Augenmaß beim Kugelwurf

Konzentration und Augenmaß sind beim Boule-Spiel erforderlich.
Konzentration und Augenmaß sind beim Boule-Spiel erforderlich.
Foto: WP
  • Rund 100 Teilnehmer bei Boule-Turnier in Hagen
  • Spiel erfordert Konzentration und Augenmaß
  • Es gibt 188 Vereine in Nordrhein-Westfalen

Halden.. Ein falscher Wurf kann das Spiel entscheiden. Rund 100 Boule-Spieler lockte der Sauerland-Cup am Sonntag auf das Gelände der TuS Halden-Herbeck. Willkommene Gelegenheit für einen Blick hinter die Kulissen einer oft unterschätzten Randsportart.

Konzentriert blickt Birgit Glade auf die Spielbahn. Drei Würfe hat sie, um in dieser Runde zu punkten. Drei Würfe mit silbernen Stahlkugeln – groß wie ein Tennisball, schwer wie ein Klotz Butter. Diese müssen am Ende möglichst nah an der sieben Meter entfernten „Sau“ liegen, einer kleinen Plastikkugel.

Klingt einfach, erfordert von der Boule-Spielerin aber viel Konzen­tration und Augenmaß. Schließlich müssen die Kugeln auf der doppelten Entfernung einer Basketball-Freiwurflinie punktgenau fallen. Für Birgit Glade nicht die erste Boule-Partie. „Wir spielen häufiger auf Turnieren“, erzählt die Münsteranerin zwischen zwei Würfen. Mit ihren Teamkollegen vom BC Münsterland Wadersloh kämpfte sie an diesem Sonntag um den Turniersieg in Halden. Objekt der Begierde: Der Sauerland-Cup, gestiftet vom Boule-Verein Pentanquesport Hagen. 50 Mannschaften mit jeweils zwei Spielern lockten die Ausrichter für das Freiluft-Turnier vor das Vereinsheim des Tus Halden-Herbeck – darunter auch Profi-Spieler erster Klasse.

Namhafte Profis

So warf auf einer Spielbahn William Riga, mehrmaliger belgischer Boule-Meister, seine Kugeln. „Ich habe im Internet von dem Turnier erfahren. Das Ambiente hier ist wirklich toll“, lobt der Belgier, der für den Sauerland-Cup extra aus Lüttich angereist ist. Sein Team, zu dem der ehemalige Deutsche Meister Kamel Bourouba gehörte, zählte zu den Turnier-Favoriten an diesem Sonntag.

Die ersten Boule-Kugeln wurden dem Profi William Riga quasi schon in die Wiege gelegt: „In meiner Familie haben alle Boule gespielt. Inzwischen bin ich auch seit 50 Jahren dabei“, erzählt der viermalige WM-Teilnehmer. Ähnlich war es bei Sascha Müller. Der 23-Jährige gehört zu den Boulefreunden Neuenrade und kämpfte an diesem Sonntag mit Teamkollege Sebastian Moczyk um den Cup. „Ich habe schon als Kind mit dem Sport angefangen, meine Eltern haben mich überzeugt“, erzählt der junge Neuenrader. Einmal angefangen, sehen manche in dem Sport sogar eine heilende Wirkung: „Für mich ist das wie eine Therapie“, erzählt Turnierteilnehmer Olivier Bertoli und zwinkert mit dem Auge. „Nur heute ist es ein Alptraum“, beklagt er mit Blick auf seine bisherigen Ergebnisse.

188 Vereine

Ob Entspannungs-Therapie oder Familientradition, Boule begeistert in Deutschland mehr als Randsportart. So zählt der Landesverband NRW rund 188 Vereine. Zum Vergleich: Der Westfälische Tennis-Verband zählt allein 810 Mitgliedsvereine. Es ist eine kleine Gemeinschaft, das war auch beim Sauerland-Cup in Halden zu spüren. Viele Spieler kannten sich untereinander, bei Kaffee oder Pils wurde geplaudert und gefachsimpelt. „Die Atmosphäre ist sehr gesellig und entspannt“, konstatiert auch Bernd Deipenwisch, erster Vorsitzender des Ausrichters Pentanquesport Hagen. Für ihn liegt die Faszination von Boule gerade im Kleinen: „Es ist eigentlich ein ganz einfaches Spiel. Aber Taktik und Technik sind entscheidend“, findet Deipenwisch.

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