Baugebiet, Radweg und geologischer Pfad entstehen

Mike Fiebig
Im linken Bildbereich die noch freie Baufläche. Rechts sieht man die Steinbruchkante. Die künftigen Bewohner der Häuser haben einen weiten Ausblick.
Im linken Bildbereich die noch freie Baufläche. Rechts sieht man die Steinbruchkante. Die künftigen Bewohner der Häuser haben einen weiten Ausblick.
Foto: WP
  • 50 Grundstücke entstehen
  • Radweg zwischen Vorhalle und Eckesey
  • Kersbergwand wird „erlebbar“ gemacht

Vorhalle. Noch ruht der Hang am Rande des Steinbruchs im Vorhaller Süden, der weltweit zu den reichhaltigsten Fundstellen für Fossilien aus dem Oberkarbon gehört – Fundstücke aus einer Zeit, die 318 Millionen Jahre zurück liegt. Das für Geologen spannende und einstige Abbaugebiet der ehemaligen Vorhaller Klinkerwerke wird in den kommenden Monaten aus gleich dreierlei Hinsicht deutliche Veränderungen erfahren. Häuslebauer, Radfahrer, Wanderer, Naturfreunde und der gesamte Stadtteil Vorhalle sollen davon profitieren.

Das Baugebiet

50 Baugrundstücke werden auf der dafür bereitstehenden Fläche östlich des Sporbecker Weges am ehemaligen Vorhaller Steinbruch zwischen dem Weg „In den Erlen“ (führt an der Ecke Sporbecker Weg/Ulmenstraße hinauf ins Waldgebiet „In der Halle“, das Vorhalle seinen Namen gibt) und der DB-Güter-Verbindungsstrecke Heubing-Eckesey entstehen. Südwest-Ausrichtung, helle Grundstücke, die teilweise terrassenartig angelegt werden und ein Blick Richtung Harkortsee, auf den Kaisberg, nach Herdecke und auf den Hengsteysee. „Das wird ein wunderbares Baugebiet mitten im Grünen. Eine richtige Aufwertung für den Vorhaller Süden“, sagt Hans-Joachim Bihs, Vorstand des Wirtschaftsbetriebs Hagen und ebenfalls Chef der Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft (HEG), die hier, wie ihr Name schon sagt, zeitnah für die Erschließung sorgen wird. „Wir hoffen, dass das jetzt zügig geht und wir im Oktober mit der Vermarktung beginnen können“, sagt Bihs.

Grundstücke wird es am Steinbruchrand zwischen 350 und 400 Quadratmetern Größe geben. Die Grundstückspreise, so Bihs, seien vergleichbar mit denen in den anderen zuletzt entstandenen Baugebieten in Hagen. Wenn das so ist, gibt es den Quadratmeter (erschlossen) ab 180 Euro. Im Baugebiet werden zwei Sackgassen entstehen, über die man die Häuser erreicht. Die Zufahrt wird über „In den Erlen“ möglich sein.

Der Radweg

Noch, so Bihs, befänden sich die HEG und die Stadt in der Diskussion über den Erschließungsvertrag. Sobald der unterschrieben ist, soll parallel zur Erschließung auch die Becheltestraße in Eckesey via Steinbruch mit dem Sporbecker Weg über einen Rad- und Wanderweg verbunden werden. Hinter der so gut wie gar nicht genutzten Becheltebrücke (vor drei Jahren für 300.000 Euro aufwändig saniert) können Radfahrer dann künftig links durch einen Tunnel fahren, wenige Meter entlang der Bahntrasse radeln und auf der ehemaligen Reichsbahnstrecke (unter Büschen und Schotter heute noch erkennbar) entlang der Steinbruchkante Richtung Sporbecker Weg fahren.

Damit gibt es erstmals die Möglichkeit, auf dem Weg aus der Innenstadt nach Vorhalle zu fahren, ohne sich über die für Radfahrer schwierige Passage Geitebrücke/Herdecker Straße quälen zu müssen. „Der Rad- und Wanderweg wird außerdem beleuchtet sein. Wir wollen keinen Angstraum, sondern eine sichere Verbindung schaffen“, so Bihs.

Das Denkmal Steinbruch

Im Vorhaller Steinbruch befindet sich die sogenannte „Kersbergwand“. Die Steinbruchwand stellt den sichtbaren Teil eines eingetragenen Bodendenkmals dar, das sich (nicht sichtbar) nach Norden fortsetzt. „Der Regionalverband Ruhr (RVR) wird sich darum kümmern, dass die Kersbergwand im Rahmen eines geologischen Pfades für Besucher erlebbar wird“, sagt Bihs. Dazu gehöre eine Dokumentation des Bodendenkmals, aber auch die Aufforstung in unmittelbarer Umgebung. Beim RVR wollte man das gestern noch nicht bestätigen. Nur so viel: Man befinde sich in Gesprächen.

Die alte Ziegeleigrube ist aus paläontologischer Sicht (Wissenschaft über die Lebewesen vergangener Zeitalter) ein Ort von großer internationaler Bekanntheit. Die Tonsteinschichten deuten darauf hin, dass dieser Ort vor über 318 Millionen Jahren in der Meeresbucht eines Flussdeltabereiches lag. Jahrzehntelang untersuchten Paläobotaniker und Geologen den Vorhaller Steinbruch. Zwischen 1990 und 1997 führte das LWL-Museum für Naturkunde intensive Grabungen durch. Ein Eigentümerwechsel des Ziegeleibetriebes führte zur Stilllegung des Steinbruches und zu Planungen für die Errichtung einer Sondermülldeponie. Deshalb führte der LWL die sogenannte „Rettungsgrabung“ durch, weil bedeutende Fossilvorkommen nun akut gefährdet waren.

In Vorhalle wurden die ältesten vollständigen Insekten der Welt gefunden. Einige konnten erstmalig detailliert rekonstruiert und ihre Ernährungsweise geklärt werden.