Auktionshaus Christie's ist interessiert an Bild aus Hagen

Das weltberühmte Auktionshaus Christie's ist interessiert an einem Bild aus Hagen.
Das weltberühmte Auktionshaus Christie's ist interessiert an einem Bild aus Hagen.
Foto: WR Theo Schmettkamp
Der Name ist kein Zufall. "Der Auserwählte" heißt das Bild, das in Hagen steht und für das sich jetzt sogar das weltbekannte Auktionshaus Christie's interessiert. Das Werk von Ferdinand Hodler soll immerhin zehn Millionen Euro wert sein. Eine Summe, die Oberbürgermeister Jörg Dehm zum Nachdenken bringt.

Hagen. Ironie der Geschichte: Kunstmäzen Karl-Ernst Osthaus erwarb 1905 ein bedeutendes Bild für den Hohenhof im Rahmen einer Auktion. Über 100 Jahre später könnte dasselbe Gemälde wieder zur Versteigerung stehen. Ferdinand Hodlers Werk „Der Auserwählte“, das bislang im repräsentativen Empfangsraum am Stirnband hing, ist immerhin auf zehn Millionen Euro taxiert.

Eine solche Summe löst angesichts leerer Kassen in Hagen offensichtlich Gedankenspiele bei Verantwortlichen in dieser Stadt aus. Bereits in der vergangenen Woche geisterte das Gerücht durch die Flure, Oberbürgermeister Jörg Dehm sinne über einen Verkauf des großformatigen Bildes nach.

Übers Wochenende verdichteten sich die Gerüchte weiter, mit der Kunst klamme Kassen aufbessern zu wollen. Immerhin trat der Oberbürgermeister an die Spitzen der im Rat vertretenen Fraktionen heran, dass sich das renommierte Auktionshaus Christie’s wegen des Hodlers bei der Stadt gemeldet habe.

Weltkulturerbe-Antrag bei der Unesco für Hohenhof

Auf Anfrage wollte sich Kulturdezernent Herbert Bleicher in der vergangenen Woche nicht zum Thema Hodler und Hohenhof äußern. Es scheint die Wahl zwischen Pest und Cholera zu sein. Im Kulturhaushalt soll gespart werden. Deshalb versucht die Stadt, den Hohenhof zu privatisieren. Gespräche darüber laufen mit dem Regionalverband Ruhr. Was, wenn das nicht zustande kommt? Dann ginge der Hohenhof, für den aktuell ein Weltkulturerbe-Antrag bei der Unesco läuft, eventuell komplett den Bach runter.

Insbesondere der Antrag bei der Unesco lässt aufhorchen. Vermutlich wirkte ein Filetieren des Jugendstilensembles kontraproduktiv. Bewusst ließ Osthaus seinen damaligen Architekten Henry van de Velde Räume des Hohenhofes um Kunstwerke herum planen. So entwarf van de Velde für das Werk „Der Auserwählte“, das den Frühling symbolisiert, den Empfangssalon in den Abmessungen des Werkes: Es ist perfekt in die Wand eingepasst.

Laut eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag, der sich mit dem „Hodler aus Hagen“ beschäftigt, ist das Amt für Denkmalpflege in Münster alarmiert: „Eine Entfernung sei eine erlaubnispflichtige Maßnahme, die nicht erlaubnisfähig sei.“

Entfernt worden sein soll das originale Bild bereits – aber aus versicherungstechnischen Gründen. Noch besteht für die Werke im Osthaus-Museum, an das der Hohenhof angehängt ist, kein Versicherungsschutz. Diese Versicherung hatte der Rat seinerzeit mehrheitlich gekippt – um zu sparen. Nun kommt der Bumerang offensichtlich zurück. Inzwischen ist zwar ein Sponsor für die Übernahme der Versicherungsbeiträge gefunden, der Schutz wird allerdings erst zum 1. Januar 2012 wirksam. Für dieses zeitliche Vakuum lagere, Gerüchten zufolge, der Hodler sicherer im Osthaus-Museum als im Hohenhof – zehn Millionen sind kein Pappenstiel.

 
 

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