Bei Mai-Kundgebung in Hagen hat DGB die Zukunft im Blick

Bei der Maikundgebung des DGB im Volkspark Hagen geht es um die Zukunft der Arbeitnehmer.
Bei der Maikundgebung des DGB im Volkspark Hagen geht es um die Zukunft der Arbeitnehmer.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Anlässlich der Mai-Kundgebung an diesem Freitag möchte der DGB mit den Arbeitnehmer in die Zukunft blicken. Das Themenspektrum bleibt breit.

Hagen.. „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ – mit diesem Anspruch ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund am Freitag zur Teilnahme an der traditionellen 1.-Mai-Kundgebung im Volkspark auf. Dabei möchten der Vorsitzende Jochen Marquardt und sein Team vor allem inhaltlich näher an die Arbeitnehmerschaft heranrücken. Es gilt Witterung aufzunehmen, welche Themen in den Augen der Betroffenen künftig in den Mittelpunkt des Interesses rücken sollten und müssen.

Seit 125 Jahren gehen Gewerkschaften für die Rechte der Arbeitnehmerschaft auf die Straße. „Wir können mit Stolz zurückblicken“, erinnert Marquardt noch an ein zweites Jubiläum: „Mit dem Ende der Nazi-Diktatur vor 70 Jahren ist auch in unseren Reihen die Erfahrung gereift, sich gemeinsam auf den Weg machen zu wollen.“

Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt sich stetig

Dabei sieht der Hagener Gewerkschaftschef gemeinsam mit seiner Kollegin Ruth Schäfer (IGBCE) vor allem die Beschäftigungssicherung sowie ordentliche Lohntarife als die zentralen Herausforderungen ihrer Arbeit. Beispielhaft nennen sie die anstehenden Streiks bei den Kitas für eine höhere Eingliederung im Sozialerziehungsbereich: „Dabei handelt es sich um hoch qualifizierte Jobs jenseits des Bastelfrauen-Klischees“, wirbt Marquardt beispielhaft für adäquate Entlohnung.

Zwar habe die Zahl der versicherungspflichtigen Jobs in Hagen in den vergangenen zehn Jahren um knapp 2000 Stellen zugenommen. Dafür, so Marquardts Hochrechnung weiter, gebe es jedoch weniger Vollzeit-, aber deutlich mehr Teilzeitstellen. Auch die Leiharbeit und die Zahl der Minijobber, die durch Nebenverdienste ihre nicht ausreichend honorierte Haupttätigkeit aufstocken müssten, habe zugenommen: „Genau das entspricht nicht unserer Forderung nach guter Arbeit.“ Parallel verfestige sich die Langzeitarbeitslosigkeit stetig: „Mehr als 70 Prozent der Betroffenen bleiben im Hartz-IV-System verhaftet.“

Veränderter Steuerrahmen

Erneut fordert der DGB-Chef eine neue Strategie bei der Finanzierung der Gemeinden: „Die Kommunalpolitiker können kaum noch etwas von dem entscheiden, wofür sie gewählt wurden.“ Daher sei es dringend geboten, durch eine veränderte Steuerpolitik die Einnahmesituation der Städte zu verbessern. „Die zentrale Frage bleibt: „Wie wollen wir in Hagen leben? Und nicht etwa: Wie wollen wir überleben?“ Dazu gehöre auch, dass trotz Spardiktats beispielsweise eine attraktive Kulturszene erhalten bleibe, um ein Abdriften der Bürger in die rechte Ecke zu verhindern.

Marquardt spart anlässlich der Mai-Kundgebung aber auch nicht mit gewerkschaftlicher Selbstkritik. Zwar gelinge es nach den Jahren des Abschwungs aktuell dem DGB, seine Mitgliederzahlen weitgehend zu halten. Dennoch gebe es weiterhin erhebliche Defizite, den stetig wachsenden Dienstleistungssektor, aber auch Teilzeit- und Leiharbeitsbranchen gewerkschaftlich zu durchdringen. Auch an dieser Nahtstelle soll die gewerkschaftliche Zukunftsinitiative Antworten liefern, um attraktive Tätigkeitsfelder zu identifizieren, die das Gewerkschaftswesen für jüngere Arbeitnehmer wieder „sexy“ machen.

 
 

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