Bürger fühlen sich zu einseitig belastet

Oberbürgermeister Jörg Dehm stellte sich im Hohenlimburger Ratssaal der Diskussion mit den Hagenern.
Oberbürgermeister Jörg Dehm stellte sich im Hohenlimburger Ratssaal der Diskussion mit den Hagenern.

Hagen.. Unterstützender Applaus, scharfe Kritik, solidarische Aufbruchappelle sowie Ausdruck von Entmutigung und tiefer Sorge – die erste Bürgerversammlung zum 90-Millionen-Euro-Sparpaket bot gestern Abend in Hohenlimburg die ge­sam­te Emotionspalette.

Nahezu 200 Interessierte lauschten nicht nur den Sparvorschlägen von Oberbürgermeister Jörg Dehm, sondern nutzten auch die Chance, offen zu kritisieren und skeptisch zu hinterfragen. Dabei äußerte niemand ernsthafte Zweifel an der These des Verwaltungschefs, dass der Weg der Konsolidierung alternativlos sei. Zumal Dehm einleitend mit erschütternder Klarheit darlegte, dass ein Leben jenseits der finanziellen Grenzen der Stadt angesichts eines täglich um 440 000 Euro anwachsenden Schuldenberges ein Ende haben müsse: „Das Ziel Schuldenabbau dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, um nicht eines Tages doch noch die Eigenständigkeit zu verlieren“, warnte der Oberbürgermeister. Mit der notwendigen Unterstützung von Bund und Land sei eben nur dann zu rechnen, wenn Hagen zuvor durch das Ausnutzen sämtlicher Einsparpotenziale die Voraussetzungen dafür schaffe.

Parteien und Interessengruppen diktieren die Diskussion

Dennoch zeigte die anschließende Diskussion, die von viel zu vielen Parteien- und Interessengruppenvertretern dominiert wurde, sehr deutlich, dass die Hagener – vor allem die Familien – sich zu eindimensional belastet fühlen: „Es kann nicht angehen, dass alle Maßnahmen auf Taschen der Bürger gehen“, warnte Birgit Funk vor zu einseitigen Belastungen und einer Überstrapazierung des Ehrenamtes. Andere forderten vor allem einen konsequenteren Personalabbau bei der Stadt, Prestige-Projekte wie Schumacher-Museum und Westfalenbad wurden zweifeln hinterfragt, und auch die Narben des Derivate-Skandals, der bis heute für sämtliche Verantwortlichen ohne Konsequenzen geblieben ist, sind längst noch nicht verheilt.

Dehm signalisierte weitere Diskussionsbereitschaft: „Im Sparpaket sind schwierige Themen angesprochen und auch schmerzliche Einschnitte drin, aber es gibt nichts, das Menschen dazu veranlassen müsste, Hagen fluchtartig zu verlassen.“

Am Dienstag, 28. September, steht im Hasper Vereinshaus St. Bonifatius, Berliner Straße 110a, ab 19 Uhr die zweite Runde der Spar-Tournee auf dem Programm.

 
 

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