„Axt-Räuber“ vor Gericht ganz kleinlaut

Der Angeklagte mit seinem Anwalt.
Der Angeklagte mit seinem Anwalt.
Foto: Privat

Hohenlimburg..  Der „Axt-Räuber“, der genau genommen ein Beil-Räuber ist: Seit Freitag sitzt S. (40) aus Elsey auf der Anklagebank. Hart, aber wahr: Ohne sein scharfes Hiebwerkzeug in der Hand wird er zum Jammerlappen.

9.07 Uhr, Landgericht, Saal 201. Die schwere Holztür links vom Richtertisch öffnet sich langsam. Plötzlich tritt hastig der Angeklagte aus dem Gefängnisaufgang. Er hält mit der linken Hand einen Stapel weißer Papierblätter hoch, verdeckt scheu sein Gesicht vor vier Fernsehkameras.

Beil für 28 Euro im Baumarkt gekauft

So feige kannte man den Mann, der vor 26 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam und stolz behauptet, „ich habe 16 Jahre hier gearbeitet, das ist mein zweites Land“, auf den Bildern der Überwachungskameras bisher nicht. Im Gegenteil. An zwei Tatorten, vor den Theken der Autobahntankstellen, hob er bedrohlich, offenbar angriffsbereit sein scharfes Lattbeil (28 Euro im Baumarkt) hoch und versetzte Kassierinnen in Panik, Angst und Schrecken.

Zwölf solcher Raubüberfälle „mit Beil“ stapeln sich inzwischen auf den Tischen der „Ermittlungskommission Tomahawk“ im Hagener Polizeipräsidium, aber es gilt als sicher, dass nicht alle Taten dem jetzt angeklagten S. zugerechnet werden können. Dienstagmorgen nahmen die Fahnder in Oege einen Kampfsportler (38) fest, der als „Axträuber Nr. 2“ dringend verdächtig ist.

Angeklagt vor der 4. Strafkammer sind jetzt vier Taten: Der Beil-Überfall auf eine Spielhalle an der Möllerstraße (Elsey), 26. August letzten Jahres. Beute: 300 Euro. Zudem zwei Beil-Überfälle auf Tankstellen in Kamen und Ahlen, beide am 4. Oktober, Gesamtbeute: 1075 Euro. Und eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Spielsüchtig und in Geldnot

Bis auf den Spielhallenraub räumt S. alle angeklagten Vorwürfe ein. Er sei spielsüchtig und habe, als er Ende 2008 arbeitslos wurde, besonders viel Geld benötigt. Von zwei Banken lieh er sich 13 000 Euro, vom Bruder 11 000 Euro, von Freunden 3000 Euro. Das ganze Geld wurde sinnlos in Daddelautomaten gesteckt. Als er über einen „Axt-Räuber“ in der Zeitung las, sei ihm angeblich ganz spontan die Idee gekommen, das auch zu probieren.

S. jammert: „Ich schäme mich, frage mich, wie ich mein Familienleben so zerstören konnte.“ Im Zuhörerraum schauen vier Frauen mit bunten Kopftüchern betreten zu Boden. „Zusammen mit Mördern, Vergewaltigern und Drogenhändlern muss ich mich nun im Knast aufhalten. Was habe ich da zu suchen?“

S. zupft erst an seinem Oberlippenschnäuzer, dann an seinem mausgrauen Polohemd: „Mein Kind ist als Sohn eines Räubers beschimpft worden.“ „Denken Sie mal drüber nach, wer dafür verantwortlich ist“, entgegnet Richter Dr. Frank Schreiber trocken.

 
 

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