„Bürger haben für meine Bücherei gekämpft“

Hohenlimburg.  Er hat Generationen von Hohenlimburgern mit Rat zur Seite gestanden, wenn sie einen spannenden Roman für lange Winterabende oder für den Urlaub suchten. Oder, wenn sie nach Fachliteratur für eine wissenschaftliche Arbeit Ausschau hielten. Und er hat Kindergarten- oder Grundschulkindern deutlich gemacht, dass Lesen bildet und deshalb der kontinuierliche Besuch einer Stadtteilbücherei von Bedeutung ist. Und vieles mehr. Exakt für 35 Jahre oder dreieinhalb Jahrzehnte.

Am 1. Mai 1981 begonnen

Das alles leistet Andreas Ringenberg seit dem 1. Juni nicht mehr. Denn er ist, wie es ein Kollege der Hagener Stadtverwaltung trefflich ausdrückte, „klammheimlich in die Altersteilzeit gegangen“. Und das mit 59 Jahren. „Ich bin wahrscheinlich der letzte Mitarbeiter der Hagener Verwaltung, bei dem dieses Modell noch gegriffen hat. Als ich die Unterlagen dafür erhalten habe, habe ich diese erst einmal weggelegt“, betont der in Dortmund lebende studierte Bibliothekar, dass es ihm durchaus schwergefallen sei, sich mit dem Gedanken des Vorruhestandes anzufreunden. Zu sehr habe ihm die Arbeit in den Büchereien Haspe und Hohenlimburg am Herzen gelegen.

Aufgewachsen in Soest und durch seine Eltern behutsam ans Lesen herangeführt, stand für ihn nach einem berufsvorbereitenden Praktikum in der Dortmunder Landesbibliothek schnell der Wunsch fest, Diplom-Bibliothekar zu werden. Ein dreijähriges Studium in Köln war somit folgerichtig, das er im Jahr 1981 abschloss. Und zu dieser Zeit war es eine glückliche Fügung, dass die Hagener Stadtverwaltung eine Springerstelle ausgeschrieben hatte und der in Hohenlimburg arbeitende Kollege in Ruhestand ging. „Ich konnte mir damals sofort gut vorstellen, dort zu arbeiten, weil es eine große Zweigstelle war und ich mich nicht primär um Verwaltungskram zu kümmern hatte“, erinnert er sich. „Somit war ich in meinen Gestaltungsmöglichkeiten frei.“ Deshalb habe das Hohenlimburger Team, das einst aus sechs Mitarbeitern bestand, kühne Ideen entwickelt und umgesetzt. „Das haben sich andere Büchereien nicht getraut. Wir haben alte Bücher verkauft und damit Einnahmen rekrutiert, die wir wieder investiert haben. Wir haben Kindergärten zu Aufführungen eingeladen, und wir haben Fantasie-Übernachtungen angeboten.“

Besonders bewegend und deshalb nach vielen Jahren noch immer bestens in Erinnerung ist für ihn der Kampf der Hohenlimburger Bürger und die damit verbundenen Demonstrationen vor dem Rathaus für den Erhalt ihrer Bücherei in den Jahren 2002 und 2008 geblieben. „Damals war ich sehr gerührt. Die Bürger kämpfen für meine Bücherei“, habe ich gedacht. „Von der türkischen Gemüsefrau bis zum Stahlwerker.“ Deshalb habe die Politik nicht anders handeln können, als die Stadtteilbücherei Hohenlimburg zu erhalten. Dazu habe natürlich auch der Förderverein HohenlimBuch beigetragen, der die Bücherei vorbildlich unterstützt und somit gestützt habe.

Gut in Erinnerung sind ihm natürlich auch die teilweise endlosen Suchen nach einem alternativen Bücherei-Standort und die damit verbundenen Umzüge. Aus dem vom Schwamm befallenen Gebäude an der Grünrockstraße zum Langenkamp, und vom Lan­genkamp im Januar 2015 zur Stennertstraße. „Dieser neue Standort hat sich bereits bewährt“, sieht Andreas Ringenberg die Stadtteilbücherei für die nächsten Jahre auch aufgrund der Kompetenz der beiden Mitarbeiter Leif Kramps und Christiane Nippa gut aufgestellt.

 
 

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