Bildung für die Massen

Prof. Dr. Otto Peters, Gründungsrektor der Fernuni Hagen feiert an diesem Fraiteg seinen 90. Geburtstag.
Prof. Dr. Otto Peters, Gründungsrektor der Fernuni Hagen feiert an diesem Fraiteg seinen 90. Geburtstag.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Prof. Dr. Otto Peters feiert seinen 90. Geburtstag
  • Als Gründungsrektor prägte er das Gesicht der Hagener Fernuni
  • Die Idee der Bildung für die Massen fasziniert ihn bis heute

Hagen. Es begann mit einem Gutachten. „Der Schulminister von Berlin wollte Mitte der 1960er-Jahre einen Bericht über das Fernstudium. Ich habe dann Erfahrungen aus dem Ausland betrachtet und war so begeistert, dass ich innerhalb von drei Jahren drei Bücher geschrieben habe“, erzählt Otto Peters. Gelassen sitzt der 89-Jährige mit dem weißen Haar und den ruhigen Gesichtszügen in seinem Arbeitszimmer, zwischen gefüllten Bücherregalen und Bürotisch.

Hochschulbildung für Massen

Massen von Menschen eine Hochschulbildung zu ermöglichen - die Idee hat ihn fasziniert. „Auf einen Professor können so zehntausend Studierende kommen“, rechnet Peters vor. Der gebürtige Berliner war in der jungen Republik der einzige Hochschullehrer, der sich mit der Erforschung von Fernstudien befasste. Bedarf an Bildung gab es genug, machten doch damals viel zu wenige Schüler das Abitur, geschweige denn einen Hochschulabschluss.

So sollten neue Möglichkeiten der Weiterbildung das Land nach VW-Käfer und Wirtschaftswunder auf die Zukunft vorbereiten.

1975 wurde aus grauer Theorie erstmals Praxis: Mit zwölf Professoren öffnete die Fernuniversität in Hagen ihre Pforten. Otto Peters gehörte zum Gründungsausschuss und prägte als Rektor die ersten zehn Jahre der neuartigen Lehranstalt. Für ihn kein Bau wie jeder andere. „Ich spürte, dass diesem Anfang, wenn Sie so wollen, ein Zauber innewohnte“, bekennt er.

Nicht jeder teilte seine Begeisterung in den ersten Jahren. „Viele Professoren wollten lieber eine traditionelle Universität in Hagen etablieren“, erzählt Peters und blickt auf das Buch „Die Fernuniversität im fünften Jahr“ neben seinem Sessel. „Die ganze Sache hätte auch ein Flopp werden können.“

Es kam anders. Die erhoffte Bildungswelle schwappte über das Land und heute kann die Fernuniversität Hagen stolz auf über 80.000 Studierende blicken. Unter den Absolventen sind namhafte Personen wie CDU-Politiker Jens Spahn oder der kürzlich verstorbene Ex-Außenminister Guido Westerwelle.

Digitales Studium

Gleichzeitig hat sich in den 41 Jahren seit Bestehen der Fernuniversität viel verändert. Inzwischen wird nicht nur das Abitur, sondern auch der Internetanschluss vorausgesetzt. Für Otto Peters ist das digitale Studium ein Segen und Fluch zugleich. „Die Vorteile für die Bildung sind phänomenal“, schwärmt er, fügt jedoch mahnend hinzu: „Auf der anderen Seite müssen die Studierenden auch noch Zeit zum Studieren haben. Die Sucht nach den Geräten ist eine Gefahr“.

Am morgigen Freitag feiert Otto Peters seinen 90. Geburtstag. Auch bei Wünschen für die Zukunft kann er nicht ganz von seinem „Schützling“ lassen. „Letztes Jahr durfte ich das 40. Jubiläum der Fernuniversität erleben. Ich will auch beim 50. Jubiläum in der ersten Reihe sitzen“, betont er und lacht.

 
 

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