Bodengift verschwindet im Landschaftsbauwerk

Mit dem ersten Bauabschnitt der Bahnhofshinterfahrung wird der Stadtteil Wehringhausen entlang der Ennepe sein Gesicht erheblich verändern.
Mit dem ersten Bauabschnitt der Bahnhofshinterfahrung wird der Stadtteil Wehringhausen entlang der Ennepe sein Gesicht erheblich verändern.
Foto: WP
Nachdem die Varta-Hallen abgerissen sind, beginnt jetzt endgültig der Straßenbau für die Bahnhofshinterfahrung. Der erste Bauabschnitt zwischen Dieck- und Weidestraße soll bis zum Sommer 2015 erledigt sein.

Wehringhausen.. Die Baustelle der Bahnhofshinterfahrung erwacht aus dem Winterschlaf. Beim ersten Bauabschnitt zwischen der Weidestraße und dem Hawker-Parkplatz an der Dieckstraße haben nach dem Abriss der einstigen Varta-Hallen die Bagger die Regie übernommen. Bis zum Sommer 2015 sollen hier die Verkehrsführungen komplett verändert und dabei die nächsten 15 Millionen Euro verbaut werden.

„Es handelt sich um die aktuell größte kommunale Straßenbaumaßnahme in Nordrhein-Westfalen“, wissen Projektleiter Matthias Hegerding und Gesamtkoordinator Guido Rose vom federführenden Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH), dass vor allem die Wehringhauser mit besonders wachen Augen auf die Altlasten-Problematik blicken.

Umwelttechnischer "Hotspot"

Immerhin schlummert in den Böden unter den einstigen Batterie-Produktionsstätten die Schadstoffvergangenheit aus mehr als 100 Jahren Industriegeschichte. Dieser umwelttechnische „Hotspot“ soll im Rahmen der Baumaßnahme für alle Zeiten entschärft werden: „Dazu wird der kontaminierte Boden aus dem Grundwasserbereich aufgenommen und durch schadstofffreien Boden ersetzt“, erläutert Hegerding die Vorgehensweise.

Das ausgeschachtete Material werde wiederum unweit der Weidestraße zu einem fast fünf Meter hohen Landschaftsbauwerk aufgetürmt und dort wasserdicht eingekapselt. „Wir haben zahlreiche aktuelle Proben gezogen und mit älteren Bodenuntersuchungen abgeglichen“, versichert Rose, dass wasserrechtlich alles durchgeprüft und genehmigt sei. Dennoch werde auch vor Ort noch durch einen Fachgutachter sowie das Umweltamt jeder Arbeitsschritt begleitet, um Belastungen mit Schwermetallen wie Blei oder auch Cadmium auszuschließen.

Renaturierung des Flussbetts

Den baulichen Mittelpunkt des ersten Bauabschnitts bildet die neue Ennepebrücke, die den künftigen Anschluss zum Kuhlerkamp, aber auch zur Gewerbefläche Varta-Insel bildet. Damit einher gehen neue Stützwände entlang der Ennepe, die den Hochwasserschutz optimieren und somit auch ein Ausspülen giftiger Böden verhindern sollen. Darüber hinaus ist aber auch eine Renaturierung des Flussbettes angedacht, bestehende Wehranlagen werden verschwinden.

Die auf dem Varta-Gelände aufgetürmten Schutthügel – insgesamt handelt es sich um 12.000 Kubikmeter recyceltes Abbruchmaterial – bilden das Fundament für die künftige Fahrstraße. Immerhin muss zwischen der Weidestraße und dem Abschluss Dieckstraße ein Höhenunterschied von fast zwei Metern ausgeglichen werden. Über den Hawker-Parkplatz kann die „Strabag AG“, die sich bei der EU-weiten Ausschreibung gegen fünf Mitbewerber durchsetzte, erst ab Juli 2013 verfügen. Bis dahin sind auf dem gegenüberliegenden Enervie-Gelände Ersatz-Parkflächen für die Mitarbeiter der Batterie-Produktion fertiggestellt.

Erster Bauabschnitt kostet 15 Millionen Euro

Der erste Bauabschnitt, der einschließlich der Beampelung und Begrünung etwa 15 Millionen Euro verschlingen dürfte und sich somit voll im 66-Millionen-Euro-Budget der Gesamtmaßnahme bewegt, soll bis zum Sommer 2015 erledigt sein. Parallel dazu soll zu Beginn des Jahres 2015 dann auch der zweite Teil (ca. 18 Millionen Euro) begonnen werden, der bis 2017 über ein weiteres Ennepe-Brückenbauwerk sowie vorzugsweise auf dem bestehenden Gleiskörper die Verbindung von der Weidestraße – die alte Brücke wird abgerissen – bis zur Volme-Querung in Eckesey schafft. Den letzten Teil (ca. 19 Millionen Euro) bildet dann bis 2019 der Anschluss an die Eckeseyer Straße. Dieser führt über die Anlagen der Deutschen Bahn hinweg und gilt daher als besonders aufwändig.

 
 

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