Outlet-Center gewünscht."

Was viele Menschen in Haspe und Westerbauer eint: Es muss etwas passieren. Das unansehnliche Gebäude mit den vielen zerborstenen Scheiben, Graffiti-Schmierereien, dem vielen Unkraut und Dreck, darf nicht noch weiter verfallen. Aber: Die meisten wollen keinen Einkaufspark, sondern eine sinnvolle Lösung, mit der auch die Nachbarn in Haspe leben können."

 
 

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