Beim Boule in Hagen spielt Nationalität keine Rolle

Flüchtlinge trainieren beim Petanquesportverein in Halden.
Flüchtlinge trainieren beim Petanquesportverein in Halden.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Petanquesportverein Hagen bietet Schnuppertraining für Flüchtlinge
  • Junge Männer arbeiten im Förderzenzrum an beurflicher Zukunft
  • Verein erhofft sich für die nächsten Jahre Mitglieder-Aufschwung

Hagen.. Der Petanque-Sportverein Hagen gibt sich mit seinen 32 Mitgliedern recht international: Deutsche, Italiener, Spanier und Griechen versuchen sich in Halden gemeinsam darin, die 700 Gramm schweren Stahlkugeln möglichst nah am „Schweinchen“, der kleinen Zielkugel aus Holz, zu platzieren. Wenn es nach Sportwart Martin Röhring (55) geht, dann könnte die Vereinsgemeinschaft bald auch um ein paar Syrer und Afghanen erweitert werden: „Ich bin da ganz aufgeschlossen, die Nationalität ist mir egal.“

Es waren denn auch zehn Flüchtlinge aus den beiden asiatischen Staaten, die sich zum Probetraining auf dem Kiesplatz im Alten Holz einfanden – Flüchtlinge, die gern in Deutschland bleiben und sich hier eine berufliche Existenz aufbauen möchten. Dabei hilft ihnen ein u.a. von Caritas und Arbeiterwohlfahrt in der Hagener Innenstadt betriebenes U25-Förderzentrum, dessen Sozialpädagogin Heike Hansen der Gedanke umtreibt, dass Inte­gration nur gelingen kann, wenn die Flüchtlinge Anschluss an alle Lebensbereiche finden: „Was wir hier machen, ist soziokulturelle Eingliederung“, sagt sie mit Blick auf ihre Boule spielenden Schützlinge: „Es ist doch schön, dass die jungen Leute hier willkommen sind und regelmäßig spielen dürfen.“

Ziel der Hoffnungen

Mouaz Ali und Mohammad Allouh (beide 24) stammen aus Syrien, beide haben an einer Privatuni in Damaskus Bauingenieurswesen studiert – ob ihr Abschluss hierzulande Anerkennung findet, wird derzeit geprüft. „Wir sind vor einem Jahr wegen des Krieges gekommen“, berichtet Ali. Ihre Familien haben sie in der Heimat zurückgelassen, Deutschland als Ziel ihrer Hoffnungen ausgewählt, weil es in anderen Staaten, zumal in arabischen, kaum möglich sei, eine Arbeit zu finden: „Dubai ist zum Beispiel viel zu teuer.“

Im U25-Förderzentrum erhalten die beiden täglich Deutschunterricht und nehmen an berufsvorbereitenden Kursen im Bereich Elektro teil. Demnächst will ihnen Heike Hansen helfen, ein Betriebspraktikum zu finden, bei dem sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können.

Verwüstete Heimat

Syrer und Afghanen seien häufig sehr gut motiviert, hat die Sozialpädagogin mit Flüchtlingen aus diesen beiden Ländern gute Erfahrungen gemacht: „Und je höher der Bildungsstand, desto größer die Motivation.“ Da die jungen Menschen zudem aus teils vom Krieg verwüsteten Gegenden kämen, in denen man nicht leben könne, wüssten sie die Hilfe und die Chancen, die sich ihnen in Deutschland bieten, zu schätzen. Nicht umsonst hat Frau Hansen Boule als potenzielle Freizeitbeschäftigung für ihre Klienten ausgemacht: „Weil hierbei zwar jeder für sich, aber letztlich doch fürs Team spielt.“

Beim Petanque-Sportverein Hagen (Petanque ist eine Variante von Boule) wäre man froh, wenn der eine oder andere der Flüchtlinge so viel Gefallen an der Kugelsportart fände, dass das Schnuppertraining irgendwann in eine Mitgliedschaft übergeht. „Man braucht ja keine längere Anlaufphase, um es zu lernen“, sagt Vorsitzender Bernd Deipenwisch (71): „Es ist ein geselliger Sport, und der sportliche Reiz ist auch vorhanden.“ Sportwart Röhring, der häufiger in südlichen Gefilden weilt, wo Boule besonders populär ist, macht sich die Situation der Flüchtlinge wahrscheinlich am besten zu eigen: „Wenn ich im Urlaub bin, spiele ich Boule mit den Einheimischen. Dadurch bin ich sofort inte­griert.“

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