Blank: Herbert Wils hatte keine Rehabilitierung

Frage: Welche Rolle hat die Kommunistische Partei Deutschlands nach dem Krieg in Hagen gespielt?

Dr. Ralf Blank: Die KPD war ein Sammelbecken für antifaschistisch und linksextrem eingestellte Menschen. Sie war in den ersten Nachkriegsjahren und auch noch in der frühen Bundesrepublik durchaus ein politischer Faktor. Bei der ersten Kommunalwahl am 13. Oktober 1946 holte die KPD 14 Prozent. Sie erreichte fast den Stimmenanteil der FDP. Auch bei der ersten Wahl zum deutschen Bundestag 1949 blieb in Hagen dieser Anteil für die KPD gleich. Das änderte sich in den folgenden Jahren, so dass die KPD bei der Kommunalwahl 1952 in Hagen nur noch 7,8 Prozent erreichte. Gehen wir von den Wahlergebnissen aus, so ging die politische Bedeutung der KPD nach Gründung der Bundesrepublik und vor dem Hintergrund des Ost-West-Konfliktes erheblich zurück. Die KPD wurde als Filiale Ost-Berlins und Moskaus angesehen, was rückblickend auch nicht von der Hand zu weisen ist.

Welche Bedeutung kommt dem Blitzgesetz aus dem Jahr 1951 zu?

Durch das im August 1951 in Kraft getretene „Blitzgesetz“ wurde in der BRD ein Instrument geschaffen, politische Gegner als Verfassungsfeinde der Vorbereitung zum Hochverrat und der Staatsgefährdung anzuklagen. Darunter fielen dann nicht nur Kommunisten, die aus politischen Gründen gegen eine Wiederbewaffnung eintraten, sondern besonders auch Remilitarisierungsgegner und die Friedensbewegung – also durchaus demokratisch gesinnte Menschen.

Welche Konsequenzen hatte das Verbot der KPD im Jahr 1956?

Für die politische Kultur hatte das Verbot der KPD im August 1956 weitreichende Folgen. Mitten im „Kalten Krieg“ wurde eine gesellschaftliche Opposition ausgeschaltet. Für das politische Machtgefüge hingegen ergaben sich keine Folgen, da die KPD seit 1951 keine Bedeutung mehr besaß.

Wie sind aus heutiger Sicht Urteile wie die gegen Herbert Wils einzuschätzen?

Wils wurde Opfer des „Blitzgesetzes“ von 1951 und des Verbots der KPD. Als Kommunist und Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) hatte er sich „staatsfeindlich“ betätigt. Letztlich wurde er ein Opfer von Gesinnungsschnüffelei, Denunziantentum und politischer Willkür. Wie hätte ein junger Mann wie Wils dem Staat schaden können? Auf der anderen Seite wurden zu dieser Zeit vor dem Hagener Landgericht die Kriegsendphasen-Verbrechen 1945 verhandelt. Nachweislich an Ermordungen beteiligte frühere Gestapo-Beamte wurden freigesprochen. Dazu wurde ein ebenfalls neu geschaffenes Gesetz, das den Tatbestand des „Befehlsnotstandes“ festlegte, herangezogen.

Hat in der Bundesrepublik eine Aufarbeitung dieses Teils deutscher Geschichte stattgefunden?

Eigentlich schon, vielleicht nur noch nicht auf einer lokalen und regionalen Ebene. Doch gerade diese Geschichte „vor Ort“ ist wichtig, um die Menschen zu verstehen. Man muss nicht politisch konform mit Menschen wie Herbert Wils und seiner Frau Ingrid liegen, um die historischen Zusammenhänge einordnen zu können. Nehmen wir eine Rehabilitierung als Teil einer politischen „Vergangenheitsbewältigung“: Die gab es für Herbert Wils und viele andere Menschen nicht.

 
 

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