Buchhandelskette Thalia bleibt mit 300 Mitarbeitern in Hagen

Eine Filiale der Buchhandlung Thalia.
Eine Filiale der Buchhandlung Thalia.
Foto: Jens Kalaene
  • Buchhandelskette im elektronischen Zeitalter angekommen
  • Synonym für digitale Lesekultur im Visier
  • E-Handel wird zum Trend-Barometer

Hagen.. Thalia bleibt in Hagen. Der größte deutsche Filialist wird auch in der neuen Eigentümerstruktur seinen Sitz und seine Hauptverwaltung mit rund 300 Mitarbeitern in der westfälischen Großstadt belassen. „Wir sind ein Hagener Unternehmen. Wir hätten sonst Sorgen, dass wir viel zu viele gute Leute verlieren würden“, unterstreicht Michael Busch als geschäftsführender Gesellschafter der Thalia Bücher GmbH.

Nach dem Amazon-Schock vor einigen Jahren, der das Unternehmen in eine tiefe Krise stürzte, ist Thalia wieder auf Wachstumskurs und im Zeitalter der Digitalisierung angekommen – mehr noch: Man versteht sich künftig als Service-Plattform für andere Händler.

Das Ziel bestehe jetzt darin, die Vertriebskanäle vom stationären Buchhandel bis zu den neuen Digitalangeboten zu verzahnen, so Busch. „Wir agieren in einem bewegten Marktumfeld. Ein Thema ist, dass Internet-Unternehmen stationär gehen.“ Damit spielt Busch auf den US-Konzern Amazon an, der in den USA bereits eigene Buchhandlungen eröffnet hat.

Sortimentsstrategie

Bei Thalia sieht man sich auf dem richtigen Weg, den gesamten Bereich des elektronischen Geschäftes nicht als Technik-Thema zu behandeln, sondern als andere Art des Lesens. „Die Schwerpunkte sind das Digitalisierungsthema und kontinuierliche Verbesserungsprozesse über die gesamte Wertschöpfungskette vom Autor bis zum Kunden.“ Es gehe darum. Kunden über alle Kanäle hinweg zu adressieren, und das möglichst mit regionalem Absender.

Um diese Ziele zu erreichen, investiert Thalia verstärkt in Schulung und Ausbildung. Mehr als 400 Auszubildende sind derzeit bei dem Unternehmen angestellt, das entspricht einer Quote von 20 Prozent.

Und obwohl der E-Buch-Markt investitionsintensiv ist und nur langsam wächst, wird er doch zum wichtigen Kundenbindungsfaktor und Barometer zum Beispiel für die Sortimentsstrategie: „Wir nutzen den Internetauftritt immer mehr als Marktforschung“, resümiert Busch. So lässt sich das Sortiment digital erweitern; Thalia verkauft seit dem Frühjahr digital auch Reisen und seit Oktober Artikel aus dem Bereich Wohnen. Das Hagener Unternehmen gehört dabei ohnehin zu den Vorreitern, die mit Nicht-Buch-Artikeln in den Läden experimentiert haben. Manches davon hat nicht funktioniert, anderes läuft gut, zum Beispiel das Thema Spiele mit Brückenschlag zum Kinderbuch. Busch: „Wichtig ist die Überlegung, welche Produkte denn buchaffin sind. Das Buch darf nicht zurückgesetzt werden.“

Neue Buchhandlungen eröffnet

Wurde Thalia lange als Totengräber der inhabergeführten Buchhandlung kritisiert, so will man jetzt zum Synonym für Lesekultur im digitalen Zeitalter werden. Die schnell und konsequent erworbene digitale Kompetenz spiegelt sich in neuem Vertrauen vor Ort wieder. Sechs neue Buchhandlungen hat Thalia im vergangenen Jahr eröffnet, zudem eigentümergeführte Buchläden erworben, zum Beispiel in Korbach. Busch: „Uns ist es gelungen, Standorte zu finden, mit denen wir insbesondere ländliche Regionen mit großem Einzugsgebiet erschließen konnten.“ Doch die Zeit der riesigen Buch-Supermärkte ist vorbei. „Wir gehen auf kleinere Flächen von 200 bis 300 Quadratmetern“, so Busch und: „Wir erhalten Buchhandlungen in der Fläche. Wir haben jetzt ein supergesundes Filialnetz.“

Zu den neuen Services, mit denen Thalia Kunden über die Kanäle binden will, gehören zum Beispiel Leseempfehlungen, die auf menschlichem Wissen basieren und nicht auf einem Computer-Algorithmus. So können Kunden aktuell per Whats App ihr Lieblingsbuch nennen und erhalten kurz darauf eine Empfehlung der Thalia Buchhändler. Auch im Laden kann man bereits in ausgewählten Buchhandlungen alle Kunden- und Buchhändlerrezensionen zu einem Titel an einem Bildschirm am Regal lesen.

Geschäftsführer Michael Busch ist seit dem Sommer auch Anteilseigner. Weitere Eigentümer sind die Freiburger Verlegerfamilie Herder, die Hagener Händlerfamilie Kreke und der Digitalunternehmer Dr. Leif Göritz. Zur Verteilung der Anteile gab Busch keine Auskunft.

 

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