„Atomkraft geht jeden an“

Hagen.. Miriam Kleemann-Adolphs ist das frische Gesicht des Hagener Aktionsbündnis’ „Solidarität mit Japan - AKW abschalten - Umstieg jetzt!“. Die zweifache Mutter hat, wie sie selbst sagt, bisher noch nirgendwo gegen irgendwas demonstriert - geschweige denn einen Prostest (mit)organisiert. Doch jetzt, angesichts der Bilder und Gefahren aus Japan, ist ihr Kampfgeist erwacht.

Was hat Sie dazu bewogen, spontan, innerhalb von 24 Stunden die erste Mahnwache anzumelden?

Miriam Kleemann-Adolphs: Wir haben nach Ausbruch der Katastrophe in Japan tagelang vor dem Radio und Fernseher gesessen und die bedrückenden Bilder gesehen. Da kamen auch die Erinnerungen an Tschernobyl wieder auf. Ich war zwar damals erst sieben, aber bin damit groß geworden. Wir hatten schlicht Angst davor, was jetzt in Japan passiert. Als jemand sagte, da kann man nichts machen, dachte ich: Doch, man kann! Wir machen jetzt was. Übers Internet haben wir uns dann informiert und sind auf das Bündnis ,ausgestrahlt’ gestoßen. Die haben Unterschriften gesammelt, daran haben wir uns beteiligt. Als am ersten Sonntag nach der Katastrophe der Aufruf zu Mahnwachen kam, habe ich am Montagmorgen zum Telefonhörer gegriffen und eine Mahnwache für Hagen angemeldet.

Bringt es überhaupt was, sich bei einer globalen Thematik, lokal zu engagieren?

Wir standen bislang niemals allein da. Gleichzeitig zur Mahnwache in Hagen haben Menschen in über 700 anderen Städten demonstriert. Das bekommt die Politik schon mit - und hat ja auch darauf reagiert. Aber wir wollen nicht nur politischen Druck ausüben, wir möchten auch Menschen informieren und aufklären. Man muss ein Bewusstsein für das Thema Atomkraft und ihre Folgen wecken. Aus Japan nehmen die Infos inzwischen wieder ab, aber damit sind die Gefahren nicht abgewendet. Im Gegenteil, wenn im Trinkwasser Radioaktivität gemessen wird, dann ist der GAU meiner Meinung nach eingetreten. Radioaktivität macht nicht Halt vor Grenzen, sie wird auch hier messbar sein. Die Welt ist eben ein Dorf. Die Gefahren von Atomkraft gehen jeden was an, der hier lebt und Strom bezieht.

Wie sieht Ihr persönlicher Protest aus?

Wir als Familie versuchen wegzukommen, von den vier großen Stromanbietern wie RWE, Eon, Vattenfall und EnBw. Man kann Ökostrom beziehen, zu anderen Anbietern wechseln. Das ist nicht mal teurer. An der Stelle können Verbraucher ihre Macht nutzen und den Stromriesen darüber den Boden abgraben. Ich denke da vor allem auch an meine Kinder. Denen möchte ich eine Zukunft bieten können und zwar keine verstrahlte.

Wie geht es mit den Mahnwachen weiter?

Wir haben die Mahnwachen bis Ende Mai jeweils für montags - außer an Ostermontag angemeldet. Beim zweiten mal hatten wir ein Mikrofon. Da kann jeder sagen, was ihn bewegt. Außerdem werden wir weiterhin Kerzen dabei haben, als Symbol. Für kommenden Montag wollen wir eine Menschenkette organisieren. Wir möchten erreichen, dass noch mehr Menschen stehen bleiben und sich uns eventuell anschließen. Das wird auf dem Ebertplatz stattfinden. Wenn wir zu viele werden, können wir immer noch in die Fußgängerzone ausweichen. Das wird sich spontan ergeben.

Hat Sie die Protestkultur verändert?

Nein. Ich bleibe, wie ich bin. Ich will eine Person wie du sein. Ich schlage politisch in keine Richtung und werde mich vor keinen Karren spannen lassen. Das einzige ist: Ich habe schon nach der ersten Mahnwache große Unterstützung vom Hagener Friedenszeichen bekommen. Das freut mich sehr. Aber auch dadurch lasse ich mich auf keine Gruppierung festlegen.

 
 

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