„Biblische Lieder“ erwärmen die Heilig-Geist-Kirche

Emst..  In der Heilig-Geist-Kirche verschafften am Sonntagnachmittag Lucas Singer, Gesang, und Oliver Imig, Orgel, Ensemble-Mitglieder der Kölner Oper, den Zuhörern im kühlen Gewölbe mit ihrem Konzert „Biblische Lieder“ innere Wärme.

Das Präludium G-Dur BWV 541 von Bach war quasi die Ouvertüre, brillant und temperamentvoll gespielt. Zwei Lieder aus „Schemellis Gesangbuch“, einer Gemeinschaftsarbeit von Bach und Schemelli, brachten den tiefschwarzen Bass des Sängers mit textbetonter Interpretation prächtig zur Geltung.

Auch ein Werk aus „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ gehörte zu dieser Gattung kleiner geistlicher Arien mit ihrer auf kunstvoll von Bach ausgesetztem Generalbass fundierter Begleitung – hier im Pedal sehr tief brummelnd.

Kontrast der Klangfarben

Das Marienlied von Max Reger „Ich sehe dich in tausend Bildern“ (Novalis) faszinierte mit mystisch hellen Orgelakkorden in der Einleitung und innig zartem Gesang, in der zweiten Strophe durch starken Kontrast der Klangfarben.

In Psalm 62 „Meine Seele ist stille zu Gott“ setzte der Sänger starke Akzente: „Hoffet auf ihn allezeit“. Danach stieg die Begleitung entsprechend bildhaft in ruhigem Duktus aufwärts. Bei Mendelssohns Orgel-Sonate f-Moll op. 65, 1 standen im 1. Satz majestätisch rauschender Akkordik zarte Zitate des Chorals „Was mein Gott will, das g’scheh allzeit“ entgegen. Liedhaft schlicht, zu Herzen gehend war das Adagio.

Das Andante rezitativo arbeitete wieder mit starken Kontrasten zwischen hoher zarter Melodik und düsteren Akkorden, ins Allegro assai vivace übergehend mit seinen fast unaufhörlich rasenden Dreiklangsbrechungen und einem rasanten Pedal-Solo, atemberaubend spannend ausgeführt.

Dvoraks zehn „Biblische Lieder“ op. 99, ein Psalmen-Zyklus, legten die Texte mit sparsamen Mitteln, aber nicht zu überbietender Aussagekraft aus.

So begann Psalm 23 „Gott ist mein Hirte mit einem einzigen Orgelton, dem ein schlichtes Gesangssolo folgte: Geborgenheit in Gottes Obhut. Kleine Triller in lebhaften Zwischenspielen drückten Freude aus. Die „Schatten des Todestales“ in Moll wichen einem euphorischen Aufstieg: „Du leitest mich“.

Vögel zwitschern in den Trillern

Aus Psalm 144/145 stammte der Zusatztitel des Konzerts „Herr, mein Gott, dich will ich preisen“. In Psalm 98 „Singet ein neues Lied“, einem Lobpreis der Schöpfung, hörte man in den Trillern die Vögel zwitschern; in den Triolen der Begleitung kam fast Walzerstimmung auf.

Der lange Nachhall in der Kirche und der sehr tief gelegte Original-Klaviersatz, der Bass-Stimmlage entsprechend, verschluckten allerdings wertvolle Einzelheiten.

Die Orgel-Jazzfantasie über den Choral „Nun freut euch, liebe Christen g’mein“ von Volker Bräutigam (1939) war mit seiner flotten Rhythmik ein wunderbarer „Rausschmeißer“.

Lebhafter Beifall und viele Geldscheine im Kollektenkorb zeugten von der Begeisterung des Publikums.

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