Ausstehende Miete fließt vom SPD-Parteikonto

Peinliche Panne bei der SPD:
Peinliche Panne bei der SPD:
Foto: WP Michael Kleinrensing
Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Altenhagen hat seine Mietschulden zunächst vom Parteikonto beglichen. Eine peinliche Panne, die er mittlerweile korrigiert hat.

Altenhagen.. Das Fest der Feste ist gelaufen. Alles blickt schon auf Silvester. Dennoch gilt es zwischen den Jahren, auf eines der bemerkenswertesten Bankgeschäfte 2015 zu blicken. Die Summe des Anstoßes wirkt zwar überschaubar. Doch die Chronologie der Umstände bringt sämtliche Zutaten für eine gediegene Politposse mit. Zumindest den Hagener Sozialdemokraten – in ihrem Dunstkreis spielt diese Geschichte – wurden kurzzeitig die Knie weich. Inzwischen konnte der Geist der Weihnacht die Causa in ein sanfteres Licht rücken. Es bleibt die Chronistenpflicht, das Getöse rund um eine Überweisungspanne für die Nachwelt festzuhalten.

Buchungsabteilung der Hagener Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (HGW) Anfang Dezember: Ein säumiger Mieter begleicht per Überweisung eine noch offene November-Schuld für seine Wohnung in der oberen Berghofstraße. Für die Sachbearbeiter bei dem kommunalen Wohnungsunternehmen, die tagtäglich Tausende Mieterkonten im Blick haben, ein üblicher, geradezu unspektakulärer Vorgang, der jeden Monat zigfach passiert.

Mitglied im HGW-Aufsichtsrat

Doch diesmal ist alles anders. Denn der Schuldner ist kein Geringerer als ein SPD-Ratsherr, zugleich Vorsitzender des schlagzeilenträchtigen SPD-Ortsvereins Altenhagen. Der Genosse sitzt obendrein im Aufsichtsrat des städtischen Wohnungsunternehmens, um dort ein waches Auge auf die Geschicke der HGW-Geschäftsführung zu werfen. Diesmal hätte er sich jedoch besser selbst auf die Finger geschaut: Seine offene Mietschuld in Höhe von 440,56 Euro (inkl. fünf Euro Rücklastschriftgebühr) wird nämlich nicht von seinem Privat-, sondern direkt vom Parteikonto der Altenhagener SPD transferiert.

In der Buchhaltung der HGW läuten auf der Büroklatsch-Ebene noch in derselben Sekunde sämtliche Alarmglocken. Dort rieb man sich wenige Wochen zuvor ohnehin schon die Augen, da der säumige VIP-Mieter keine – wie sonst üblich – schriftliche Mahnung zugesandt bekam, als sein Lastschrifteinzug platzte. Stattdessen beließ man es seitens der Geschäftsführung zunächst bei einer telefonischen Zahlungserinnerung.

Und jetzt fließt das verspätete Geld auch noch aus der Parteikasse. Nutzt hier ein Mandatsträger und Politfunktionär seine Position, um aus dem Genossenvermögen eine private, finanzielle Vakanz zu überbrücken? „Wir möchten laufende Geschäftsbeziehungen zu Kunden grundsätzlich nicht öffentlich kommentieren“, so HGW-Geschäftsführer Dr. Marco Boksteen.

Dass der Fall dennoch weitere Kreise zieht, kann der Wohnungsmanager nicht verhindern. Kaum ist der Verdacht gegen den Politiker in Lichtgeschwindigkeit durch sämtliche Büros des städtischen Tochterunternehmens an der Neumarktstraße gerauscht, schlagen schon erste Hinweise im Hagener SPD-Parteibüro wenige Meter weiter an der Elberfelder Straße ein: Der Ratsherr und HGW-Aufsichtsrat bediene sich womöglich aus der SPD-Schatztruhe. Immerhin verfügt der 34-Jährige gemeinsam mit der Kassiererin über die Kontovollmacht über das Altenhagener Partei-Vermögen. Und die dortige Schatzhüterin trägt inzwischen sogar den Familiennamen des Vorsitzenden – ein Jawort macht’s möglich.

Belege geprüft

Die irritierte und besorgte Spitze der Hagener Sozialdemokratie sendet daraufhin ihre Kundschafter in Richtung Altenhagen aus und lässt sich sämtliche Kontobewegungen vorlegen. Dabei räumt der unter Verdacht geratene Ratsherr zerknirscht ein, einen echten Bock geschossen zu haben. „Die Angelegenheit konnte anhand der vorgezeigten Belege aufgeklärt werden“, versichert Robin Baranski, Geschäftsführer des Hagener SPD-Unterbezirks.

„Um die – einmalig – nicht abgebuchte Monatsmiete zu begleichen, habe ich zuerst bei der Sparkasse eine Bareinzahlung getätigt, um genau diesen Betrag anschließend der HGW zu überweisen“, schildert der Politiker gegenüber der Stadtredaktion seinen Tun. „Wie sich im Nachgang herausgestellt hat, ist mir dabei ein Irrtum unterlaufen. Verwendet wurde nicht das Privatkonto, sondern das Ortsvereinskonto.“ Ein Versehen, das er genau so auch den Parlamentären der Parteispitze minutiös nachweist.

Dauerauftrag griff wieder ordnungsgemäß

Am Nikolaustag wendet sich der unter Verdacht geratene Ortsvereinsvorsitzende schriftlich an die HGW, um die suspekte Kontobewegung wieder gerade ziehen zu lassen. „Um die irrtümlich vom Ortsvereinskonto getätigte Überweisung aufzuklären und diese transparent als Fehlbuchung auszuweisen, habe ich die HGW-Monatsmiete nochmals privat beglichen und um anschließende Rücküberweisung der irrtümlichen ersten Einzahlung auf das Ortsvereinskonto gebeten.“ Genauso ist die HGW-Buchhaltung letztlich auch verfahren – unter den wachen Augen der eigenen Geschäftsführung und der Hagener SPD-Parteispitze.

Übrigens: Im Dezember griff der Dauerauftrag für die Miete für die Wohnung vom Privatkonto wieder ordnungsgemäß. Allerdings zum letzten Mal: Der SPD-Ratsherr zieht aus – in ein Zuhause außerhalb des HGW-Zuständigkeit.

 
 

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