Bei Blumen sparen

Hagen.. Das Volk soll den Gürtel enger schnallen, findet der Oberbürgermeister. Im übertragenen Sinne: Hagens Bürger sollen hinnehmen, dass sich Standards und Infrastruktur verändern werden. Seine Vorschläge dazu, wo abzuspecken sei, schnürt Jörg Dehm bekanntlich in ein Paket von 90 Millionen Euro. Wie viel davon spart der OB in seinem Umfeld? Wer solche Fragen an den OB richtet, bekommt die Antworten von seinem Büroleiter Markus Funk.

Funk nennt eine Zahl: eine Million Euro, die Dehm in seinem Fachbereich abzwackt. Da fällt Funk als allererstes ein: der Dienstwagen. Während sich Dehms Amtsvorgänger noch in einer geleasten Mercedeslimousine der E-Klasse chauffieren ließ, steigt Dehm bald auf C-Klasse um. Zwar mit Stern, aber kleiner. Wozu überhaupt einen Mercedes als Dienstwagen? Funk hebt die Augenbraue. „Da gibt’s faktische Notwendigkeiten“, antwortet er knapp - und fügt hinzu: „Man muss in dem Auto arbeiten können.“ Der Sicherheitsaspekt, meint Funk, spiele auch eine Rolle für die Auswahl des Autos - und der Symbolgehalt. „Als oberster Repräsentant. . .“, lässt er den Satz unvollendet.

Sie haben die Fahrzeuge für die Spitze des Rathauses halbiert, haben aus zwei Dienstwagen einen gemacht. Bürgermeisterin Brigitte Kramps und Bürgermeister Hans-Dieter Fischer fahren ab sofort Taxi. „Aber“, meint Funk, „das sind Peanuts. Es gibt Wichtigeres.“

Die Personalkosten machen den dicksten Batzen der Million im Amt des OB aus - durch Aufgabenverlagerungen, Stellenstreichungen etc. Nah am OB: Ein Dienstwagenfahrer fällt weg, Service-Kräfte - die guten Geister bei Veranstaltungen - werden reduziert, eine Stelle wird abgewertet. Rund 99 000 Euro Konsolidierungsbeitrag macht das künftig pro Jahr unterm Strich. „Im Sachmittelbereich haben wir Luft rausgequetscht, wo wir konnten“, umschreibt Funk generell - „und wir haben uns finanziell sehr konservativ aufgestellt“. Diese Luft haben Funk & Co an einigen Stellen schnell ermittelt. 2 900 Euro werden künftig jährlich weniger dafür ausgegeben, Hagener Heimatbücher an im Ausland lebende Hagener zu verschicken. Das gehörte bisher zum gutem Ton. „Wir werden uns von manch lieb gewordener Tradition verabschieden müssen.“

Dazu zählen auch Blumensträuße, Dekomaterial für Feierlichkeiten, der Städtepartnerschaftsverein bekommt weniger Geld. „Der OB hat aufgefordert, auch kleinere Beträge einzusparen.“ Wie die 500 Euro jährlich für Repräsentationszwecke. Für welche genau, wird sich im laufenden Geschäft zeigen. Mittel für Öffentlichkeitsarbeit werden reduziert. Oder die knapp 5 500 Euro für Broschüren, Flyer, Infomaterial - an der Stelle macht Kleinvieh offensichtlich doch Mist.

Letztlich liegt es in den Händen der Politik, was aus dem Haushaltssicherungskonzept überhaupt umgesetzt wird. Jener Politik, die auch an sich selbst kürzen soll: Die Mitgliederzahlen im Rat und in den Bezirksvertretungen sollen auf die gesetzliche Mindestanzahlen von 52 respektive 11 gesenkt werden - summa summarum: 13 440 Euro an Aufwandsentschädigungen gespart. Für Rats- und BV-Mandate fielen 2008 insgesamt 661 000 Euro Aufwandsentschädigungen an. Und Bezirksvertretungen zusammenlegen? „Hagens Siedlungsstruktur steht dagegen“, argumentiert Markus Funk.

Während OB Dehm den verantwortungsvollen Umgang mit Geld einfordert, stellt sich die Frage: Wie passt eine Ausgabe von 15 000 Euro für einen Raucherpilz, der städtischen Bediensteten das trockene Rauchen bei Regenwetter auf dem Dach des Rathauses ermöglicht, in eine Zeit des Gürtelengerschnallens? Da geizen sowohl Markus Funk als auch Jörg Dehm mit Worten. . .

 
 

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