„Beim genetischen Fingerabdruck wird es mit Ausreden eng“

Thomas Kohaupt (44) ist Kriminalhauptkommissar und tätig im Spurendienst des Hagener Polizeipräsidiums.

Frage: Welche Rolle spielt die DNA-Analyse im Rahmen der kriminalistischen Arbeit?

Thomas Kohaupt: Dass wir Verbrechen, auch länger zurückliegende Verbrechen, durch den genetischen Fingerabdruck oder mit Hilfe von Tatort-Spuren klären, kommt inzwischen recht häufig vor. Mord etwa verjährt ja nie, ungeklärte Fälle holen wir regelmäßig wieder hervor und untersuchen sie mittels der neue­sten kriminaltechnischen Methoden.

Wie gehen Sie am Tatort vor?

Wenn wir von der Spurensicherung hinzugerufen werden, sichern und bereiten wir eventuelle Tatort-Spuren so auf, dass sie gelagert werden können und auch nach langer Zeit noch brauchbar sind. Ein blutverschmiertes Kleidungsstück muss zum Beispiel kontaminationsfrei getrocknet werden. Die eigentliche DNA-Analyse findet dann im Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes in Düsseldorf statt.

Wie geschieht das?

Das sind hochkomplexe biochemische Untersuchungen. Die Proben werden extrahiert, vervielfältigt und analysiert. Es ist aber keineswegs so, dass man anschließend alles über den Menschen, dessen DNA man vorliegen hat, weiß. Nein, nein, untersucht werden nur bestimmte Einheiten auf der DNA, die keinerlei Rückschlüsse auf das Erscheinungsbild noch den Charakter zulassen. Wir können die Person nur eindeutig identifizieren.

Aber das Ergebnis ist verlässlich?

Die Sequenzen, von denen ich spreche, sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei zwei Personen identisch sind, liegt in etwa bei 1 zu 30 Milliarden. Auf unserem Planeten leben sieben Milliarden Menschen. Da wird es mit Ausreden ganz schön eng.

Was brauchen Sie denn für eine DNA-Analyse?

Speichel, Blut, Sperma, Schleimhaut sind bestens geeignet. Tränen dagegen enthalten keine Zellbestandteile, sie sind nutzlos. Eine verlorene Hautschuppe wiederum ist absolut ausreichend, um die Anwesenheit einer Person an einem bestimmten Ort nachzuweisen.

Das erleichtert Kriminellen ihr Tun nicht gerade. . .

Im Grunde kann sich kein Täter davor bewahren, irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Mit Fingerabdrücken ist das anders, da braucht man bloß Handschuhe überzustreifen. Aber DNA-Material hinterlässt ein Täter fast immer.

Der genetische Fingerabdruck hat sich demnach bewährt?

Auf jeden Fall. In der vom Bundeskriminalamt betriebenen DNA-Analyse-Datei sind inzwischen über eine Million Datensätze gespeichert. Seit 1998 wurden bereits 150 000 Treffer erfasst, bei denen eine Tat einem Täter zugeordnet werden konnte. Und ich glaube, diese Bilanz ist noch ausbaufähig.

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