Buchhändler überlassen E-Geschäfte nicht mehr Amazon

E-Buch oder gedrucktes Buch: Der Kunde will lesen und schätzt auf jeden Fall die Beratungskompetenz des Buchhändlers vor Ort.
E-Buch oder gedrucktes Buch: Der Kunde will lesen und schätzt auf jeden Fall die Beratungskompetenz des Buchhändlers vor Ort.
Foto: dpa
Das Internet hat als Angstgegner ausgedient. Kunden entdecken die Beratung in den stationären Buchläden neu.

Hagen.. Der stationäre Buchhandel behauptet sich. 2014 ist er erneut erfolgreicher als der Publikumsmarkt (Bahnhofsbuchhandel, Kaufhäuser, Internetgeschäft) insgesamt. Das meldet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in seiner ersten Bilanz für das Jahr 2014. Damit festigt sich die Trendwende. Noch vor wenigen Jahren schienen Online-Kaufhäuser wie Amazon die Buchläden vom Markt zu fegen. Doch die Kunden wünschen offenbar wieder Beratungskompetenz. Dieses Resümee ziehen Buchhändler in Südwestfalen.

„Viele Kunden haben auf die Berichte über die Geschäftspraktiken von Amazon reagiert und entscheiden sich bewusst wieder für die örtliche Buchhandlung“, so Dorothee Krug, Mitinhaberin der Buchhandlung am Rathaus in Hagen. „Man hat das Gefühl, es kommen wieder mehr Leute, die zu schätzen wissen, dass wir mit unserem Sortiment schon eine gewisse Vorauswahl getroffen haben.“

Kundenbindung ist die Erfolgsstrategie auch von Inke Hees, Inhaberin von Käpt’n Book in Olsberg und Brilon. „Von Anfang an haben wir mindestens zwei literarische Abende im Jahr angeboten, jeweils nach den Buchmessen. Wir veranstalten Autorenlesungen, und die jährliche Fahrt mit Übernachtung zur Buchmesse nach Leipzig ist schon eine feste Institution.“

Das E-Geschäft gehört inzwischen zum Alltag. Die meisten Buchhandlungen haben eigene Internet-Shops. „Online ist nicht nur Amazon“, betont Inke Hees. „Wir sperren uns nicht dagegen. Da ist ein Umdenken geschehen.“ Zukunftssorgen hat die Buchhändlerin nicht: „Ich hätte die Filiale in Brilon jetzt nicht eröffnet, wenn ich nicht denken würde, dass wir da gute Chancen haben.“

Kein Ort wie jeder andere

Eine Buchhandlung ist kein Ort wie jeder andere. Auf die besondere Atmosphäre setzen neue Angebote. So kann man sich zum Beispiel in der Buchhandlung am Rathaus und bei Käpt’n Book nach Ladenschluss bei Getränken und Häppchen einschließen lassen, um nach Herzenslust zu stöbern. „Einschließen und genießen“, lautet das Motto in Hagen. Dorothee Krug: „Das wird sehr gut angenommen.“ Buchvorstellungen in Kooperation mit dem Theater an der Volme laufen ebenfalls prima. Käpt’n Book ist gerade mit „Buchgenuss nach Ladenschluss“ gestartet. „Das muss sich noch ein bisschen entwickeln“, so Inke Hees.

„Ich bin eine Beratungsbuchhandlung“, darauf ist die Inhaberin der Buchhandlung Isabell Hoffmann in Attendorn stolz. „Wir machen sehr viele Veranstaltungen, hochkarätige Lesungen an schönen Orten. Wir laden Schriftsteller ein, die ich selber gut finde, das hat mich vorwärts gebracht. Aber man muss sehen, was die Leute vor Ort interessiert, der lokale Bezug ist ganz wichtig, und dann klappt das auch.“

Die studierte Germanistin war nicht immer so optimistisch. „Zeitweise habe ich befürchtet, dass die E-Bücher uns kaputt machen. Diese Meinung habe ich inzwischen revidiert, weil die Kunden von den Lesegeräten genervt sind und zum Buch zurückkehren.“

Kunden von Lesegeräten genervt

Der Börsenverein meldet, dass 2014 der Barumsatz 1,2 Prozent unter dem starken Vorjahr lag, weil es keinen herausragenden Bestseller gab, und dass der Umsatz im Bereich Belletristik sogar um 5,1 Prozent zugunsten von Ratgebern und Sachbüchern zurückgegangen ist. Diesen Befund können die südwestfälischen Buchhandlungen nicht bestätigen. „Bei uns hat sich Belletristik besser verkauft als im letzten Jahr“, bilanziert Dorothee Krug und führt die Zahlen direkt auf „Einschließen und genießen“ zurück. „Bei uns hält sich das die Waage“, ergänzt Inke Hees. „Aber Belletristik ist immer noch Hauptthema.“ Isabell Hoffmann ist sogar glücklich, dass ein dominierender Knüller 2014 nicht in Sicht war. „Ich liebe Weihnachtsgeschäfte, bei denen man beraten kann, weil es keine Spitzentitel gibt.“

Als außerordentlich starkes und wichtiges Umsatz-Standbein nennen alle drei Buchhandlungen übrigens regionale Literatur.

„Wir haben keine Zukunftsangst, wir haben uns mit Online gut arrangiert“, bringt Dorothee Krug die neue Zuversicht der Branche auf den Punkt.

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